Lahr Eine letzte Silvester-Fahrt

Marco Armbruster

Unternehmen: Reise-Veranstalter Winfried Schärer gibt seinen Betrieb auf

Lahr - Nach viereinhalb Millionen Kilometern und 52 Jahren am Steuer verabschiedet sich Winfried Schärer in den Ruhestand. Damit endet auch eine 72-jährige Firmengeschichte aus Lahr: von den Anfängen in einem Lastwagen mit Holzbänken bis heute.

Noch eine letzte Silvester-Fahrt hat sich Winfried Schärer, Inhaber von Schärer-Reisen in Lahr, vorgenommen – danach ist Schluss. Mit den Worten "Ich bin mal weg" kündigte er seinen Ruhestand bereits zu Beginn des Jahres in seinem Programmheft an. "Ich will leise gehen", sagt der Lahrer. Bei den letzten Fahrten diesen Jahres habe er sich von den Gästen am Mikrofon im Bus verabschiedet. Ein bisschen Wehmut schwingt mit, wenn er von den Reisen in den vergangenen 52 Jahren berichtet – aber auch ganz viel Begeisterung.

Immerhin hat er im Schnitt 85 000 Kilometer im Jahr mit seinen Reisegästen zurückgelegt. Das summiert sich im Laufe seines Berufslebens auf viereinhalb Millionen Kilometer oder anders ausgedrückt: etwa 112-mal um die Erde. Ziele waren Irland, Norwegen, Tschechien, Russland und sogar Mallorca. Er habe damals eine Marktlücke ausgenutzt. "Mich bekommt man in kein Flugzeug", erklärt der Lahrer Unternehmer. So sei es vielen Reiselustigen gegangen. Die Bus-Reisen auf die Balearen seien sehr beliebt gewesen, sagt Schärer. Besonders gerne sei er selbst in den Norden gefahren, berichtet der 72-Jährige mit strahlenden Augen.

Mit seinem Berufsleben endet auch der Familienbetrieb. Sein Sohn sei zwar bereits als Fahrer mit im Betrieb tätig gewesen, habe aber die lange Abwesenheit von der Familie nicht gemocht. "Von Ostern bis Ende Oktober waren wir unterwegs", sagt Schärer. Nach dem Ausstieg seines Sohnes habe er den Betrieb langsam von sechs Bussen auf nur noch einen verkleinert. "Nach 65 habe ich gesagt: jetzt machst du bisschen langsamer", berichtet der leidenschaftliche Busfahrer. Bis zum Schluss habe er dann nur noch ein Programm gehabt, dass er auch alleine fahren konnte.

"Eigentlich wollte ich ja Arzt werden", erinnert sich Schärer. Aber als sein Vater ihn einmal von der Schule mit dem Bus abgeholt hatte, sei es um ihn geschehen gewesen. "Ich habe mich ganz nach hinten in den leeren Bus gesetzt". Die Alleestraße hoch und dann rechts in die Friedrichstraße ging die Fahrt. "Das geht doch nicht", hab er sich gedacht, als sein Vater durch die enge Kurve steuerte. "Das hat mich so fasziniert", erläutert der 72-Jährige heute noch ganz begeistert, "da war klar, dass ich in den Betrieb möchte".

Gut erinnere er sich noch an das "Bauchkribbeln" vor seiner ersten Fahrt, erzählt Schärer. Sein Vater habe ihm aufgetragen, eine Gruppe von Zeugen Jehovas in Teningen abzuholen. "Ich wusste erst mal gar nicht, wo Teningen denn liegt". Nachdem sein Vater ihm den Weg jedoch genau erklärt hatte, ging alles gut. "Danach war ich so stolz: ich bin mit dem Bus die Marktstraße zweimal hoch und runter gefahren".

"Ich möchte meiner Frau noch ein paar schöne Orte zeigen", nimmt sich Schärer für den Ruhestand vor und schwärmt von Norwegen. Dorthin fährt er natürlich selbst – dann aber im Wohnmobil.