Lahr Eine Komödie über die Liebe

In "Wie es euch gefällt" spielten Schüler des MPG am Freitag und Samstag virtuos. Um Geschlechterrollen ging es dabei. Foto: Baublies

Lahr - "Wie es euch gefällt" ist ein virtuoses Spiel mit Geschlechterrollen und den darin enthaltenen Gegensätzen. Die Theater-AG des Max-Planck-Gymnasiums hat die Komödie von William Shakespeare daher in einem doppelten Gewand aufgeführt.

Der Hof des Usurpators Herzog Frederick (Alina Boos) wird alleine durch graue, dunkle Kleider und düsteres Licht angezeigt. Der Gegensatz ist der Wald von Arden, in dem der verbannte und rechtmäßige Herzog (ebenfalls Alina Boos) mit einigen seiner Getreuen lebt.

Die Bekleidung ist bunt, die Gesellschaft lebt in Harmonie. Das moderne Gewand des Stücks, das William Shakespeare an der Wende zum 17. Jahrhundert geschrieben hat, ist der erste Auftritt der Verbannten. Sie exerzieren eine gute Länge – Tai-Chi. Andrea Welz als Regisseurin hat die Gratwanderung gut bewältigt, den alten Stoff zu erhalten und heute dennoch nicht altbacken wirken zu lassen. Was auch an dem – behutsam modernisierten – deutschen Text liegt. So schimpft Orlando (Amadeus Wagner) in düsteren Tönen über seinen Zwang, nur "gammeln" zu dürfen. Der ältere Bruder Oliver (Dennis Klein) nennt ihn hier konsequent einen "Terroristen".

Wenn die Idylle aus den Fugen gerät

Die wunderbar komischen Elemente entfalten sich erst, als Rosalind (Leonie Zeller), die Tochter des verbannten Herzogs, als Mann verkleidet vom Hof flieht. Ihre Cousine Celia (Sophia Yang), die Tochter des Usurpators, folgt ihr und gibt sich als Schwester aus. Im Idyll des Waldes treffen Rosalind (in Hosen) und Orlando erneut aufeinander. Die Liebelei begann bereits am Hof des Usurpators. Aus purem Übermut behält Rosalind jetzt aber ihre Rolle als Mann bei, um den liebeskranken Orlando zu therapieren. Die vermeintliche Idylle im Wald gerät zur Gänze aus den Fugen, weil die Ziegenhirtin Phoebe (Sophia Kälble) sich in Rosalind in der Rolle als Mann verliebt, während Silvius (Leonie Fehrenbacher) von Phoebe zurückgewiesen wird. Shakespeare hat die Etikette seiner Welt auf den Kopf gestellt, indem er einer "Frau" – auf der Bühne – die Initiative in der Liebe überlässt. Der Witz, dass es damals keine Schauspielerinnen gab, ein Junge also ein Mädchen spielte, das sich als Junge gibt, ist seit der Mitte des 17. Jahrhunderts verloren. Seitdem sind Frauen auch in England auf der Bühne zugelassen.

An der Stelle muss der Kritiker unbedingt eine Lanze für die Ziegenböcke und Schafe auf der Bühne brechen. Diese Elemente, die es bei Shakespeare nicht gibt, verdeutlichen das Absurde im Wald. Denn: Der Liebe ist nicht genug. Der Hofnarr Touchstone (Charlotte Maestracci) begehrt die Schäferin Audrey (Michael Sewergin). Das Meckern der Ziegen ist hier eine Art Leitmotiv. Es ist also sicher nicht das Minnespiel, das Rosalind und Orlando tanzen, sondern deutlich schlüpfriger. Was übrigens dem Original entspricht. Zugpferde waren schon immer "Sex and Crime". Und inmitten des Liebeswerbens steht Jacques, der Melancholiker (Clara Läßle).

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