Wieder schwitzen im Fitnessstudio Eine ganze Branche atmet auf

Thomas Kroll

Corona-Lockerungen: Fitnessstudios dürfen unter Auflagen wieder öffnen

Lahr und Region - Weg mit den Pfunden: Jede Menge Geduld ist in den vergangenen Monaten gefragt gewesen, nun haben die Fitnessstudios wieder geöffnet. Die LZ-Redaktion hat bei Betreibern in der Region nachgefragt, wie der Start gelaufen ist.

Die Fitnessstudios haben eine schwere Zeit hinter sich. Ganze sieben Monate mussten sie im Zuge der Corona-Pandemie ihre Pforten geschlossen halten. Seit Anfang Juni gilt das nicht mehr. Unter bestimmten Bedingungen (siehe Info-Kasten) dürfen Sportbegeisterte wieder ihre Muskeln stählen und etwas für die Gesundheit tun. Wie hart hat der Lockdown die Betreiber getroffen? Und wie groß ist die Erleichterung über den Re-Start? Wir haben uns umgehört.

 "Jumpers Fitness" in Lahr: Clubmanagerin Angelina Schmidt ist froh, dass wieder trainiert werden darf – wenn auch nur unter bestimmten Voraussetzungen. "Der Tag unserer Wiedereröffnung war sehr schön", erzählt die 27-Jährige, "alle waren top-motiviert". Man bemerke, wie sehr die Menschen sich darüber freuen, dass nach und nach wieder der Alltag einkehrt.

Einige Kunden lassen sich täglich testen, um trainieren zu dürfen

Mit ihrem Team ist Schmidt unter Einhaltung strenger Hygienebestimmungen bereits seit rund zwei Monaten wieder vor Ort, um den Kunden Online-Workouts zu präsentieren. Auch während des Lockdowns habe man regelmäßig Online-Coachings angeboten. "Wir haben zwar Kunden verloren, aber es ist nicht so schlimm wie befürchtet", verrät Schmidt.

Die strengen Zugangsregelungen halten viele Gäste offenbar nicht davon ab, jeden Tag zu trainieren: "Einige lassen sich nachmittags testen, um kurz darauf abends und am nächsten Morgen gleich noch einmal zu trainieren", weiß Schmidt. Insgesamt 59 Mitglieder dürfen aktuell gleichzeitig im Studio sein. Nur selten komme es vor, dass Kunden fünf bis zehn Minuten warten müssen, ehe ein anderer geht. Weil allerdings nachmittags der Andrang wächst, bitten Schmidt und ihr Team die Sportler, ab 16 Uhr maximal eine Stunde zu trainieren.

"Active – mein Fitnessclub" in Friesenheim: Die Inhaber Matthias Geiger und Carmen Herbst haben die Pause genutzt, um ihr Studio rundum zu erneuern. "Anfänglich hat uns die Schließung schon zu schaffen gemacht. Aber nach reichlicher Überlegung, wo wir unser Studio und die Branche in den nächsten Jahren sehen, haben wir uns entschlossen, das Studio auf neue Beine zu stellen." Dafür habe man in moderne Medical-Beauty- und Wellness-Produkte sowie einen innovativen elektronischen Kraftzirkel investiert. Zusätzlich habe man das Studio hygienetechnisch, vor allem in den Sanitär- und Umkleidebereichen, neu ausgestattet.

"Natürlich haben wir auch Kunden verloren", verrät Geiger. Schlimmer sei es aber gewesen, während der Schließung keine neuen Kunden generieren zu können. Jetzt sei die Erleichterung natürlich sehr groß.

Was die momentane Nutzung angeht, gebe es noch Kapazitäten nach oben. Dies sei aber auch den Sommermonaten geschuldet, in denen schon vor der Pandemie weniger los war, ist sich Geiger sicher. Ein weiterer Grund seien die Zugangsbeschränkungen: "Uns haben einige wenige E-Mails von Kunden erreicht, die uns zur Eröffnung alles Gute wünschen und froh sind, dass wir wieder aufhaben, aber selbst noch nicht kommen möchten, solange sie nicht geimpft sind."

 "Aventio Sportsclub" in Kippenheim und Ettenheim: Auch bei Tobias Lohmüller ist die Freude über die Wiedereröffnung groß. Der Inhaber des "Aventio Sportsclubs" mit jeweils einer Filiale in Kippenheim und Ettenheim berichtet über die insgesamt 33 Wochen wie folgt: "Auch uns hat der Entzug unserer Lebensgrundlage schwer getroffen. Da keiner weiß und wusste, ob, wann und wie es weitergeht, hat das schon sehr stark an uns genagt."

Lohmüller ist zwar froh, dass seine Branche bei den Lockerungen Berücksichtigung fand, dennoch äußert er sich kritisch: " Leider ist unser Ansehen in der Politik scheinbar nicht sehr hoch, sonst hätte man erkannt, dass wir Teil der Lösung sind und nicht das Problem." Zum Glück hätten viele Mitglieder erkannt, dass gezielte Bewegung mit einem vernünftigen Konzept dahinter den Körper und das Immunsystem stärken kann, so Lohmüller. Seine Einrichtungen seien gut ausgelastet, "es wäre sinnvoll, die Regelungen weiter zu lockern", ist er überzeugt.

Lohmüller versteht aber auch diejenigen, die mit dem Besuch von Fitnessstudios abwarten: "Wenn ich nach einem langen Arbeitstag noch das komplette Test-Prozedere über mich ergehen lassen müsste, hätte ich vermutlich auch weniger Lust. Viele Menschen möchten Ihre Freizeit einfach nicht so stark planen müssen."

Info

Die Fitnessstudios sind wieder geöffnet. Dennoch müssen die Besucher einige Regeln befolgen, um Einlass gewährt zu bekommen. Wer nachweisen kann, dass er bereits geimpft oder genesen ist, darf trainieren, solange die maximale Personenanzahl im Studio nicht überschritten wird. Ansonsten muss ein maximal 24 Stunden alter negativer Corona-Test vorgelegt werden. Auch die Nutzung sanitärer Anlagen ist wieder erlaubt.