Lahr Eine eindringliche Mahnung zum Frieden

Vertreter der Stadtverwaltung und des Lahrer Polizeireviers legten auf dem Bergfriedhof und am Mahnmal am Friedrich-Ebert-Platz Kränze nieder. Foto: Baublies

Lahr - Vier Menschen aus Syrien haben im Lahrer Pflugssaal erzählt, wie und warum sie aus ihrer Heimat Syrien geflohen sind. Oberbürgermeister Markus Ibert dankte anlässlich des Volkstrauertags den Neu-Lahrern für die beeindruckenden Worte.

Die gute Nachricht ist, dass die Gymnasiastin Hadil, die Lehrerin Mirav sowie das Ehepaar Nirov und Mesud ihre Flucht aus einem Krieg und in Schlauchbooten über das Mittelmeer überlebt haben.

Hadil, die 2015 zunächst in der Ortenauhalle unterkam, geht in Lahr in die zwölfte Klasse. Sie sprach in einwandfreiem Deutsch über ihre Flucht, ihre Angst und von einer Fahrt über das Mittelmeeer in einem Schlauchboot mit etwa 50 Passagieren, in das 20 – vielleicht auch 30 Menschen gepasst hätten.

Sie erinnert sich an Gefahren, die am Tag der Flucht von Damaskus nach Aleppo drohten. Wäre der Vater verhaftet worden, hätte ihn die Familie nie wieder gesehen. "Von Aleppo nach Deutschland war der Weg einfacher." Dann folgte die Geschichte mit dem Schlauchboot, bei dem auf dem Meer der Motor versagte. Die griechische Wasserschutzpolizei fand die treibenden Flüchtlinge. Hadil wirkte gefasst, als sie an die Erlebnisse erinnert. Aber einige Male gerät sie außer Fassung.

Mirav lebt seit drei Jahren mit ihren Kindern in Deutschland. Sie war Lehrerin in Syrien. Sie erzählt von den Verlusten, die sie und die Kinder in der kurdischen Heimat und auf der Flucht erlitten. Sie war gezwungen, ihre kurdische Identität zu verleugnen und einen arabischen Namen anzunehmen.

Massaker und Vergewaltigungen

Nachdem der Krieg ihre Stadt erreicht hatte und die Rebellen gegen das Assad-Regime auf dem Dach ihres Hauses ein Geschütz postiert hatten, blieb ihr mit den Kinder keine andere Wahl mehr. Sie sprach dann ruhig von Massakern, Vergewaltigungen, Plünderungen und Erpressungen. Die Kurden, sagte sie, hätten beim Aufstand gegen das Regime von Assads, versucht, sich neutral zu verhalten. Mit der Folge, dass sie zwischen die Fronten beider Kriegsparteien gerieten. Auch sie zahlte viel Geld für die Flucht. "Wir sind jetzt in Sicherheit – aber der Krieg verhindert, dass ich glücklich bin."

Nirov aus Rojava in Nordsyrien erinnert sich, dass die Kurden gegen den sogenannten islamischen Staat gekämpft hätten. "Die USA haben uns im Stich gelassen." Damit bezog sie sich auf den Rückzug der USA und den damit verbundenen Einmarsch des türkischen Militärs am 9. Oktober. Der Krieg, dem alle vier meinten, entkommen zu sein, sei durch diese neue Entwicklung zurückgekehrt.

Das sagte auch Oberbürgermeister Markus Ibert. Der Volkstrauertag, der an die Opfer von Krieg und Vertreibung, des vergangenen Jahrhunderts und des jetzigen erinnern sollte, habe durch den Einmarsch der Türkei eine aktuellere Bedeutung bekommen. "Das betrifft Menschen in unserer Stadt." Es gelte, neben der Erinnerung an die Schrecken der Vergangenheit , die Gegenwart im Blick zu behalten. Das wäre, "eine Chance, die wir nutzen sollten". Nirov sang anschließend ein Lied aus der Heimat. Ein Quartett aus Lehrern der Musikschule begleitete die Feierstunde musikalisch. Anschließend legten Vertreter der Stadtverwaltung und des Lahrer Polizeireviers aus dem Bergfriedhof und am Mahnmal am Friedrich-Ebert-Platz Kränze nieder.

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