Lahr Ein Vorbild in schweren Zeiten sein

"No Authority" auf dem "WeLive-Festival 2020".Foto: Punchline studio Foto: Lahrer Zeitung

Das Lahrer Online-Musikfestival "WeLive 2020" wird vom bundesweiten Rock und Pop-Preis für die Förderung der deutschen Rock- und Popmusik ausgezeichnet. Allein auf Facebook erreichen die Videos mehr als eine halbe Million Menschen.

Lahr (red/sad). "Es freut uns sehr, dass unser Engagement bundesweit bemerkt wird", sagt Wolfgang Richter von der Lahrer Rockwerkstatt über diese Wertschätzung. Gemeinsam mit dem Medienunternehmen Punchlinestudio der Lahrer Brüder Pirmin und Maik Styrnol hatte die Rockwerkstatt im Sommer insgesamt sechs aufwendige Konzertfilme mit regionalen Künstlern produziert und damit alleine auf Facebook mehr als eine halbe Million Menschen erreicht. Jetzt sind die Filme über eine Mediathek im Internet ​unter www.welive-festival.com abrufbar.

Die Auftritte fanden zur Kulturunterstützung während der Corona-Pandemie im menschenleeren Schlachthof Jugend&Kultur statt und stellten im Sommer neben "United We Stream" das einzige regelmäßige Kulturprogramm der Ortenau dar. Für ihr Engagement werden die Macher jetzt mit einem der ersten drei Plätze bedacht – die Platzierung wird im Dezember verkündet, wie es in einer Pressemitteilung heißt.

Zehn Kameras fangen einen Auftritt ein

"Ich denke, unser Konzept ist aufgegangen", bilanziert Produzent und Regisseur Pirmin Styrnol und gibt das Lob direkt an die Künstler weiter: "Das liegt natürlich zu einem ganz großen Teil an der hohen Qualität der Musiker hier".

Dazu setzte das Filmteam des "Punchlinestudios", das normalerweise Bands wie "Deep Purple" oder "Uriah Heep" vor den Kameras hat, die Künstler aus Lahr und Umgebung gekonnt in Szene: Zehn Kameras pro Auftritt, dazu eine 14-tägige Postproduktion mit Schnitt und Anpassung des Bilds und Tons. "In den großen Medienstädten suchte man das zu dem Zeitpunkt vergeblich", so Nicolai Hoch, der es mit seiner Rockband "Von Welt" einen Monat nach dem "WeLive-Auftritt" in die deutschen Albumcharts schaffte.

Das Ziel der Macher war von Beginn an formuliert: Die Filme sollten sich auch nach der Pandemie für die Künstler auszahlen. "Unsere Hoffnung ist, dass ›unsere‹ Künstler die Filme nach der Krise als Startrampe verwenden können. Zum Beispiel auf der Suche nach Gigs und Bookings", so Styrnol. Alters- und auch Genregrenzen gab es beim "WeLive Musikfestival" keine, "für uns zählte nur die künstlerische Qualität." So traten Musiker unterschiedlichster Stile auf der Bühne im Schlachthof auf. "Es war schon ein Privileg, in solchen Zeiten überhaupt zusammen auf der Bühne zu stehen", so Singer-Songwriter Dominik Büchele über seinen Auftritt, der ihn wegen der vielen Kameras an "alte DSDS-Zeiten" erinnert hatte und auch Rapper Jens Gläsker von "QULT" erinnert sich zurück an das Konzert: "Wir waren völlig ausgehungert und sind dementsprechend ausgerastet."

Dass das "WeLive-Musikfestival" jetzt beim Rock- und Pop-Preis ausgezeichnet wird, kommt für die Macher der Reihe zu einem perfekten Zeitpunkt. Aufgrund der neuerlichen Corona-Beschränkungen plant das Team nämlich eine Weiterführung des Projekts.

Regisseur Maik Styrnol, der auch für Schnitt und Ton der Filme verantwortlich ist, will damit vor allem der drohenden Lethargie im Veranstaltungssektor entgegentreten: "Im Moment sind alle Künstler und Veranstalter wie gelähmt. Das Berufsverbot tut natürlich weh. Deshalb wollen wir umso mehr weitermachen und hoffen, mit weiteren Sponsoren und Partnern eine Finanzierung angehen zu können", so der jüngere der Styrnol-Brüder.

Im Gespräch mit zwei großen Kreisstädten

Tatsächlich sind die Planungen der Rockwerkstatt schon recht weit fortgeschritten. Auch dank des Engagements des Lahrer Sozialbürgermeisters Guido Schöneboom und der neuen Kulturamtsleiterin Cornelia Lanz ist eine Fortsetzung mittlerweile in greifbarer Nähe. Zudem soll das Konzept ausgeweitet werden: "Im Moment sprechen wir mit zwei weiteren großen Kreisstädten in der Ortenau über Kooperationsmöglichkeiten", verrät Pirmin Styrnol. Wann weitere Produktionen mit regionalen Ausnahmekönnern starten werden, steht noch nicht fest. In einem sind sich Rockwerkstatt und "Punchlinestudio" aber sicher: "Wir wollen weitermachen."

In 2020 werden zum 38. Mal insgesamt mehr als 126 deutsche Rock- und Pop-Preise der verschiedensten musikalischen Bereiche an Nachwuchsmusikgruppen, Nachwuchseinzelkünstler sowie durch eine Fachjury ausgewählte professionelle Musik­grup­pen und Einzelkünstler mit Ton­träger­­ver­trag verliehen. Einziges Kriterium dabei: der künstlerische Anspruch.