Lahr "Ein Sprung ins kalte, frische Wasser"

Künstlerin Christina Hanser bespannt ihre Leinwände gern selbst und mischt auch Farben selber an. Foto: Hüve

Die freie Künstlerin Christina Hanser eröffnet am 19. Oktober ihr "Atelier L21". Das argentinische Ensemble "Intimos" wird den Abend mit Bandoneon und Gesang musikalisch untermalen.

Sulz . Die Räume in der Lahrer Straße 21 in Sulz waren für Christina Hanser ein Glücksgriff, sagt sie. Dort hat sie im Juli begonnen, ein Atelier einzurichten. Auch ein kleines Schlafzimmer und eine offene Küchenzeile stehen zur Verfügung. So kann sie sich ganz auf ihre Arbeit konzentrieren. Alles Alltägliche bleibt zu Hause in Schmidhofen.

In Freiburg-Nord hatte sich Hanser ein Atelier in einem alten Fabrikgebäude eingerichtet. Dort sollte eine Etage mit bildenden Künstlern besetzt werden. Es fanden sich aber nicht genug Interessenten. Als sie von den Räumen in Sulz las, war sie direkt begeistert.

Hanser wollte ursprünglich Kunst in Berlin studieren. Da dies nicht geklappt hatte, nahm sie ein Lehramtsstudium in Frankfurt auf. Schule war für die Kunstpädagogin aber immer nur Option B. "Der Plan, viel Zeit zu haben, war gescheitert", scherzt Hanser. "Vor der Verbeamtung habe ich die Kurve gekratzt." Ihren Weg mit der Malerei setzte sie in Freiburg mit Kunstkursen fort, beispielsweise in Bildungseinrichtungen für Erwachsene. Ihre Erfahrungen konnte die Kunstpädagogin zudem im "Kunstraum Bürkle" in Freiburg weitergeben, wo sie museumspädagogisch tätig war. "Die Arbeit in den Kursen ist für mich Gelderwerb", sagt die Künstlerin. Ein persönliches Anliegen ist ihr die Arbeit mit Demenzkranken. So kam sie auch zum Ausdrucksmalen. Kennengelernt hatte sie diese Art des Gestaltens bereits während des Studiums, 2013 bis 2014 folgte eine Weiterbildung in der Schweiz. "Es ist eine Möglichkeit, mit Leuten zu kommunizieren, die das verbal nicht mehr können", erklärt Hanser. Im "Bildungshaus Kloster St. Ulrich" in Bollschweil wird sie weiterhin regelmäßig Workshops dazu anbieten.

Auch in Sulz will Hanser einige Projekte starten. So steht sie bereits in Kontakt mit der Grundschule, für die sie AGs und Ferienkurse anbieten will. Auch mit den Lahrer Werkstätten möchte sie zusammenarbeiten. Eine Kooperation wird bereits auf dem Gelände der Landesgartenschau zu sehen sein. Mit den Grundschulkindern wird Hanser Holzblumen bemalen, die von den Beschäftigten der Lahrer Werkstätten gefertigt werden. Zum Tag der Inklusion am 5. Mai werden diese dann "gepflanzt".

"Von Freiburg nach Sulz zu gehen, war ein Sprung ins kalte, vielleicht auch frische Wasser", resümiert Hanser. Jeder, der Interesse hat und etwas wissen will, sei im Atelier willkommen. "Ich möchte, dass Leute ihrer Kreativität nachgehen und sie entwickeln können", so die Künstlerin. Es gebe keine Bedingungen oder Voraussetzungen.

Die offizielle Eröffnung des Ateliers findet am Donnerstag, 19. Oktober, statt. Das Ensemble "Intimos" gibt dabei ein Konzert. Darüber freut sich die Kunstpädagogin sehr. Sie selbst hat das argentinische Instrument, das Gabriel Merlino spielen wird, bei einem seiner Workshops für sich entdeckt. Ihr Bandoneon nennt sie Angelina. Ab 18 Uhr ist das Atelier geöffnet, um 20 Uhr beginnt das Konzert. Der Eintritt ist frei.

Weitere Informationen: www.christina-hanser.de

INFO

Zur Person

Christina Hanser wurde 1966 in Friedrichshafen geboren und ging dort auf eine Waldorfschule. Das Lehramtsstudium für Kunstpädagogik in Frankfurt unterbrach sie für ein Soziologie-Studium mit dem Schwerpunkt Armutsforschung. Danach kehrte sie zum Lehramt zurück. Bis 2008 war Hanser Lehrerin für Kunst und Politik, zuletzt in Baden-Baden. Die vergangenen eineinhalb Jahre arbeitete sie neben anderen Projekten in ihrem Atelier in Freiburg. Sie ist verheiratet und wohnt in Schmidhofen bei Bad Krozingen.

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