Lahr "Ein Restrisiko bleibt"

Lahr - Wenn an diesem Montag das neue Schuljahr startet, werden alle Kinder und Jugendlichen wieder in der Schule unterrichtet. Elternsprecherin Christine Marrek freut sich über die Rückkehr zum Regelbetrieb, sieht aber auch einige Probleme.

Keine Maskenpflicht im Unterricht 

Die Maskenpflicht gilt ab der fünften Klasse auf dem Schulgelände, nicht aber im Unterricht. Wenn es nach Marrek geht, sollten die Schüler in den ersten beiden Wochen nach den Sommerferien aber auch im Klassenzimmer Masken aufsetzen – sie fürchtet in den ersten Tagen ein erhöhtes Infektionsrisiko durch Reiserückkehrer. "Ich weiß, was es heißt, bei der Arbeit eine Maske zu tragen", sagt Marrek, von Beruf Krankenschwester, doch der Gesundheitsschutz gehe nun mal vor.

Marrek leitet den Gesamtelternbeirat der Lahrer Schulen und den Elternbeirat am Scheffel-Gymnasium, wo sie 1994 selbst Abitur gemacht hat und das heute ihre drei Söhne besuchen. Ihre Jungs hatten in den letzten Wochen des alten Schuljahres abwechselnd Präsenzunterricht und Homeschooling, wie alle Schüler an weiterführenden Schulen.

Eltern müssen unbezahlten Urlaub nehmen 

Marrek ist kein Fan dieses Modells, da es für die Eltern belastend sei, besonders, wenn ihre Kinder noch jünger sind. In Lahr hätten deshalb etliche Eltern unbezahlten Urlaub nehmen müssen, um auf ihren Nachwuchs achtgeben zu können, berichtet sie. In ihrer eigenen Familie habe es ganz gut geklappt, da ihre Söhne – zwischen zwölf und 16 Jahren alt – schon etwas älter sind.

Allerdings fürchtet Marrek, dass viele Kinder, vor allem Grundschüler, noch lange unter den Folgen der Schulschließungen im vergangenen Schuljahr leiden werden. Denn im Homeschooling werde häufig doch nicht so effektiv gelernt.

"Manche Schüler, die in der Pubertät sind, bleiben morgens im Bett liegen, wenn ihre Eltern aus dem Haus sind", verdeutlicht sie. Außerdem würden die Kinder die Kontakte zu ihren Mitschülern brauchen.

Feste Gruppen sollen Verbreitung eindämmen 

Marrek begrüßt es deshalb, dass im neuen Schuljahr auf Regelunterricht und Kohorten-Prinzip gesetzt wird. Also dass die Kinder in festen Gruppen unterrichtet werden, damit nicht jeder Fall eines infizierten Schülers oder Lehrers sofort dazu führt, dass die ganze Schule in Quarantäne muss.

Allerdings weist sie darauf hin, dass das Kohorten-Prinzip in der Oberstufe nicht durchzuhalten ist, da es dort ja keine Klassen gibt, sondern ein Kurssystem, wo sich die Schüler normalerweise mischen. Marrek ahnt, dass auch das Abstandhalten zwischen Schülern verschiedener Klassen schwierig wird: "Der Pausenhof ist das Problem." Ihr Fazit deshalb: "Ein Restrisiko bleibt."

Kinder seien die Zukunft – so die Antwort der patenten Sulzerin auf die Frage unserer Redaktion, weshalb sie Elternsprecherin ist. Dieses Engagement ist ihr so wichtig, dass sie sich rund um den Schulstart sogar einige Tage Urlaub nimmt, damit sie genug Zeit für dieses Ehrenamt hat.

Abstandhalten zwischen Schülern verschiedener Klassen wird schwierig

Vor allem die Chancengleichheit aller Kinder sei ihr ein Anliegen, betont Marrek. Deshalb mache sich der Gesamtelternbeirat besonders dafür stark, dass die Verordnung der Lernmittelfreiheit in Lahr umgesetzt werde. Sie garantiert eigentlich, dass Kinder ihre Schulbücher kostenlos erhalten. Trotzdem müssten manche Lahrer Eltern für ihren Nachwuchs noch Schulbücher kaufen, was für sozial Schwache ein Problem sei. Doch man sei "in guten Gesprächen mit der Stadt Lahr", dass sich das ändert.

Marrek will generell, dass die städtischen Schulen gut ausgestattet sind. Sie wünscht sich auch, dass die Stadt den technischen Support bei der Digitalisierung der Schulen übernimmt und nicht externe Anbieter, die den Schuletat belasten. Eines der größten Probleme sei, dass es an Lehrern fehle. Das habe bereits dazu geführt, dass an den hiesigen Schulen ­nicht alle Lernbrücken wie geplant realisiert werden konnten.

Offener Brief der Gesamtelternbeiräte 

Aktuell habe man nicht nur einen Lehrermangel, sondern stehe auch vor einem Schuljahr, in dem sich Lehrer, die zur Risikogruppe gehören, krank melden können. Es werde "spannend", wie viele Pädagogen davon Gebrauch machen, so Marrek.

Die Gesamtelternbeiräte der Lahrer Schulen und Kindergärten appellieren in einem offenen Brief an Radiostationen, auf Blitzermeldungen zu verzichten, "wenigstens zu Schulbeginn". Kinder seien auf die Rücksichtnahme der Autofahrer angewiesen. Tempokontrollen dienten dazu, Raser zu disziplinieren. "Aus unserer Sicht wird der Effekt dieser Maßnahme durch die Blitzermeldungen der Radiosender zunichte gemacht", heißt es in dem Schreiben.

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