Lahr Ein Programm mit Überraschungen

Ungewöhnlich vielseitig war das Adventskonzert des Clara-Schumann-Gymnasiums in der Stiftskirche. Foto: Baublies

Die Besucher in der Stiftskirche haben ein ungewöhnliches Adventskonzert erlebt: Schüler und Lehrer des Clara-Schumann-Gymnasiums legten musikalisch eine weite Reise von den Anfängen der europäischen Neuzeit bis zur Gegenwart zurück.

 

Lahr. Die zwei Stücke am Schluss zeigten exemplarisch, wo die Reise musikalisch begonnen hatte und wo sie endete. "Why fum‘th in sight" hat Thomas Tallis (1505 bis 1585) zur Zeit der Renaissance verfasst. Um 1500 begann sich die bis heute verwendete Notenschrift zu eta­blieren. Die "Third Tune", aus der das Lied des Komponisten Tallis herrührt, klingt wegen der ungewohnten Harmonien einerseits fremd. Anderseits gibt es Tonfolgen, die fast modern anmuten. Ralph Vaughn Williams (1872 bis 1958) hat sich das zunutze gemacht und seine "Fantasia on a Theme by Thomas Tallis" komponiert. Nachdem der "Große Chor" das Lied gesungen hatte, nahm das Orchester das Thema auf und brachte eine wunderbare Interpretation.

Auch das Lied "Lichterzeit – Freudenzeit" von Klaus Heizmann (Jahrgang 1944) war keine liebevolle Harmonie. Der deutsche Text – zu einer trotz Moderne sehr harmonischen Melodie – will zeigen, wie es mit Weihnachten, Stress und Hektik heute bestellt ist. Ein Trost, es geht auch hier – irgendwann – um die Freude auf die Ankunft Christi. Das Musikprofil der Klassen 9 a und 10 b hatte hier einen gelungenen Auftritt unter mehreren anderen.

Der Anfang des Konzerts begann in einer dunklen Kirche. Das Musikprofil der Klassen 8 a und 9 b stellte sich im Kreis auf und begann mit "Ecce Dominus veniet". Weitere gelungene Überraschungen gab es mit dem Chor und "My Guardian Angel" nach einem Text von William Blake (1757 bis 1827). Alessandro Stradella (1645 bis 1682) gehört zum Barock. "Pietá Signore" war durch die Interpretation eine eigene Klasse. Philemom Ragnit (Bassstimme, ohne Mikrofon) wurde von Florian Albert an der Posaune begleitet. Auch "Maria durch ein Dormwald ging" war keine konventionelle Darbietung. Das Vokalensemble der Lehrer überzeugte mit dem Lied. Eher konventionell war da nur ein Stück von Altmeister Johann Sebastian Bach. Der Chor sang "Wie schön leuchtet der Morgenstern", genau so, wie man es zu einem Adventskonzert erwarten darf. Thi Ai-Lien Ngo und Lea Ohse (beide Violine) spielten mit dem Orchester Bachs "Konzert für zwei Violinen d-Moll" und zeigten, warum Ludwig van Beethoven sagte, Bach müsste aufgrund seiner Schaffenskraft eigentlich Meer heißen. So stellte es auch die Horn-AG dar, die unter anderem "Wir glauben alle an einen Gott" intonierte.

Der Applaus – auf Wunsch der Musiker erst am Ende des gesamten Konzertes – war mehr als verdient.

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