Lahr Ein letzter Rettungsanker für Schulverweigerer

Beim Besuch des Garagenprojekts (von links): Sabina Wölfle (Landtagsabgeordnete), Karl-Rainer Kopf (Kreisvorsitzender der SPD), Andreas Stoch (Landtagsabgeordneter), Ingrid Tita (Leiterin sozialpsychiatrischer Dienst in Lahr), Dimitri Strauch (Garagenprojekt), Juliane Prohaska (kommunale Arbeitsförderung Stabstelle U 25) und Stefan Ungeheuer (Garagenprojekt). Foto: Baublies

Lahr - Es gibt Risse im sozialen Netz: bei Menschen, die sich verweigern oder nicht in der Lage sind, sich um Hilfe zu kümmern. Ein Bespiel für einen letzten Anker, der solche Menschen auffangen kann, ist das Garagenprojekt im Lahrer Neuwerkhof. Es unterstützt Schulverweigerer und junge Menschen, die ohne die Initiative des Landkreises keine Chance im Berufsleben mehr hätten. Andreas Stoch, Fraktionsvorsitzender der SPD im Landtag und ehemaliger Kultusminister, hat die Institution mit angeschlossener Schreinerwerkstatt zusammen mit dem SPD-Kreisvorsitzenden Karl-Rainer Kopf besucht.

Ingrid Tita, die Leiterin des sozialpsychiatrischen Dienstes in Lahr, sowie Dimitri Strauch und Stefan Ungeheuer vom Garagenprojekt stellten dieses vor, zusammen mit Juliane Prohaska, die in der Kommunalen Arbeitsförderung die Stabstelle U 25 leitet. Dabei betonten sie alle, dass Schulverweigerer nicht automatisch Bildungsverweigerer seien. Sie hätten eher Probleme mit der Institution Schule – aufgrund von Fehlern in der Erziehung, die zu einer mangelnden Frustrationstoleranz führten. Daher komme es zu Konflikten im Schulalltag. Die Kinder würden die Schule dann schlicht schwänzen.

Das Garagenprojekt biete eine letzte Hilfe an, wenn dies nicht nur über Tage oder Wochen geschehe, sondern über Monate. Und das sei sehr wohl möglich – etwa weil vonseiten der Eltern oder auch vonseiten der Schule nicht ausreichend auf diese Kinder und Jugendlichen geachtet werde. Das Garagenprojekt ist bundesweit das erste seiner Art gewesen. Damals steckte Schulsozialarbeit, wenn überhaupt vorhanden, noch in den Kinderschuhen.

In Lahr gibt es zwei Gruppen, die jüngsten Schulverweigerer sind noch nicht einmal 15 Jahre alt. Das führe auch zu bürokratischen Schwierigkeiten, so Prohaska: Die Kommunale Arbeitsförderung könne erst helfen, wenn für die Jugendlichen die allgemeine Schulpflicht aufgehoben werde. Diejenigen, die dann kämen, müssten zunächst wieder elementare Dinge lernen: morgens aufzustehen, einigermaßen pünktlich zu sein und die teilweise überhaupt nicht vorhandene Frustrationstoleranz wieder zu entwickeln. Dann gebe es als Außenklasse der Dinglinger Theodor-Heuss-Werkrealschule Unterricht in den Elementarfächern und praktischen Unterricht. Werken helfe den Jugendlichen etwa nach zwei Stunden Mathematik gegen die Frustration.

Das größte Problem für das Garagenprojekt und andere Einrichtungen, die eine ähnliche Zielgruppe erreichen wollen, brachte Stoch auf den Punkt: Wie könne man diese Menschen erreichen, wenn sie bereits durchs Raster gefallen seien? Heute seien doch eigentlich alle mittels Sozialversicherungsnummer oder vom Finanzamt erfasst? Auch fragte er, ob eine Möglichkeit bestehe, diese Stellen mit Einrichtungen wie dem Garagenprojekt, die Hilfe anbieten, zu verknüpfen. Das Problem dabei erklärten die Mitarbeiter des Garagenprojekts: Es gebe ein einfaches Schlupfloch. Wer umziehe und von sich aus keine Initiativ ergreife, sei praktisch unsichtbar.

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