Lahr Ein Landarzt mit Leib und Seele

Abschied als Arzt in Reichenbach: Karlheinz Himmelsbach Foto: Vögele Foto: Lahrer Zeitung

Nach 36 Jahren endet eine Arzt-Ära: Zum 1. Januar übergibt der weit über die Reichenbacher Grenzen hinaus geschätzte Mediziner Karlheinz Himmelsbach seine Praxis in Reichenbach an das Ärzte-Ehepaar Adam und Annemarie Schlitter.

Reichenbach. 45 Jahre lang praktizierte der promovierte Humanmediziner, zunächst an verschiedenen Krankenhäusern, 36 Jahre dann in seiner Arztpraxis in Reichenbach. Der beliebte "Doktor" verbrachte seine frühe Kindheit in Reichenbach, dem Heimatort seines Vaters Josef, der Chefeinkäufer bei der Firma Roth-Händle war. Die Familie zog später nach Ettenheim, dem Heimatort der Mutter. Dort besuchte der Sohn das Städtische Gymnasium. Nach dem Abitur 1968 studierte Himmelsbach Medizin in Münster, da er schon von Jugend an das Ziel vor Augen hatte, Arzt zu werden. In Münster lernte er seine spätere Frau Marlies kennen. Die beiden heirateten 1974. Nach seinem Dienst an der Uniklinik Mainz und beim Sanitätsdienst der Bundeswehr in Trier vervollständigte er sein Wissen und seine praktischen Erfahrungen als Assistenzarzt in den Bereichen Chirurgie, Kinderheilkunde, Innere Medizin, Pathologie und Radiologie.

Das Jahr 1979 brachte die Wende im Leben der jungen Familie mit Tochter Judith und den Zwillingen Michael und Steffen: Der Vater Josef verstarb in Reichenbach und die Mutter blieb allein. Die Familie zog in die väterliche Heimat. 1980 wirkte Himmelsbach als Assistenzart im Krankenhaus Lahr, später in der chirurgischen Abteilung. In dieser Zeit gab ihm der Apotheker Roland Böhner den Rat, sich in Reichenbach neben der Landärztin Lili Sasse als zweiter Landarzt niederzulassen. Zum 1. Januar 1983 eröffnete er in seinem neugebauten Haus in der Schutterstraße seine Praxis. Das Haus vereint Berufs- und Privatleben unter einem Dach. Dadurch waren die Wege sehr kurz, aber ein hohes Maß an Verfügbarkeit war dadurch auch gegeben. Das war aber durchaus im Sinn des Landarztes. So war er rund um die Uhr ansprechbar, seine Dienste dauerten oft bis weit nach Mitternacht. Auch seine intensiven Hausbesuche oft zu sehr später oder zu sehr früher Stunde waren Zeichen, wie ernst er seinen Beruf nahm. Er kannte seine Patienten genau und wusste, dass neben der medizinischen Behandlung auch die zwischenmenschliche Zuwendung oder die seelische Konstitution wesentlich eine Gesundung beeinflussen. So war ihm, dem Prototyp eines Landarztes, nichts zuviel. Himmelsbach hat seine Patienten nicht gezählt, es werden wohl täglich 40 oder mehr Personen gewesen sein, die in den vergangenen 36 Jahren die Schwelle der Praxis überschritten haben.

Mit einem lachenden und weinenden Auge nimmt Himmelsbach Abschied vom aktiven Arztberuf, dem er sich mit Leib und Seele verschrieben hatte. Doch vor Langeweile braucht ihm nicht zu bangen, dafür sorgen seine quirlige Familie mit sieben Enkelkindern, die Reiselust der Gattin und die vielen schönen Dinge des Lebens wie Konzerte, Fastnacht und so manches, wofür bisher keine Zeit war.

Lange hatte Himmelsbach darauf gehofft, dass eines der Kinder die Praxis übernimmt, traten doch Tochter Judith und Sohn Steffen in die Fußstapfen des Vaters, während Sohn Michael als Ingenieur arbeitet. Beide aber wollten die Praxis nicht übernehmen. So begann vor fünf Jahren die Suche nach einer Nachfolge, ein schweres Unterfangen angesichts der Situation der Landärzte. Dann führte ein eher zufälliges Gespräch zum Ziel: Am 1. Januar übernehmen die Reichenbacherin Annemarie Schlitter und ihr Mann Adam die Praxis. Beide praktizierten bislang in Bad Schömberg bei Pforzheim.

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