Lahr Ein Konzert zumindest als Mitschnitt

Eine volle Bühne – solche Bilder aus dem Lahrer Parktheater hat es lange nicht mehr gegeben. Diese Aufnahme entstand bei der Uraufführung der East-West-Symphony 2017, von der jetzt ein Album erschienen ist. Foto: Haberer (Archiv)

Lahr - Große Konzerte im Lahrer Parktheater sind zurzeit völlig utopisch. Musikfreunde können sich jetzt zumindest mit einer Einspielung der 2017 in Lahr uraufgeführten East-West Symphony trösten. Das Album ist vor wenigen Wochen erschienen.

"East-West Symphony"

Corona hat das Lahrer Kulturprogramm nicht nur durcheinandergewirbelt. Seit November sind alle Veranstaltungen abgesagt, die Suche nach Ersatzterminen gestaltet sich nicht immer einfach. Für die ursprünglich im Januar geplante Uraufführung der "Brazilian Symphony – Bossarenova" konnte zum Beispiel erst im Frühjahr 2023 ein neuer Termin gefunden werden, wie Bernd Ruf, der aus Gengenbach stammende Professor für Crossover, nun mitgeteilt hat.

Allen Freunden der Lahrer Weltmusikreihe im Rahmen der städtischen Sinfoniekonzerte kann er aber ein kleines Trostpflaster offerieren: Gemeinsam mit der Gruppe "Massa" um den libanesischen Sänger Rabih Lahoud und der Philharmonie Jena hat er ein Album mit der 2017 in Lahr uraufgeführten "East-West Symphony" veröffentlicht.

Auf den Spuren des vom Publikum begeistert aufgenommenen Konzerts im Parktheater taucht es ein in das Spannungsfeld zwischen orientalischen Klangbildern und symphonischer Tondichtung. "Hiwar" (Dialog) lautet der Titel des Albums, das sich auch als Aufforderung versteht, den Austausch der Kulturen und Religionen, der Generationen und der stilistischen Prägungen neu zu beleben.

Der Titelsong "Hiwar" leitet einen Reigen von insgesamt zwölf Stücken ein, die durchweg aus dem Repertoire von "Masaa" stammen. Der Libanese Rabih Lahoud (Gesang), Trompeter Marcus Rust, der das 2018 eingespielte Album gemeinsam mit Bernd Ruf produziert hat, Demian Kappenstein (Schlagzeug) und Clemens Poetzsch (Klavier) tauchen tief in die Klangwelt des Orients ein.

Sie verschränkt sich aber immer wieder mit einer Tonsprache, die unüberhörbar den Geist klassischer Harmonien atmet. Leichtfüßig, elegant schwingt das Pendel hin und her, über den Versen von Rabih Lahoud schwebt eine westlich geprägte Trompet.

Das rhythmische Ornament kommuniziert mit orchestralen Gesten voller Feinheit und Glanz. Die Aura von Barock und Romantik manifestiert sich immer wieder, der Geist von Georges Bizet schwingt nicht nur im Finale von "Farahi" und "Wara’i" mit.

Die Philharmonie Jena, unter der Leitung von Bernd Ruf, trumpft hier mit einem wunderbar vollen und blumigen Tutti auf, setzt an anderer Stelle auf feine Reduktionen, eine getragen schmachtende Sehnsucht, die dann wieder mit den bisweilen verwunschenen oder schwermütigen Gesängen von Rabih Lahoud kommuniziert.

Konzertprojekt ist dem Lahrer Publikum ans Herz gewachsen

An einigen Stellen blitzt ein satter Groove auf, ein kraftvoller Lauf. Dazu ein bisschen Jazz, ein Hauch von Klezmer, wie bei "Lamento". Das Stück bringt vieles auf den Punkt: Der Gesang bisweilen fast klagend, das Klanggemälde von Band und Orchester erzählt von einer gezügelter Leidenschaft, die machtvoll an die Oberfläche drängt und dabei die musikalischen Grenzen zwischen Orient und Okzident verwischt.

Der musikalische Dialog, den Ruf in mittlerweile fast einem Dutzend Weltmusikprojekten immer wieder neu kultiviert hat, kommt in der East-West Symphony wunderbar zum Tragen. Das im Februar erschienene Album lässt einmal mehr den Geist eines Konzertprojekts aufblühen, das dem Lahrer Klassikpublikum nach 20 Jahren längst ans Herz gewachsen ist.

Das "Hiwar"-Album gibt es bei Amazon als Audio-CD für 17,09 Euro und in einer MP3-Version für 9,99 Euro.

Dirigent Bernd Ruf startete die sinfonische Weltmusikreihe gemeinsam mit dem damaligen Kulturamtsleiter Gottfried Berger vor 20 Jahren. Dabei warf er zusammen mit Solisten und einem Orchester jeweils einen musikalischen Spot auf einen Kulturkreis, eine Region oder ein Genre.

Entstanden sind daraus Crossover-Symphonies, in denen sich klassische Orchestertradition und welt- sowie volksmusikalische Stilistiken begegnen. Uraufgeführt wurden in Lahr unter anderem die Mongolian-, Celtic-, Klezmer-, Balkan-, Tango-, American- und Gypsy-Symphony.

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