Lahr Ein Abend mit viel Humor und Zeitkritik aus Sachsen

Joachim Zawischa war im Stiftsschaffneikeller. Foto: Künstle

Lahr - Joachim Zawischa ist gelernter Theologe und klassischer Späteinsteiger in Sachen Kabarett. Sein satirisches Motto lautet "Vorn ist Hinten", sein Programm kokettiert aber längst nicht nur mit dem alltäglich Absurden. In Lahr präsentierte er sich auch als Liedermacher und Plauderer mit sächsischem Zungenschlag. Der 2015 mit dem Dresdner-Satire-Preis ausgezeichnete Wahlhamburger macht es dem Publikum nicht ganz leicht. Sein Tonfall ist gediegen, sein Rhythmus gewöhnungsbedürftig, vor allem dann, wenn er das Pferd getreu seines satirischen Mottos wieder einmal von hinten aufzäumt. Wenn er dann noch ins Sächsische zurückfällt, grinsen Erich Honecker und der real existierende Sozialismus der früheren DDR frech um die Ecke.

 

Zawischa macht in doppelter Hinsicht keinen Hehl aus seiner Herkunft. Der "Ossi" schwingt manchmal ebenso mit wie der Theologe. Er lullt manchmal ein, schweift ab in Richtung Sinnfragen, greift dann wieder zur Wandergitarre, um in die Aura des hintersinnigen Liedermachers einzutauchen. Sein Auftritt im Stiftsschaffneikeller zeigte aber auch auf, dass es gefährlich ist, sich einfach zwei Stunden lang zurückzulehnen. Er serviert Wortakrobatik, die erst einmal offen lässt, wo er hin will - während im Hintergrund längst die satirischen Messer gewetzt werden, die Sense zum Schwung ausholt. Horoskope verbreiten Mumpitz und allgemeingültige Plattitüden. Sie klingen aber auch wie Blaupausen für politische Statements und Parteiprogramme, wenn der individuelle Bezug auf den Leser durch ein kraftvolles "Wir" ersetzt wird. Am Ende steht dann die Frage im Raum, ob wir am Sonntag nun Widder oder Stier, womöglich Jungfrau gewählt haben. Ein Volk das Kochshows liebt, darf sich nicht wundern, wenn es abends in die Pfanne gehauen wird. Irgendwie bekommt so im Laufe des Abends jeder sein Fett ab. Die Rolle von Mann und Frau gerät in den Fokus, die Medienlandschaft und der Jahrhundertwinter, der in Wirklichkeit viel zu warm war.

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