Dirk Ruppenthal "Eigentlich will ich gar nicht nach Berlin"

"Nie in die Kamera schauen": Dirk Ruppenthal von "Die Partei". Foto: Bender

Lahr - Die Frage nach seinen Zielen für den Wahlkreis Emmendingen-Lahr beantwortet er mit Schweigen. Ganz so planlos ist Dirk Ruppenthal, Bundestagskandidat für die Satirepartei "Die Partei", dann aber doch nicht. Sein Credo: "Lobbyismus für alle."

"Ich hoffe, ich komme in Ihrem Bericht nicht zu ernst rüber", sagt der 46-jährige Emmendinger am Ende des Gesprächs in der LZ-Redaktion. Nein. Nein, wirklich nicht: Diese Sorge hätten wir Herrn Ruppenthal schon bei der Begrüßung nehmen können. Strohhut, graues Opa-Sakko, T-Shirt mit aufgedruckter Krawatte – es fällt schwer, sich ein Lachen zu verkneifen. Doch wohlgemerkt: Dem Bundestagskandidaten ist die Unterscheidung zwischen Satire und Spaß wichtig. Er erklärt es so: "Wir sind die Satirepartei, die einzig wahre Spaßpartei ist aber die FDP."

"Die Partei" geht zurück auf das Satiremagazin "Titanic" und dessen ehemaligen Chefredakteur Martin Sonneborn, der es 2014 ins EU-Parlament geschafft und sein Mandant fünf Jahre später verteidigt hat. Auch in Berlin ist "Die Partei" vertreten, dort sitzt Marco Bülow als fraktionsloser Abgeordneter im Bundestag. Bülows Buch "Lobbyland – wie die Wirtschaft unsere Demokratie kauft" hat es Ruppenthal offenbar angetan. Immer wieder kommt er im Gespräch mit der LZ darauf zu sprechen – und es zeigt sich, dass "Die Partei" tatsächlich kein "Klamaukverein" ist, wie der Kandidat betont, sondern "den Menschen den Spiegel vorhalten" will.

Der freilich in einem humoristischen Rahmen steckt: "Laut dem Grundgesetz sind Abgeordnete nur ihrem Gewissen verpflichtet", sagt Ruppenthal. "Dazu muss man aber erst einmal ein Gewissen haben." Um die Klimaziele zu erreichen, die sich die großen Parteien gesteckt hätten, müsste erst der "Lobby-Sumpf" ausgetrocknet werden. Er jedenfalls würde seine Diät nutzen, "um für alle zu lobbyieren", verspricht der gebürtige Waldkircher.

Eine gute Idee für "Letztwähler"

Doch halten wir uns an unser Eingangsversprechen: genug der Ernsthaftigkeit. Auf die Frage, was er im Falle eines Wahlerfolgs tun würde, für Deutschland und speziell für seinen Wahlkreis, sagt Ruppenthal lange nichts – und dann: "Eigentlich will ich gar nicht nach Berlin." Jeder Prozentpunkt, den seine Partei hole, sei einer weniger für die AfD. "Das ist die Hauptsache."

Aber es sind doch alle 299 Frauen und Männer, die bundesweit für "Die Partei" auf den Stimmzetteln stehen, offiziell Kanzlerkandidaten. Wie wird da entschieden, wer die Merkel-Nachfolge am Ende tatsächlich antritt? "Oh, das dürfte noch interessant werden", sagt der Kandidat, "vielleicht mit Schlammcatchen, ich würde Ihnen da noch mal Bescheid geben."

Ruppenthal war nach eigener Aussage als Schüler Mitglied in der CDU ("Jugendlicher Leichtsinn, der schnell wieder vorbei war"), vor der Landtagswahl 2011 kam er dann in "Die Partei". Er und seine Frau "waren da an einem Punkt, an dem wir festgestellt haben, dass man eigentlich niemanden mehr wählen kann. Aber das geht natürlich nicht." Also wurde Ruppenthal selbst aktiv, im Orts- und Kreisverband Emmedingen. Seine Kandidatur begründet er denkbar einfach: "Nur so habe ich die Garantie, dass ich mit dem Gewählten zu 100 Prozent auf einer Linie bin."

Nicht alle, denen die Mitglieder der Partei an Wahlkampfständen begegnen, heißen ihre Art der Politik gut, berichtet der Kandidat für Emmendingen-Lahr. Einige stößen sich daran, dass die Politik ins Lächerliche gezogen würde. "Aber von vielen – und es werden immer mehr –bekommen wir positive Rückmeldungen." Ruppenthal nennt als Beispiel eine ältere Dame, die ihm erklärt habe, dass sie "Die Partei" wähle, weil ihre noch nicht wahlberechtigten Enkel das so wollten. "Diese Art der Entscheidungsfindung ist die richtige – vor allem für Letztwähler."

Am Ende wird er doch noch einmal ernst

Ob man "Die Partei" gut findet oder nicht – es dürfte wenige geben, denen beim Anblick ihrer Wahlplakate nicht schon ein Schmunzeln über das Gesicht gehuscht ist. Besonders ins Auge stechen die sogenannten Antwort-Plakate, also die, die Bezug auf die Wahlwerbung anderer Parteien nehmen. Neben dem Plakat von SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz mit der Aufschrift "Respekt für dich" sieht man nicht selten eines von "Die Partei", auf dem steht: "Für dich immer noch Sie". Das sei seine Idee gewesen, sagt Ruppenthal nicht ohne Stolz. Beim Bummeln durch Freiburg sei sie ihm gekommen. "Damit haben wir bei Facebook eine riesige Reichweite erzielt, das ist schon eine coole Sache." Ein anderes Plakat macht die Einstellung des Kandidaten deutlich: "Nichtwählende wählen Dirk Ruppenthal. Er hat auch keinen Bock."

Und dann, am Ende des Gesprächs, wird es entgegen seines eigenen Wunsches noch einmal ernst. "Bitte schreiben Sie, dass wir keine Kleinstpartei sind, wir haben fast doppelt so viele Mitglieder wie die AfD. Und das ist gut so."

Übrigens: Ein Kandidatenvideo der LZ lehnt Ruppen­thal dankend ab. Er will ein eigenes produzieren. "Das soll das einzige sein, das im Internet kursiert."

Zur Person

Dirk Ruppenthal wurde in Waldkirch geboren und lebt mit seiner Frau in Emmendingen. Er ist von Beruf Projektleiter bei einem Verlag, Kinder hat er keine. Im Emmendinger Kreisverband von "Die Partei" ist der 46-Jährige stellvertretender Vorsitzender, im Ortsverband "Meister des Ruppenthalers", also Kassierer. Seine Frau, das betont er im Gespräch, ist im Kreisverband "Sonderbeauftragte für groben Unfug".

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