Lahr Diskussion um Zölibat: Lahrer Geistliche uneinig

 Foto: Symbolfoto: Dedert

Lahr - Papst Franziskus hat in seinen jüngsten Aussagen die Empfehlung von Bischöfen zur Lockerung des Zölibats nicht aufgegriffen. Auch eine Weihe von Frauen schließt er weiter aus. Die Lahrer Geistlichen sind darüber geteilter Meinung.

Jesus' Lebensform als Vorbild

Der Zölibat hänge nicht nur am Priesterberuf, erklärt der leitende Pfarrer und Dekan Johannes Mette über das aktuell umstrittene Thema. »Der Zölibat bedeutet, dass jemand Jesus nicht nur durch Denken, Reden und Tun, sondern auch in seiner Lebensform nachfolgt, also ehelos lebt.«

Er kenne Menschen, die zu einer geistlichen Bewegung gehören, ehelos leben und dies auch versprochen haben, aber normal in einer Firma arbeiten, sich abends zum Gebet und Austausch treffen, so der Dekan. Aber: »Man darf niemanden zwingen, ehelos zu leben. Das wäre unmenschlich«, betont Mette.

Thema durch Priestermangel aufgekommen

Der Zölibat rückte im vergangenen Jahr aufgrund des Priestermangels in entlegenen Gebieten der Amazonas-Region in den Fokus. Daraufhin hatten Bischöfe, Ordensvertreter und Experten im Oktober zur Öffnung des Priesteramts für verheiratete Männer aufgerufen. »Zu meinem Verständnis als Katholik und auch als Priester gehört es, dass ich prinzipiell zum Papst und hinter dem Papst stehe«, sagt Mette.

Dennoch könne er verstehen, »dass viele unserer Gläubigen sich auch verheiratete Priester wünschen, gerade in Zeiten des Priestermangels«. Seiner Meinung nach würde eine Lockerung aber nicht alle Probleme lösen. Es gebe aktuell einen Mangel in allen kirchlichen Berufen und einen Gläubigenmangel, auch über konfessionelle Grenzen hinweg.

Das sagen die Lahrer Geistlichen

Rosa-Maria Rößler, Vorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft Dekanat Lahr, zeigte sich von den jüngsten Aussagen von Franziskus enttäuscht:

»Ich persönlich wäre für eine Aufhebung des Zölibats, damit Pfarrer frei sein können.« Bei ihren Treffen sei das ein ständiges Thema. Sie hoffe, dass der Zölibat in Zukunft aufgehoben wird. Enttäuscht ist die Vorsitzende zudem auch über die päpstliche Absage zur Weihe der Frau. »Wir finden das nicht gut.« Rößler und ihre Mitglieder hätten sich eine positive Entscheidung zwingend gewünscht.

Auch Anke Doleschal, Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Seelbach, findet, dass Frauen eine größere Rolle in der Kirche zusteht. »In der Bibel steht schon: Der Bischof ist der Mann einer guten Frau«, so Doleschal. »Ich finde Frauen haben es verdient, Verantwortung zu tragen.«

Anders sieht das Diakon Klaus Heuberger. Er sei aktuell nicht für eine Lockerung des Zölibats. Das lasse seiner Ansicht nach die Auslegung der Bibel einfach nicht zu.

Für die Zukunft könne er sich aber ein Zölibat auf freiwilliger Basis vorstellen. Eine klare Meinung hat Heuberger auch zum Thema Weihe der Frau. »Nein. Die Frauen haben so viele Funktionen in der Kirche, eine Weihe ist daher nicht notwendig.«

Für Miriam Waldmann, Pfarrerin für die evangelische Melanchthon- und Erlösergemeinden Lahr, steht hingegen fest, dass die katholische Kirche in punkto Weihe für Frauen noch deutlichen Handlungsbedarf hat: Bei einer Weihe werde dem Geweihten eine besondere Gnade Gottes zuteil, erklärt sie. »Diese Vorstellung widerspricht meinem Glauben, dass jeder oder jede Gläubige die volle Gnade Gottes hat. Dass in der katholischen Kirche von dieser Weihegnade Frauen aufgrund ihres Geschlechts per se ausgeschlossen sind, ist für mich im wörtlichen Sinn unglaublich.«

Die Aussagen des Papstes zum Zölibat hätten die Pfarrerin nicht überrascht. »Ich habe mir die Hoffnung auf Veränderungen in Sachen Zölibat und der Rolle von Frauen in der katholischen Kirche schon vor längerer Zeit schweren Herzens abgewöhnt.«

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