Matthias Stulz "Die Rente gehört in staatliche Hand"

Will, dass sich ehrliche Arbeit lohnt und das Rentensystem reformiert wird: Matthias STulz von den "Freien Wählern". Foto: Göpfert

Bundestagswahl: Matthias Stulz von den Freien Wählern nimmt Soziales und Klima in den Blick / Stärkung des ländlichen Raums

Lahr - Den Wählern eine Alternative bieten, die frei von Extremen ist, das ist das Anliegen von Matthias Stulz und den Freien Wählen. Stulz will alternative Treibstoffe fördern, das Rentensystem reformieren und den Kommunen mehr Entscheidungsgewalt geben.

Den Freien Wählern ein Gesicht zu geben und sie so zu stärken, das war es, was Matthias Stulz dazu motiviert hatte, nach der Landtags- auch für die Bundestagswahl anzutreten. Zumal er bei der Landtagswahl ein überdurchschnittliches Ergebnis erzielt hatte: 3,8 Prozent hatten in Stulz‘ Wahlkreis für die Freien Wähler gestimmt, das waren 0,8 Prozent mehr als der Landesdurchschnitt. Ließe sich dieses Ergebnis nochmals am 26. September wiederholen oder mit dem Erreichen der Fünf-Prozent-Hürde gar toppen, wäre das für den Kippenheimer ein Grund, die ein oder andere Flasche Sekt zu öffnen, verriet er der Lahrer Zeitung.

Wichtige Themen gebe es im aktuellen Wahlkampf genügend, erklärte Stulz. Sei es die Außenpolitik mit Afghanistan, die Energie- und Klimakrise oder die Sozial- und Wohnungspolitik. Die Freien Wähler wollten dabei all denen eine Alternative bieten, die sich von den Programmen der großen Parteien nicht angesprochen fühlen "Mit den Freien Wählern kann man kaum etwas falsch machen. Denn wir sind eine Partei der Mitte", betont er. Extreme Ansichten, egal, ob es aus dem rechten oder dem linken Lager kämen, hätten dort keinen Platz.

Das heißt allerdings nicht, dass die Partei nicht auch eigene Akzente setzt. So hätten die Freien Wähler etwa als einzige Partei in Puncto Energie die "E-Fuels" in den Blick genommen. Das sind alternative Treibstoffe zu Benzin oder Diesel. Dass in absehbarer Zeit alle Elektro-Autos fahren, hält Stulz für unrealistisch. Ganz allein wegen der benötigten, knappen Rohstoffe für deren Batterien. Auch wenn CO2-freie Treibstoffe aktuell noch wirtschaftlich unrentabel und mit Wasserstoff betriebene Autos noch Zukunftsmusik seien, hält er es dennoch wichtig, deren Ausbau und Technologie zu fördern, um zukunftsfähig zu bleiben. "In Sachen Energieverbrauch sollte man nicht nur eine Strategie unterstützen", betont Stulz.

Ansonsten ist er sich sicher: "Diese Wahl wird eine Klimawahl", spätestens seit der Hochwasser-Katastrophe im Juli. Er denke, dass die Schwere und die Häufigkeit solcher Naturereignisse in der Zukunft zunehmen werde. Somit gelte es zum einen , den Hochwasserschutz zu verbessern. Zum anderen müsse aber auch der Ausbau erneuerbarer Energien gefördert werden, wo es nur geht. "Kein Dach eines neuen Hauses sollte mehr mit Ziegeln, sondern mit Solarzellen gedeckt werden", so seine Vision.

Ebenfalls Teil des Klimaschutzes ist in seinen Augen die Regionalität, auf die er auch bei seinem privaten Einkauf setzt und die aus seiner Sicht mehr gefördert werden sollte: "Es kann nicht sein, dass durch die Subventionspolitik Milch hier produziert, in Spanien verpackt und dann wieder zurückgebracht wird, nur um Förderungen abzugreifen." Gleichzeitig sei aber auch der Verbraucher gefordert, regionale Zulieferer zu unterstützen, etwa beim Einkauf auf dem Markt oder beim Bauern. Und sich wieder daran zu gewöhnen, dass nicht alles zu jederzeit erhältlich sei.

Jeder sollte von einem Vollzeitjob leben können

Doch gute, regionale Lebensmittel müsse man sich auch leisten können. Das Sozialsystem in den Blick zu nehmen, ist Stulz nicht nur aus diesem Grund wichtig. "Die Riesterrente unter Schröder war ein Fehler, an dem aktuell vor allem Privatfirmen verdienen", macht er deutlich. Sollzinsen und die aktuell starke Inflation über zwei Prozent täten ihr Übriges, dass viele Rentner nicht genug zum Leben hätten.

"Dass Leute, die ihr Leben lang gearbeitet haben, so gestraft werden!", schimpft er und fordert: "Wir brauchen eine Rente, die jeden im Alter ein stabiles Leben ermöglicht. Es kann nicht jeder Arzt werden. Auch ein Friedhofsgärtner beispielsweise sollte sich am Ende seines Lebens hinsetzen und leben können", so Stulz. Auch als Rentner solle sich besagter Gärtner auch noch seine Wohnung und ein gutes Leben leisten könne. "Dazu gehört die Rente in staatliche Hand", macht Stulz deutlich und erklärt, wie er sich den neuen Generationenvertrag vorstellt: Jeder solle am Ende seines Lebens eine Mindestrente bekommen, die ein gutes Leben ermögliche. Zugleich solle die Rente aber auch mit einem Höchstsatz gedeckelt werden. Wer dann noch mehr Rente im Alter wolle, der könne sich dann noch privat weiter versichern. Wichtig sei dabei jedoch auch, dass es keine Ausnahmen gebe und "alle, wirklich alle in diese Rente einzahlen"

Ein weiteres wichtiges Anliegen von Stulz: "Ehrliche Arbeit muss wieder mehr wertgeschätzt werden und sich lohnen." Es könne aus seiner Sicht nicht sein, dass Arbeitnehmer von einem Vollzeitjob nicht leben können. "So haben wir zwar optimale Arbeitslosenzahlen, aber viele Arbeitende in Armut. Das darf in einem Land wie Deutschland nicht sein!"

Und noch eines ist Stulz, der zehn Jahre lang im Kippenheimer Gemeinderat saß, ganz wichtig: den ländlichen Raum zu stärken. Das gehe aus seiner Sicht momentan jedoch eher von der Landes- und Bundespolitik aus als von der Kommunalpolitik. Deshalb plädiert er dafür, wieder mehr Entscheidungsgewalt nach unten zu geben, "in die Kommunen und Kreise, die am ehesten wissen, was am besten für sie ist und wie sie das umsetzen können".

Zur Person

Matthias Stulz ist 52 Jahre alt, geschieden und hat eine 15- jährige Tochter. Der gelernte IT-Systemanalyst wohnt in Kippenheim und arbeitet bei Testo Industrial Services in Kirchzarten. Seit seiner Jugend trainiert der geborene Ettenheimer asiatischen Kampfsport und hat den Zweiten Schwarzen Gürtel im Jiu-Jiutsu erreicht. Außerdem kocht und backt Stulz gerne und fährt Ski sowie Rad.

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