Lahr Die Reben stehen bereits im Saft

Erste Frühblüher setzen Farbtupfen in den Rebanlagen. Ein früher Austrieb der Reben kündigt sich an.Foto: Thürling Foto: Lahrer Zeitung

In den Weinbergen ist der Rebschnitt fast überall abgeschlossen. Die Winzer sind momentan beim Neigen und Binden der Ruten am Drahtrahmen. Die Vegetation ist ungefähr zehn Tage vor dem langjährigen Durchschnitt. Winzer fürchten den Spätfrost.

Ortenau/Kenzingen. Ein früher Austrieb der Reben kündigt sich an. Georg Moosmann, Bereichsvorsitzender Breisgau, ist der Meinung, dass infolge der Witterung der letzten Wochen der Wasservorrat in den Weinbergen eine gute Grundlage für die Entwicklung der Reben bildet. "Die Reben stehen bereits im Saft". Er rechnet damit, dass Anfang April deren Knospen aufgehen. Die Winzer sorgen sich selbstverständlich, dass Spätfröste die Triebe schädigen und den Ertrag mindern, wie es teilweise in den letzten Jahren geschehen ist. Die Frostgefahr ist jedoch in den Rebanlagen, die am Berghang liegen, etwas geringer als in der Ebene, wie beispielsweise in der Pfalz. Moosmann schätzt, dass das größere Risiko im Hagelschaden besteht.

Die Wahrscheinlichkeit eines Totalschadens nach Spätfrost ist bei den Winzern etwas geringer, die ihre Reben in verschiedenen Lagen anbauen. Verluste in einer Rebanlage könnten teilweise durch den Ertrag in anderen ausgeglichen werden. Dieser Auffassung ist der Winzer Bernhard Jägle aus Kenzingen. Er beobachtet das Klima und das Wetter sehr genau. "Momentan entspricht es dem Verlauf des Winters in 2007. Somit könne man einen frühen Lesebeginn im August prognostizieren." Die genaue Beobachtung der Witterung ist für ihn besonders wichtig, da er umweltschonenden Weinbau betreibt.

Winzer Markus Wöhrle aus Lahr berichtete ebenfalls von der fortgeschrittenen Vegetation in seinen Weinparzellen am Schutterlindenberg. "Erste Augen an den Ruten der Reben werden bereits leicht wollig, was auf eine baldige Entwicklung der Knospen deutet." Er hofft wie alle Winzer, dass Spätfröste nicht zu einem Ertragsverlust führen wie im Jahr 2017.

Das Anlegen von Feuern in den Weinbergen zur Erhöhung der Nachttemperatur ist unabhängig vom Aufwand auch nicht überall möglich, um etwa Böschungen nicht zu gefährden oder zusätzlich Feinstaub zu erzeugen. Die Winzer haben in diesem Jahr die Möglichkeit, eine Mehrgefahrenversicherung gegen Sturm, Starkregen und Frost abzuschließen, die vom Lande gefördert wird. Dies haben bisher nur wenige Winzer in Anspruch genommen.

Der Friesenheimer Winzer Martin Erb sieht dies unter betriebswirtschaftlichem Aspekt. So müsste die Anbaufläche des gesamten Betriebs versichert werden – nicht nur einzelne frostgefährdete Lagen. Die Kosten der Versicherung entspräche somit aus seiner Sicht nicht dem relativ geringen Risiko, einen Totalverlust zu erleiden.

Eine Neuerung zur Vermeidung von Frostschäden an den Reben wird gegenwärtig bereits in der Praxis erprobt. Mittels Strom können im Bedarfsfall einzelne Drähte der Rebanlagen beheizt werden. Damit soll die Temperatur unmittelbar an den Ruten und Trieben erhöht werden, so dass der Frost keinen Schaden anrichten kann. Erste Ergebnisse der Testversuche scheinen auch Anlass zur Hoffung zu geben, dass diese Methode funktionieren könnte.

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