Lahr Die Mode-Revolution aus Lahr

Film-Aenne Katharina Wackernagel (links) im Modeverlag in Lahr, wie ihn die ARD für den Film in Szene setzte. Foto: Brackmann

Lahr - Der ARD-Zweiteiler über die Verlegerin Aenne Burda sorgt auch in Lahr für Interesse an der Familien- und Firmengeschichte der Burdas. Los ging der Erfolg des Modemagazins 1949 am Lahrer Werderplatz. Noch heute gibt es dazu viele Legenden.

Ein Millionenpublikum verfolgte am Mittwoch den ersten Film des ARD-Zweiteilers über "die Königin der Kleider". Er erzählt die spannende Geschichte der Offenburger Verlegerfamilie und ihres Ehe-Dramas.

Gleich zu Beginn des Films rückt Lahr ins Bild. In einer Fabrikhalle reißt Aenne Burda den Modeverlag von Elfriede Breuer im Handstreich an sich. Zuvor erfuhr sie, dass Breuer die Geliebte ihres Mannes Franz war. Das war 1949. Im ARD-Film spielt das Drama in einer Fabrikhalle, doch tatsächlich lief es im Haus der "Wirtschaft zum Bädle" ab, am Werderplatz, direkt am Ufer der Schutter. Dort hatte Elfriede Breuer mit Franz Burdas Hilfe einen Modeverlag gegründet.

Mehrfach schimmert dieser Lahrer Hintergrund im TV-Film durch. Aenne Burda braust mit ihrem Cabrio von Offenburg über eine Landstraße nach Lahr. Wer sich auskennt, merkt: Für den Film wurde auf einer ganz anderen Straße gedreht. Und auch die Lahr-Kulissen des Modeverlags sind nicht real, sondern andernorts gefilmt.

Burda-Umzug nach Lahr? Nur ein Gerücht

Stadtführerin Annemarie Friedrich-Kirn weiß: "Im Haus Zum Bädle war die Redaktion des Verlags, im Lotzbeckhof Vertrieb und Verwaltung und in der Marktstraße 54 das Schnittmuster-Atelier." Direkt daneben wohnte die Burda- Geliebte. Da, wo heute der Modeladen "New Yorker" sitzt. In einer ARD-Dokumentation, die nächsten Mittwoch läuft (siehe Info), wird das Gasthaus "Zum Bädle" gezeigt und Aenne Burda berichtet, dass dort die Hühner den gleichen Eingang hatten wie die Modemacher. Nach zwei Jahren in Lahr zog Aenne Burda 1951 mit ihrem immer größer werdenden Modeverlag nach Offenburg um.

Gab es mal eine Option, dass Burda mit seinem Verlag aus Offenburg weg und nach Lahr umziehen wollte? Diese Frage tauchte nach der Ausstrahlung des ersten Burda-Films jetzt wieder auf. So, wie "Nessi" in Loch Ness. "Diese Legende hält sich hartnäckig", weiß Stadtgeschichtskenner Walter Caroli. Doch da sei nichts dran, so oft man diese olle Kamelle auch wieder hervorhole. Auch der einstige OB Philipp Brucker, der Lahr wie seine Westentasche kannte und 1961 ans Rathaus-Ruder kam, hatte zu Lebzeiten mehrfach erklärt, dass diese Burda-Umzugslegende "nie Hand und Fuß hatte". Vermutlich, so hört man verschiedentlich, sei sie aus Offenburger Kreisen gestreut worden, um dem kleinen Nachbarstädtchen Lahr eins draufzuhauen. Jedenfalls klebt das Gerücht an der Stadt zäher als alter Kaugummi an Schuhsohlen.

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