Lahr Die Familien der Kandidaten bibbern mit

Als um 18.57 Uhr feststeht, dass er die Wahl gewonnen hat, küsst Markus Ibert seine Frau Marion, danach umarmt er seine Kinder Moritz und Alina. Anschließend wollen viele dem künftigen Lahrer Oberbürgermeister die Hand schütteln.

Lahr. Erste Gratulantin nach der Familie ist Christine Buchheit –­ die unterlegene Kandidatin kommt quer durch den Ratssaal, um Ibert die Hand zu geben. Von draußen ist durch ein offenes Fenster Jubel zu hören – soeben ist auf der Großleinwand ein Foto Iberts gezeigt worden, verbunden mit der Nachricht, dass er neuer OB wird. Auf dem Rathausplatz haben sich rund 1500 Menschen versammelt, die nicht lange auf ihr künftiges Stadtoberhaupt warten müssen.

Ibert kommt die Treppe runter, macht im Rathaushof Halt, wo die Stadtkapelle unter der Leitung von Nicholas Reed den Deutschmeister-Regiments-Marsch spielt. Immer an seiner Seite ist seine Frau, die er an sich drückt. Anschließend geht er durch die Menge zu einem Podium, wo erst der noch amtierende OB Wolfgang G. Müller ein paar Worte sagt: Nach einem "Marathon-Wahlkampf" habe man nun ein klares Ergebnis. Müller wünscht seinem Nachfolger "eine glückliche Hand, Zufriedenheit, gute Nerven, ein dickes Fell und eine lange, lange Amtszeit". Dann gibt er das Mikro an Ibert weiter, der allen dankt – seiner Familie, den Wählern, seinen Mitarbeitern bei der IGZ, der Stadtverwaltung. Ibert sagt, er reiche allen die Hand, um gemeinsam eine gute Zukunft für die Stadt zu gestalten. Er dankt auch den anderen OB-Kandidaten für "einen fairen, offenen Wahlkampf".

Buchheit zeigt in der Niederlage Größe

Buchheit, für die soeben ein Traum geplatzt ist, steht ganz vorn in der Menge und applaudiert bei Iberts kurzer Ansprache. Sie singt sogar mit, als die Wallburger Kapelle, deren Vorsitzender Ibert ist, das Badnerlied spielt. Buchheit ist eine faire Verliererin, während Guido Schöneboom, der nach dem ersten Wahlgang ausgestiegen war, an diesem Abend durch Abwesenheit glänzt.

Rund eine Stunde zuvor ist es ernst geworden. Um 18.11 Uhr verstummen die Gespräche im Ratssaal, denn auf einer Leinwand wird das erste Ergebnis eingeblendet. Am schnellsten ist in Sulz ausgezählt worden, mit klarer Tendenz: Der schwarze Balken über Iberts Namen überragt den grünen von Buchheit, er hat 58,1 Prozent, sie 41,9. Es dauert wenige Minuten, dann treffen Resultate aus Dinglingen-Ost, Kuhbach und Lan­genwinkel ein. Es ist 18.25 Uhr, Ibert steht jetzt sogar bei 59,4 Prozent.­ Erwartet worden ist ein Kopf-an-Kopf-Rennen, doch nun sieht es nach einem Start-Ziel-Sieg Iberts aus. Denn seine Erfolgssträhne setzt sich fort, auch aus Reichenbach und weiteren Wahllokalen in Kuhbach und Dinglingen werden satte Mehrheiten für ihn gemeldet.

Um 18.30 Uhr kommt ein freudestrahlender Rudolf Dörfler, Urgestein der CDU im Lahrer Gemeinderat, zu Ibert, schüttelt ihm die Hand – das ist praktisch schon die erste Gratulation zum Wahlsieg, auch wenn erst gut die Hälfte aller Wahlbezirke ausgezählt sind. Zuletzt treffen die Ergebnisse der Briefwahl ein, woraufhin Iberts Vorsprung etwas schrumpft. Doch an seinem Erfolg gibt’s längst nichts mehr zu rütteln.

Ibert hat seine Gefühle unter Kontrolle

Der 51-Jährige lächelt, als das erste Ergebnis aus Sulz zu sehen ist, danach wirkt es, als ob er in sich ruht. Seine Gefühle hat er unter Kontrolle, doch seine Augen glänzen, die Freude ist ihm anzumerken. Er hält zeitweise die Hand seiner Frau, später kommen sein zwölfjähriger Sohn Mo­ritz und Tochter Alina, eine 20-jährige Studentin, zu ihm. Seine Kinder drückt er an sich, während es ein Geduldsspiel gibt, bis das Gesamtergebnis feststeht. Es dauert zehn Minuten, bis der letzte Briefwahlbezirk ausgezählt ist.

Als es soweit ist, gibt’s lauten Beifall in der Seite des Ratssaals, in der Ibert Platz genommen hat, in seinem Rücken Unterstützer von CDU und FDP. Nach der Familie, Buchheit und OB Müller gratulieren ihm die Bürgermeister Matthias Gutbrod, Dietmar Benz, Kai-Achim Klare, Pascal Weber und Carsten Gabbert. Dann geht’s in einer Menschenraube runter auf den Rathausplatz.

Und Christine Buchheit? Die Kandidatin wirkt traurig, ihr Blick geht zeitweise ins Leere. Und doch nimmt sie die Ergebnisse gefasst auf, die für sie das Ende eines Traums bedeuten. Sie sitzt Ibert gegenüber, zwischen ihren Töchtern Norina und Manja, die fast die ganze Zeit die Hand ihrer Mutter halten. Später kommt Buchheit mit runter vor das Rathaus, wo sie Iberts Dankesrede miterlebt.

Der künftige OB schüttelt nach seinem Auftritt auf dem Rathausplatz zahlreiche Hände und lädt die Besucher zu einem Freigetränk ein.

  Markus Ibert: Der Kandidat punktet am meisten in den Stadtteilen. In Langenwinkel, wo viele Deutsche aus Russland leben, holt er sogar 73,3 Prozent. Auch in Kippenheimweiler (63,9) und Mietersheim (62,2) ist Ibert stark.

  Christine Buchheit: Die Bewerberin schneidet mit 50,7 Prozent bei den Briefwählern am besten ab – hier überholt sie Ibert sogar, wenn auch nur knapp.

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