Lahr Die ersten CDU-Mitglieder drohen mit Austritt

Basis ist mit Parteiführung unzufrieden. Foto: Symbolbild

Lahr und Region (db/sl/cko) - Nicht nur die SPD kommt nicht zur Ruhe, auch ihr möglicher Koalitionspartner, die Union. Eine Kritikerin des derzeitigen Koalitionsvertrags ist etwa Ilona Rompel, Fraktionschefin der Lahrer CDU. "Mir gefällt die Verteilung der Ministerien nicht. Das Finanzministerin hätte die SPD nicht bekommen dürfen." Es sei ein zu großes Nachgeben zugunsten der SPD gewesen. Auch Bundeskanzlerin Merkel bekommt ihr Fett weg. "Merkel hat den Markenkern für eine Groko geopfert. Alles läuft darauf hinaus, nur ihre Kanzlerschaft zu sichern", sagt Rompel. Die CDU müsse lernen, nicht nur auf Personen zu setzen, sondern auf Inhalte. Schließlich müsse man auch an die Zeit nach Angela Merkel denken. Der Kanzlerin wirft Rompel zudem vor, "die CDU zu sehr nach links gerückt" zu haben.

Für Ewald Schaubrenner, den Vorsitzenden der Friesenheimer CDU, ist die "personelle Seite bitter". "Der Stabilitätsanker Schäuble ist nicht mehr da". Es sei Zeit, junge Leute einzubinden. Im Moment fielen ihm allerdings kaum Namen ein, viele seien verbrannt worden. Merkel müsse einsehen, dass die "Ich-dulde-niemanden-an-meiner-Seite-Zeiten" vorbei seien.

Annerose Mattmüller ist seit mehr als zwei Jahrzehnten Vorsitzende der Kippenheimer CDU. So eine Unzufriedenheit der Basis mit der Parteiführung habe sie aber noch nie erlebt, berichtet sie. Viele Mitglieder würden sie anrufen, ihren Unmut äußern und mit dem Austritt aus der Partei drohen. Quell des Ärgers sei das Ergebnis der Groko-Verhandlungen, wonach CDU und SPD die gleiche Zahl an Ministerien erhalten sollen. Mattmüller wirbt aber um Verständnis für Merkel, die das Beste aus einer schwierigen Situation gemacht habe. Die CDU habe in den Verhandlungen nämlich "doppelt bluten" müssen: Auf die CSU habe man wegen der Landtagswahlen in Bayern Rücksicht nehmen müssen –­ und auf die SPD, damit die SPD-Mitglieder später die Groko überhaupt genehmigen. Mattmüller: "Aber was wäre denn die Alternative zur einer Großen Koalition? Neuwahlen? Da würde die CDU 25 Prozent, die SPD 15 Prozent und die AfD 18 Prozent erhalten. Das kann niemand wollen." Mattmüller wünscht sich aber auch, dass die CDU-Chefin rechtzeitig ihre Nachfolge regelt und mittelfristig die "junge Garde" ans Ruder darf.

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