Lahr Aussiedler wollen in den Gemeinderat

Sie und weitere Deutsche aus Russland wollen in den Lahrer Gemeinderat: Robert Karsten (links), Olesja Rudi und Waldemar Held, der auch Vorsitzender der russlanddeutschen Landsmannschaft in Lahr ist. Foto: Braun

Lahr - Bei der Gemeinderatswahl in Lahr treten auch mindestens 14 Deutsche aus Russland an, quer durch die Fraktionen. Sie hoffen, künftig im Lahrer Stadtrat Mitsprache für ihre Interessen zu haben.

Wie viele Deutsche aus Russland in der Stadt leben, kann aktuell niemand verlässlich sagen. Erst recht nicht, wie viele von ihnen bei der Gemeinderatswahl am 26. Mai wählen dürfen. Denn die einstigen Spätaussiedler haben den deutschen Pass und werden nicht gesondert in der Einwohnerstatistik geführt. Es dürften aber mehrere Tausend Wahlberechtigte sein und damit eine wichtige Gruppe für die Parteien. Auf rund 10 000 wird die Zahl der Deutschen aus Russland in Lahr insgesamt geschätzt, darunter sind viele Kinder und Jugendliche, denn die Russlanddeutschen leben in kinderreichen Familien.

Einfacher zu ermitteln ist die Zahl der Kommunalpolitiker, die aktuell im Stadtrat russlanddeutsche Wurzeln haben: Null. Kein einziger Vertreter dieser Bevölkerungsgruppe hatte es bei der vorigen Wahl in den Gemeinderat geschafft. Es war knapp zugegangen. Kandidatin Olesja Rudi von der CDU hatten rund 100 Stimmen zum Einzug gefehlt.

"Ich trete jetzt wieder an und hoffe auf bessere Ergebnisse für mich und meine Landsmänner und -frauen, egal, in welcher Partei und Wählergruppierung", sagt die Kandidatin beim Treffen mit unserer Redaktion, zu dem mehrere Russlanddeutsche gekommen waren.

"Für mich ist es wichtig, dass auch aus unserer Bevölkerungsgruppe Vertreter im künftigen Gemeinderat sitzen", sagt Robert Karsten von der FDP. Er ist einer von vier Kandidaten seiner Partei, die russlanddeutschen Hintergrund haben. Ebenfalls vier Kandidaten stellen die CDU und die Linke. Bei der SPD ist ein russlanddeutsscher Kandidat aufgeboten, bei der AfD ebenfalls einer, war auf Nachfrage zu erfahren.

Bei den Grünen tritt kein Spätaussiedler an

Bei den Grünen sucht man Russlanddeutsche vergebens auf der Kandidatenliste. "Mit dieser Bevölkerungsgruppe tun wir uns seit langem schwer und haben deshalb auch keinen Kandidaten aus diesem Kreis für unsere Liste gewinnen können", räumt Claus Vollmer ein, der scheidende Fraktionssprecher der Grünen im Gemeinderat.

Bei den Freien Wählern Lahr hingegen fragt man vergebens an, wenn man sich nach Kandidaten aus dieser Gruppe erkundigt. Die Bewerber der Freien Wähler seien sich darin einig, keine gesonderte Liste anzubieten. "Sie sind bei uns zwischenzeitlich so gut integriert, dass eine extra Ausweisung keinen Sinn macht", erklärt Gemeinderätin Marlies Llombart.

Die russlanddeutschen Bewerber der anderen Parteien wollen, falls sie gewählt werden, keine spezielle Politik für ihre Landsleute machen, erklärten sie in einem Redaktionsgespräch. "Es geht nicht darum, dass wir für uns etwas Besonderes erreichen wollen. Aber wir finden, dass wir nach so langer Zeit auch die Stadtpolitik aktiv mitgestalten sollten", so Waldemar Held, der Vorsitzende der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland in Lahr und CDU-Bewerber für den Gemeinderat.

Willi Wentland, der für die SPD Lahr auf der Liste steht, lebt als Deutscher aus Russland schon viel länger in der Stadt als die anderen Spätaussiedler – bereits seit 1979. "Ich kenne nach so langer Zeit beide Seiten, die Russlanddeutschen und die Einheimischen", sagt er. Eine besondere Klientel-Politik für die Aussiedler möchte auch er nicht machen. "Sondern vielmehr Stadtpolitik für alle Bürger, ganz gleich, wie lange sie hier schon leben", sagt er.

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