Lahr Die Corona-Pandemie bremst auch Cowboys und Indianer

Mit Mundschutz und Cowboyhut: Siegfried Schillinger (links) und Dieter Fleig vor dem geschlossenen Vereins-Saloon "Silber-Dollar". Foto: Fleig

Lahr - Der Winnebago Indian Westernclub Lahr wirbt auf seiner Internetseite mit dem Slogan "Willkommen in einer längst vergangenen Zeit, mit Cowboys, Indianern und Trappern". Tatsächlich ist wegen der Pandemie die Zeit auf dem Gelände im vorderen Ernettal von einer auf die andere Minute stehen geblieben.

Bis zum März war die Welt im Ernet noch dann in Ordnung. Doch mit Ausbruch der Pandemie und den damit verbundenen Kontaktbeschränkungen war nichts mehr wie vorher. Doch den Kopf in den Sand stecken, das wollten die Vorstandsmitglieder nicht.

Statt sich wie in früheren Indianerzeiten mit Rauchzeichen zu verständigen, machte man sich die moderne Technik zunutze. Die beiden bereits vorhandenen Whatsapp-Gruppen, Vorstand und Mitglieder, wurden rege genutzt. Immer wieder wurden auf diesen Kanälen negative Nachrichten übermittelt.

Gemeinschaft im Verein wird sehr vermisst

So mussten die Mitglieder erfahren, dass die traditionellen Vereinsveranstaltungen –­ Hobbyistentreffen, Ausflug, Herbstwanderung, Flohmarkt Weihnachtsfeier – ausfallen. Natürlich sind auch die Treffen jeden Sonntagmorgen im gemütlichen Saloon nicht mehr möglich.

Den Mitgliedern fehlt das Vereinsleben sehr: Ines Jörger-Seifert vermisst insbesondere "die netten Gespräche von Angesicht zu Angesicht, das Diskutieren mit anderen Vereinsmitgliedern und zur Mittagszeit das gemeinsame Essen in gemütlicher Runde".

Auch Elli Lange, von Beginn an Mitglied, fehlen nicht nur die sonntäglichen Treffen, sondern auch die zahlreichen Veranstaltungen: "Ich wohne mitten in der Stadt, für mich und meinen Mann Heinz Lange, der bereits verstorben ist, war und ist der Ernet die zweite Heimat.

Wenn man ein bestimmtes Alter hat, freut man sich auf gesellige Menschen, die man gerne hat – dies fehlt mir ganz besonders. Ich wünsche mir, dass bald alles wieder so sein wird, wie vor der Pandemie."

Melanie Binder fehlt nicht nur das Zusammensein, sondern auch das gemeinsame Basteln und Stricken. Neben Gabi Kunzer, die "das Vertrauliche und die schöne Gemeinschaft im Verein sehr vermisst", trauert Liane Brennenstuhl der Tatsache nach, dass man nicht mehr gemeinsam Singen und Trommeln kann: "Wir hatten erst vor kurzem wieder eine Gesangsgruppe gegründet, die sehr erfolgreich war, aber von einer Sekunde auf die andere durch Corona ausgebremst wurde. Das finde ich mehr als schade, da wir gerade anfingen, gut zu werden."

Auch Gerd Kremhüller, der mit seiner Frau Walpurga Hermann-Kremhüller dem Verein mehr als 50 Jahre als Mitglied die Treue hält, fehlt neben dem "Schwätze" das Miteinander beim Lagerfeuer im Rundbau und das Bogenschießen. Karlheinz Rosendahl vermisst die Tomahawk-Duelle beim sonntäglichen Frühschoppen. Heiko Kurz betont, dass ihm die Harmonie fehle, die den Verein prägen.

Vereinsjahr findet pisitiven abschluss 

Im Hintergrund wird der Verein indes am Leben gehalten. Unter der Leitung von Platzwart Ralf Seifert wurden nach den Corona-Regeln immer wieder Arbeitsgruppen gebildet, die sich um das große Vereinsgelände kümmerten.

So musste über den ganzen Sommer über immer wieder das Gras gemäht und mussten die Hecken gestutzt werden. Es waren auch Reparaturen am Holzschuppen nötig, die ein Sturm im Frühjahr verursacht hatte. Und die interne Hauswasseranlage wurde bei dieser Gelegenheit auch wieder auf den neuesten Stand gebracht.

Nachdem zu Jahresbeginn Fremde einigen Schaden an den Außenanlagen angerichtet hatten, entschloss man sich eine Überwachungsanlage zu installieren. Somit konnte man das Vereinsjahr in dieser Hinsicht doch noch erfolgreich abschließen.

Das Gelände steht trotz der Pandemie in einem sehr gepflegten Zustand da – und das wird auch so im neuen Jahr so weitergehen, versicherte ein freudenstrahlender Hütten- und Geländewart Ralf Seifert: "Mir stehen viele treue Helfer zur Seite, die sich ebenfalls um die Belange des Vereins kümmern."

Doch wie geht es mit dem Vereinsleben weiter, so die Frage an die Vorsitzende Marina Kurz. Die für den 28. Februar geplante Hauptversammlung fällt sehr wahrscheinlich ins Wasser. Auch das beliebte Osterlager vom 2. bis 5. April und das Council vom 13. bis 24. Mai stehen auf mehr als wackeligen Füssen. Die ganze Hoffnung liegt derzeit beim Hobbyisten-Treffen mit dem Tag der offenen Tür am 31. Juli und 1. August.

"Wir können nichts Verbindliches planen", so Kurz. "Doch eines hat die Pandemie gezeigt, die Mitglieder sind noch enger zusammengewachsen, alle freuen sich auf das Wiedersehen. Und trotz fehlender Einnahmen durch die Absage von Veranstaltungen stehen wir weiter auf gesunden Füßen." Jetzt kommt uns zugute, dass wir immetr etwas für schlechte Zeiten auf die hohe Kante legen."

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