Lahr Die Anteilnahme ist groß

Nach den Schüssen in Rot am See, bei denen sechs Menschen starben, legte der Lahrer Gemeinderat am Montagabend eine Schweigeminute für die Opfer der Tat ein. OB Ibert hielt eine bewegende Ansprache. Foto: Braun

Lahr - Die Mitglieder des Lahrer Gemeinderats haben am Montag in einer Schweigeminute der Opfer von Rot am See gedacht. OB Markus Ibert: "Wir sind über die schrecklichen Nachrichten erschüttert und tief berührt."

Eine Stecknadel hätte man am Montagabend im Ratssaal fallen hören können, als Markus Ibert noch vor der eigentlichen Sitzung auf die Bluttat in Rot am See einging, bei der sechs Menschen mutmaßlich von einem 26-jährigen Familienmitglied erschossen wurden. Drei der Toten stammen aus Lahr, auch der Täter hat einst in der Stadt gelebt, wir hatten berichtet.

Ein ebenfalls angeschossener 68 Jahre alter Mann aus Lahr schwebt nach Angaben der Polizei nicht mehr in Lebensgefahr. Sein kritischer Zustand habe sich verbessert. Eine Frau aus Lahr wurde ebenfalls wegen Schussverletzungen im Krankenhaus behandelt. Der mutmaßliche Täter sitzt wegen des Verdachts auf sechsfachen Mord und zweifachen versuchten Mordes in Untersuchungshaft.

"Wir sind über die schrecklichen Nachrichten aus Rot am See erschüttert und tief berührt", begann Ibert seine Ansprache am Montagabend. "Unsere Gedanken sind bei den Hinterbliebenen." In den betroffenen Familien sei "nichts mehr, wie es war". Es sei erschreckend, was Menschen anderen Menschen antun könnten, so Ibert. Er habe am Montag ausführlich mit einem Familienangehörigen sprechen können, berichtete der OB. Er rief dazu auf, bei der öffentlichen Berichterstattung Zurückhaltung zu üben, "aus Respekt vor der Privatsphäre der Opfer". Auf die Veröffentlichung von privaten Details sei zu verzichten.

"Nichts kann den Schmerz nehmen und nichts kann die Lücke schließen", sagte Ibert. Bei aller Trauer sei es aber gut, in solchen Momenten zu spüren, dass es eine Gemeinschaft gebe, die unterstütze und Menschen, die mitfühlten. Die Mitglieder des Gemeinderates erhoben sich nach der Ansprache des Oberbürgermeisters von ihren Plätzen und gedachten in einer Schweigeminute den Opfern.

Im Freundes- und Bekanntenkreis der getöteten Geschwister ist die Bestürzung auch drei Tage nach den schrecklichen Geschehnissen groß. "Es fühlt sich so unwirklich an. Ich bin sprachlos", sagte ein ehemaliger Mitschüler der getöteten 36-jährigen Lahrerin gegenüber der LZ. "Sie war einer der nettesten Menschen, die ich kannte, immer offen und sehr kommunikativ." Auch ihr Bruder galt als herzlich und hilfsbereit.

Die 36-Jährige hatte vor drei Jahren ein Referendariat am Clara-Schumann-Gymnasium (CSG) in Lahr absolviert. Schulleiter Joachim Rohrer sagte am Montag auf Nachfrage unserer Redaktion, dass die Trauer an der Schule groß sei; näher wolle man sich nicht äußern. Die Schule werde einen Gedenkgottesdienst für die getötete Lehrerin abhalten.

Der mutmaßliche Todesschütze hatte 2012 am CSG Abitur gemacht. Schulpsychologen helfen seit Montag Schülern, Lehrern und Eltern bei der Bewältigung des Geschehens, teilte das Regierungspräsidium auf Nachfrage unserer Redaktion mit.

Die getötete Mutter hatte im Ortenau-Klinikum gearbeitet. Dort sei man "tief bestürzt über den Tod der beliebten und geschätzten Mitarbeiterin, wir sind in Gedanken bei der Familie und den Angehörigen und können alle diese schreckliche Tragödie nicht begreifen", so Klinik-Geschäftsführer Christian Keller.

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