Lahr Die Angst vor dem Aus geht um

Thomas Kroll und Felix Bender
Obwohl er nach eigenen Angaben alle Vorkehrungen getroffen hat und für die Einhaltung der Abstandsregeln sorgen kann, darf Tobias Lohmüller, Inhaber der Aventio Sportclubs Ettenheim und Kippenheim, seine Studios nur für Reha-Kurse öffnen. Foto: Kroll

Corona: Fitnessstudios in der Region bangen um ihre Zukunft / "City-Club" kehrt aus Lockdown nicht zurück

Lahr und Region - Die Betreiber von Fitness-studios durchleben harte Zeiten im Lockdwon. Der "City-Club" in Lahr hat seine Tore bereits geschlossen. Werden weitere folgen? Die LZ hat sich in der Region umgehört.

Kurz vor dem Lockdown wurde noch einmal investiert

Statt der Muskeln wächst der Bauch, die Ausdauer lässt nach, man fühlt sich weniger fit – so dürfte es aktuell vielen Menschen in Deutschland gehen. Seit Monaten warten Sportbegeisterte, die etwas für ihre Gesundheit tun möchten, auf die Wiedereröffnung von Fitness-Studios.

Wie lange die Situation noch anhalten wird, ist wegen der Corona-Pandemie nicht abzusehen. Der aktuelle Lockdown läuft bis 7. März. Aber nicht nur für die Mitglieder, sondern auch die Betreiber von Fitness-Studios bedeutet das: durchhalten.

Der "Cityclub" in der Innenstadt ist das erste Fitnessstudio rund um Lahr, das nicht aus dem Lockdown zurückkehren wird. Wie berichtet, hat der Betreiber den Pachtvertrag für die Räume im Nestler-Carré nicht verlängert (siehe Info).

Die Mitglieder können künftig im Mauerweg trainieren. Dort betreibt die Van-der-Vliet-und-Kunz-Gruppe noch zwei Fitnessstudios. Die Gründe für das Aus des "City-Clubs" bleiben unklar. Der Inhaber ließ mehrere Anfragen unserer Redaktion unbeantwortet. Andere Fitnessstudio-Betreiber sprachen mit der LZ – und machten dabei auf ihre prekäre Lage aufmerksam.

Tobias Lohmüller, Inhaber der Aventio Sportsclubs Ettenheim und Kippenheim, sagt: "Der Lockdown hat uns sehr stark getroffen, weil unsere umsatzstarken Monate – November, Januar, Februar und voraussichtlich auch der März – für uns komplett wegfallen", klagt der 42-Jährige.

Kurz vor dem Lockdown habe man noch einmal investiert, um für die Kunden optimale Trainingsbedingungen zu schaffen. Um die Hygienemaßnahmen der Bundesregierung einzuhalten – und sogar zu übertreffen – sei viel Zeit und Geld eingesetzt worden. Genützt habe das im Endeffekt aber nichts, weil dennoch geschlossen werden musste. Aktuell gebe es verständlicherweise auch keinerlei Neuanmeldungen.

Während der ersten Lockdown-Phase habe man staatliche Hilfe bekommen: "Das hat auch sehr viel gebracht", versichert Lohmüller. Im Rahmen des zweiten Lockdowns sei man hingegen nicht antragsberechtigt und werde somit auch keine Unterstützung erhalten.

Nichtsdestotrotz müsse man die bereits verbuchten Beiträge der Mitglieder ausgleichen. Auf die Frage, wie lange man so noch konkurrenzfähig bleiben könne, antwortet Lohmüller kurz, aber bestimmt: "Nicht mehr lange."

Macht Lohmüller der Politik einen Vorwurf, weil Fitnessstudios nicht zu den sogenannten systemrelevanten Betrieben gezählt werden? "Ich denke, da muss man ein wenig differenzieren. Es gibt gerade in unserer Region viele Anbieter, die sehr gewissenhaft arbeiten und das Risiko einer Infektion fast unmöglich machen."

Andererseits gebe es aber auch Studios, die es nicht so genau mit der Hygiene und den Abstandsregeln nehmen. Grundsätzlich, sagt Lohmüller, würde Sport den Menschen helfen, das Immunsystem stärken und somit mehr zur Gesunderhaltung beitragen als ihr zu schädigen. Daher seine Schlussfolgerung: "Ich denke, wir sind mit unserer Branche nicht das Problem, sondern die Lösung zur Bekämpfung der Pandemie."

Hoffnung auf baldiges Ende des Lockdowns

Um wegen der langfristigen Schließung nicht dauerhaft Kunden zu verlieren, werden diese in regelmäßigen Abständen über den Stand der Dinge informiert. Darüber hinaus wurden im Internet Trainingsmöglichkeiten geschaffen.

"Wir bedienen den Social-Media-Bereich und veranstalten auch Events, wie zum Beispiel momentan eine Spendenaktion für die deutsche Kinderkrebsstiftung, bei der wir 50 Prozent unserer Zusatzumsätze spenden", sagt Lohmüller. Ihm bleibt nur die Hoffnung, dass der Lockdown bald zu Ende geht. "Wir wären auch unter strengen Hygienemaßnahmen und Abstandsregelungen in der Lage, sofort wieder zu eröffnen.

Marco de Giorgis ist Inhaber des neu gegründeten Fitness-Studios "Fit +" in der Litschentalstraße 42 in Seelbach, das zu einer Kette gehört. Wie sein Kollege Lohmüller hat er Angst um seine Zukunft: "Wir haben in unsere Studios alles investiert, was wir hatten, und stehen momentan vor dem Nichts."

Er beklagt die fehlende Planungssicherheit: "Wir wissen überhaupt nicht, wann wir endlich durchstarten können." Man könne schließlich keinem Mitglied zumuten, für etwas zu zahlen, dass nicht genutzt werden darf. Somit gehen dem Neugründer überlebenswichtige Umsätze verloren, denn Ansprüche auf finanzielle Hilfen gibt es in seinem Fall nicht. Letzten Endes hilft de Giorgis nur eines: "So lange es möglich ist, werden wir uns mit privaten Mitteln über Wasser halten müssen." Um überhaupt einmal einen Fuß in die Tür der Fitnessbranche zu bekommen, hofft er auf eine baldige Eröffnung.

Fitnessstudio für 6600 Euro

Die Maßnahmen der Politik, auch Fitnessstudios komplett zu schließen, kann er absolut nicht nachvollziehen. Denn in seinen Augen ist die körperliche und mentale Gesundheit aller Menschen zweifellos systemrelevant. "Außerdem zählen die Fitnessstudios nicht zu den Infektionsrisiko-Orten und das führt bei den Betreibern zu Unverständnis und Frustration."

Danken möchte de Giorgis allen Mitgliedern für das Vetrauen ins "Fit +" und die Geduld. Man sei über die sozialen Medien in Kontakt. "Dass wir momentan keine Mitgliederbeiträge einziehen, ist für uns ohnehin selbstverständlich", erklärt er. Für die baldige Eröffung fühlt er sich bestens gerüstet: Das geforderte Hygienekonzept ist ein fester Bestandteil unserer Fitnessstudios."