Lahr Der Große Krieg in der Region

Die Autoren des "Geroldsecker Lands" stellten ihre Beiträge aus dem Jahrbuch im Wertehaus der Volksbank Lahr vor. Foto: Haberer Foto: Lahrer Zeitung

Von Jürgen Haberer

Lahr. Der Erste Weltkrieg ist zentrales Thema der neuesten Ausgabe des 56. Jahrbuchs "Geroldsecker Land". Stadhistoriker Thorsten Mietzner stellte den Band im Wertehaus der Volksbank vor.Zum 100. Mal wird sich der Ausbruch dieses verheerenden Konflikts 2014 jähren. "Es ist ein in Deutschland weitgehend vergessener Krieg", konstatierte der Stadthistoriker Thorsten Mietzner. "Die Erinnerung an das sinnlose Sterben in der Materialschlacht bei Verdun wurde von Auschwitz und den Kriegsverbrechen Hitlers verdrängt", fasste er die historische Bewertung der beiden Weltkriege aus deutscher Sicht zusammen. Sein Fazit lässt sich gut mit einem Vergleich illustrieren: Die Verkündung des Waffenstillstands am 11. November 1918 ist in Frankreich und England nach wie vor ein wichtiger Gedenktag. In Deutschland markiert der 11. November dagegen in der Wahrnehmung vieler Menschen vor allem den alljährlichen Beginn der närrischen Zeit.

Nicht nur der Autorenbeitrag von Thorsten Mietzner zur Vorstellung des neuen Bands des "Geroldsecker Land" zeigte auf, warum die Historiker in Deutschland heute von einem vergessenen Krieg sprechen. 100 Jahre nach Kriegsausbruch setzt das Jahrbuch insgesamt ein deutliches Zeichen. Mehr als die Hälfte der insgesamt 14 Beiträge widmet sich ausdrücklich der Erinnerung an den Ersten Weltkrieg. Mietzner selbst, seine Autorenkollegen Ralf Bernd Herden, Karl-Heinz Debacher, Bernhard Uttenweiler, Martin Frenk und Ekkehard Klem spiegeln auf der Basis von Chroniken, persönlichen Aufzeichnungen und Zeitungsberichten die Auswirkungen des Krieges in der Region wider.

Herden und Mietzner blicken auf die Garnisonsstadt Lahr, Debacher wertet die Aufzeichnungen des Ruster Pfarrers Andreas Jerger aus. Uttenweiler zeichnet die Geschehnisse anhand des Echos in der "Ettenheimer Zeitung" nach. Frenk und Klem konzentrieren sich auf die Nachbereitung, die neue Grenzziehung rund um Meißenheim und die Dörfer der heutigen Gemeinde Schwanau sowie auf die Erinnerungskultur der Kriegerdenkmale.

Schriftführerin Gabriele Bohnert fasste die übrigen Beiträge zusammen. Sie verwies auf den Beitrag von Walter Caroli, der sich ebenfalls mit Erinnerungskultur befasst und sich auf die Suche nach dem vergessenen Rosenhügel in Lahr gemacht hat. Sie stellte die Beiträge von Dieter Weiß vor, der über den verschwundenen spätgotischen Altar von Schmieheim geschrieben hat und der das ehemalige Stadtschreiberhaus in Ettenheim würdigt. Auf ihren eigenen Beitrag, die Nachbereitung der Fotoausstellung "Lahr – Klein-Kanada am Oberrhein", verwies Oberbürgermeister Wolfgang G. Müller bei der Vorstellung des Jahrbuchs. Er erinnerte an den Abzug der kanadischen Streitkräfte aus Lahr, der sich 2014 zum 20. Mal jährt.

Das Buch: Das Jahrbuch "Geroldsecker Land", Band 56 (ISSN 1614-1407), umfasst 192 Seiten. Es ist ab sofort zum Preis von 16,50 Euro im Buchhandel erhältlich.

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