Lahr "Der Austausch muss noch viel intensiver werden"

Deutsch-französischer Gedankenaustausch (von links): die Abgeordneten Peter Weiß und Antoine Herth, die Schüler Lukas Sonnemann und Jonas Aumann sowie die Lehrer Evelyne Decker vom College Romain Roland und Nils Henkel vom Scheffel-Gymnasium Foto: Haberer Foto: Lahrer Zeitung

Lahr. Die Wirtschaft auf der deutschen Rheinseite sucht händeringend nach Fachkräften und Auszubildenden. In kleiner Runde wurde im Scheffel-Gymnasium über Ansätze zur Verbesserung einer grenzüberschreiten Berufsorientierung und Ausbildung diskutiert. Mit dabei waren der Bundestagsabgeordnete Peter Weiß (CDU) und sein Kollege Antoine Herth, elsässischer Abgeordneter in der französischen Nationalversammlung.

Bei der Suche nach Ursachen für Probleme bei der grenzüberschreiten Berufsorientierung steht die Sprachbarriere an erster Stelle, hinzu kommen die unterschiedlichen Ausbildungssysteme in Deutschland und Frankreich sowie bürokratischen Hürden.

Es gibt aber auch Leuchtturmprojekte, so die am Scheffel-Gymnasium gegründete Schülerfirma "Grenzenlos", eine Kooperation der Schule mit dem Ersteiner College Romain Roland. Da werden berufsvorbereitende Praktika im Nachbarland, ein regelmäßiger Austausch der Schüler untereinander organisiert. Zu der Berufsinfomesse "Beruf & Co." hatten die Lahrer Schüler eine neunte Klasse aus Erstein eingeladen. Bei ihrem Besuch der Messe haben sie das Gespräch mit dem Abgeordneten Weiß und Herth gesucht. Am Donnerstag wurde dieser Dialog mit den Lehrern Evelyne Decker (College Romain Roland), Nils Henkel (Scheffel-Gymnasium) und den Lahrer Schülern Lukas Sonnemann und Jonas Aumann fortgesetzt.

Während Lukas Sonnemann und Jonas Aumann die positive Erfahrungen des direkten Austauschs mit den Schülern aus Frankreich betonten, hoben Decker und Henkel die bürokratischen Hemmnisse hervor. Es fehle an Ansprechpartnern auf der administrativen Ebene, betonte Decker. Die vom französischen Staat geforderten Praktikumsverträge und Begleitunterlagen seien zu komplex. Das Instrumentarium eines Schüleraustauschs greife nicht, wenn Schüler aus Er­stein ein einwöchiges Berufspraktikum im Europa-Park, beim Druckhaus Kaufmann oder der Firma Herrenknecht absolvieren. Der grenzüberschreitende Nahverkehr müsse ausgebaut, die Bürokratie abgebaut werden. Weiß plädierte für bilinguale Gesellenprüfungen, eine stärkere Harmonisierung der Ausbildungssysteme.

Reaktion auf den Fachkräftemangel

Antoine Herth verspricht sich Vereinfachungen von der geplanten Zusammenlegung der Departements Ober- und Unterelsass. Alle gemeinsam plädierten vor allem auch für eine Intensivierung des Austauschs. Es reiche nicht aus, beim Nachbarn Urlaub zu machen, zum Einkaufen kurz über die Grenze zu fahren. Es müsse ganz normal sein, im Nachbarland zu arbeiten, sich kulturell und gesellschaftlich zu engagieren. Angesichts des Fachkräftemangels auf der deutschen Seite werde der wirtschaftliche Transfer aus Frankreich immer mehr an Bedeutung gewinnen, wie Weiß betonte.

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