Lahr Das Zauberwort heißt Entwicklung

Die 20-köpfige Band bewies ihr Können nicht nur bei den neuen Songs des Albums "eWolution". Foto: Künstle Foto: Lahrer Zeitung

Von Jürgen Haberer

Lahr. Der Blick geht stets nach vorne, auch wenn die Bigband W den Swing ebenso wenig aus den Augen verliert, wie das Erbe von Carlo Bäder. Das neue, seit Samstag erhältliche Album "eWolution", bringt das ebenso auf dem Punkt wie das Jahreskonzert im Schlachthof, das am Samstag stattgefunden hat.

Das Zauberwort heißt "Entwicklung" (englisch: "evolution") und wird beim Albumtitel nicht ganz korrekt, dafür aber selbstbewusst mit einem großen "W" geschrieben. Obwohl Bandleader Hanjo Gißler seine 20-köpfige Truppe mittlerweile in halb Deutschland zusammentrommeln muss, setzt die Bigband W in der Region den Maßstab, wenn es in Sachen Jazz um große Besetzungen geht.

Das Kollektiv steht wie eine Eins. Beim Jahreskonzert im "Schlachthof" brachte es die Einsätze auf den Punkt und präsentierte sich einmal mehr als ausgewogener Klangkörper, der sich in den vergangenen Jahren hörbar weiterentwickelt hat.

1988 von Carlo Bäder gegründet, nach dessen Tod im Jahr 2007 von Gißler zusammengehalten und weiter vorwärts gebracht, lieferte die Truppe am Samstag eine überzeugende Standortbestimmung ab. 13 Jahre nach ihrem Erstlingswerk "Lahr drive" wartet die Bigband W mit einem neuen Album auf, das einmal mehr das Erbe von Carlo Bäder würdigt, darüber hinaus aber auch die aktuelle Entwicklung aufzeigt. Das neue Album umfasst insgesamt elf Titel, darunter eine Reihe von Carlo Bäder arrangierter Klassiker und zwei Eigenkompositionen des Bandgründers. Hinzu kommen drei Arrangements von Gißler, die eine Hinwendung zum Jazzrock und Funk dokumentieren.

Der Einstieg beim Jahreskonzert war klassisch und gediegen. Sammy Nesticos "Hay Burner" pirschte sich heran, verbeugte sich mit satten Bläsersätzen vor dem Swing. Der nächste Song ging dann schon in eine andere Richtung. "A Touch of Spain" wurde von Herbert Joos komponiert. Die Klangbilder sind um ein Vielfaches moderner und Stefan Kurz setzte eine großartige Duftmarke mit dem Flügelhorn. Bei "Star Eyes" und "That Old Black Magic" gab dann erstmals im Laufe des Abends Vokalistin Isabel Haist ihre Visitenkarte ab.

Beim Jahreskonzert präsentierte die Bigband W aber nicht nur Stücke vom neuen Album, sondern auch Stücke wie "The Truth will always be", ein wunderbar in dunklen Tönen angelegtes Machwerk, bei dem Gißler selbst wieder einmal zur Posaune griff. Mit dem am Ende des Konzerts servierten Song "You know I’m no good" von Amy Winehouse wurde eine Brücke in Richtung Soul und Pop geschlagen, der Rest war das Zubrot der Zugabe, die Bäders Popballade "All Mightiness on Earth" einleitete..

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