Lahr Das Publikum in eine andere Dimension katapultiert

Für "Spacepilot" holte sich Joe Hertenstein (Mitte) Mitstreiter, die enge Verbindungen zur New Yorker Musikszene unterhalten: Christian Lohr (links) und Torsten de Winkel Foto: Künstle

Lahr (ha) - Joe Hertensteins "Spacepilot" hat die Landesgartenschau am Freitagabend in eine andere Dimension katapultiert. Das für ein Konzert neu zusammengestellte Bandprojekt des Lahrer Schlagzeugers lieferte auch ohne den erkrankten Gunter Hampel einen überzeugenden Auftritt ab. Zwei Stunden lang tauchte das Trio in einen pulsierenden Klangkosmos ein.

"Ich find Blumen schön", skandierte Joe Hertenstein am Ende eines denkwürdigen Auftritts auf der großen Bühne des Seeparks. Gleich am zweiten Abend der am Donnerstag eröffneten Landesgartenschau setzte der in New York lebende Schlagzeuger eine ganz eigene Duftmarke. Im Trio mit dem Gitarristen Torsten De Winkel und Christian Lohr an den Tasteninstrumenten zauberte Hertenstein in einem freien Spiel der Kräfte immer neue Klangbilder aus dem Hut.

Die drei Musiker, die am Freitagabend zum ersten Mal gemeinsam auf der Bühne standen, lieferten einen über weite Strecken faszinierenden Auftritt ohne Netz und doppelten Boden ab. Sie erforschten kosmische Sphären, tauchte ein in die exotischen Strukturen des indischen Raga, experimentierten mit freien Jazzimprovisationen und rockigen Grooves.

Joe Hertenstein hatte sich für den exklusiven Auftritt ganz bewusst Mitstreiter ausgesucht, die – wie er selbst – enge Verbindungen zur Musikszene in New York unterhielten. Gunter Hampel war in den 1970er-Jahren einer der ersten, die den Sprung über den Atlantik wagten. Christian Lohr hat als Produzent mit namhaften Künstlern in den USA zusammengearbeitet, pendelt wie Torsten De Winkel regelmäßig zwischen den Kontinenten. Die beiden waren sofort dabei, mit Joe eine weitere Inkarnation des "Spacepilot" aus der Taufe zu heben.

Die musikalische Auseinandersetzung des Trios schöpfte vom ersten Augenblick an aus der ungezügelten Lust an der Improvisation, der freien, ungezügelten Klangrede. Musikalische Themen und Grooves manifestierten sich aus dem Nichts heraus, wurden entwickelt, transformiert und wieder verworfen.

In der Mitte des Konzertes wagten die drei plötzlich einen überraschenden Wechsel in die Klangwelt des indischen Subkontinents. Christian Lohr kniete mit der Melodica in der Hand vor einem Harmonium auf dem Bühnenboden, Torsten De Winkel tauschte die Gitarre gegen eine elektrische Sitar, streute rhythmisierte Vokallaute ein, während Joe Hertenstein im Zentrum der Bühne trommelte.

Obwohl sich die Stuhlreihen im Verlaufe des Abends lichteten, entwickelte das Konzert einen fast magischen Sog, der aufmerksame Zuhörer und ausgemachte Liebhaber musikalischer Experimente immer tiefer in seinen Bann zog. Am Ende manifestierte sich ein satter, tanzbarer Groove, der das Konzert nochmalsl auf eine neue Ebene katapultierte.

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