Lahr "Das ist eine große Enttäuschung"

Fußballfeste im Breisgau? Wann und wo die Fans des SC Freiburg wieder so feiern dürfen, steht in den Sternen. Foto: Seeger

Lahr und Umland - Keine Spiele am Abend und am Sonntagnachmittag: Auf den Richterspruch zum neuen Stadion reagieren die Anhänger des SC Freiburg mit Unverständnis – und Angst vor den möglichen Folgen. Die LZ hat bei Fanclubs in der Region nachgefragt.

Verwaltungsgerichtshof untersagt Spiele zu bestimmten Zeiten 

Als hätten es Fußballfans dieser Tage nicht schon schwer genug. Monatelang wurde ihnen der Zutritt zu den Stadien wegen Corona verwehrt, mussten sie die Partien ihrer Lieblingsvereine zu Hause im Fernsehen anschauen. Nun da die Zeit der Geisterspiele endlich vorbei scheint (siehe Info), kommt für die Anhänger des SC Freiburg die nächste Hiobsbotschaft.

Wie berichtet, hat der Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Mannheim Bundesligaspiele zwischen 20 und 22 Uhr sowie am Sonntag von 13 bis 15 Uhr zunächst untersagt. Die Eilentscheidung vom Dienstag sorgt für Kopfschütteln bei den Sportclub-Fans – auch über die Planer. Die Hoffnung des "zwölften Mannes": dass der Rechtsstreit ein schnelles und gutes Ende zugunsten des Fußballs findet.

"Torpedo Kinzigtal": Mehr als 300 Mitglieder stark – und damit so groß wie kein anderer SC-Fanclub – ist "Torpedo Kinzigtal". Der Vorsitzende Boris Sorychta findet klare Worte in Richtung der Stadion-Verantwortlichen: "Jeder weiß, dass ein Bundesligaverein alle zwei Wochen ein Heimspiel hat. Das hätten die Planer beachten müssen. Man kann sich schon fragen, was da im Vorfeld schiefgelaufen ist."

Zur Erklärung: Der VGH hat bei seiner Entscheidung deutlich gemacht, dass die SC-Spiele, ­anders als von der Genehmigungsbehörde angenommen, keine "seltenen Ereignisse" im Sinne des Lärmschutzes sind und deshalb Partien zu Ruhezeiten erst mal einen Riegel vorgeschoben. Nichtsdestotrotz, sagt Sorychta, "kam das Urteil für mich völlig unerwartet".

Bürger stimmten für den Neubau 

Auf eine lange Standortsuche war vor mehr als fünf Jahren ein Bürgerentscheid gefolgt – mit einem deutlichen Ja für einen Stadion-Neubau im Gebiet Wolfswinkel. Dass sechs Anwohner anschließend dennoch geklagt haben und nun zumindest teilweise Recht bekamen, kann der "Torpedo"-Vorsitzende nicht nachvollziehen: "Wenn die große Mehrheit der Freiburger ihren Segen gibt, muss man es auch mal gut sein lassen."

Wie geht es nun weiter? Für den Steinacher völlig offen. "Man könnte sagen: ›Top! Jetzt spielen wir immer samstags um 15.30 Uhr.‹ Nur wird da die Liga wohl nicht mitmachen. Wenn die Entscheidung für den SC lizenzgefährdend ist, wäre es jedenfalls eine Katastrophe."

Sorychta macht keinen Hehl daraus, dass es ihn nicht in die neue Arena zieht: "Mein Herz hängt am Schwarzwald-Stadion, das neue sieht schon von außen eher aus wie ein Industriebau als ein Fußballtempel." Bis die Fans den Wolfswinkel als ihre Heimat betrachten, "dürfte es noch eine Weile dauern".

"Knaddlys":  Auch für die "Knaddlys" aus Kappel-Grafenhausen, der mit 265 Mitgliedern zweitgrößten Fanvereinigung des SC Freiburg, kam der Richterspruch aus Mannheim überraschend: "Damit war nach der Vorgeschichte nicht zu rechnen", sagt der Vorsitzende Dennis Renter. "Vielleicht waren sich die Verantwortlichen nach dem Bürgerentscheid etwas zu sicher."

Die Entscheidung des VGH ist für den "Knaddlys"-Chef eine "große Enttäuschung" – und ein Ärgernis: "Es geht um den Freitagabend und den Sonntagnachmittag, also insgesamt etwa vier Spiele pro Saison. Das kann man als Nachbar aushalten, finde ich."

Eigentlich wollte der SC zur kommenden Saison vom Schwarzwald-Stadion in die neue Arena umziehen, wegen Corona wurde der Termin auf die Rückrunde verlegt. Wann angesichts der aktuellen Entwicklungen tatsächlich an neuer Stelle gekickt hat, ist nunmehr offen: "Wir können nur hoffen, dass auf den Eilentscheid nicht noch ein jahrelanges Hauptverfahren folgt", so Renter, der sich bei einer Führung bereits in der neuen Arena umschauen konnte.

Hundertprozentig überzeugt ist er wie sein "Torpedo"-­Kollege noch nicht: "Im Großen und Ganzen sieht es gut aus, aber ehrlich gesagt, fehlt mir noch ein bisschen das SC-Typische. Aber das kann ja noch kommen, die Arbeiten laufen schließlich noch."

"Herwelzer Buebe": Der kleine Fanclub aus Herbolzheim – die "Buebe" zählen lediglich zwölf Mitglieder – hat sich über die Entscheidung des VGH noch kein Bild gemacht. "Ich bin ehrlicherweise nicht genug in dem Thema drin, um zu sagen, wer die Schuld an dem Dilemma trägt. Ich kann da momentan weder Planer noch Anwohner verantwortlich machen", sagt der Vorsitzende Manuel Spitz.

Dass womöglich Abendspiele und auch Sonntagspartien langfristig im neuen Stadion unmöglich sind, ist für Spitz aber kein Problem. "Wir sind eh klar für Samstagnachmittag um 15.30 Uhr als Anstoßzeit für alle Partien in der Bundesliga", sagt er.

Dass das neue Stadion kommt, wird für den SCF von Vorteil sein, da sind sich die "Herwelzer Buebe" einig. "Das alte Stadion an der Dreisam war einfach auf Dauer nicht mehr haltbar, da war der Neubau einer modernen Arena wichtig", so Spitz.

Auch der Standort des neuen Stadions sei gut gewählt worden. Bereits vor dem Umzug in das neue Schmuckstück – wann immer er auch möglich sein wird – ist sich der Fanclub-Vorsitzende sicher, dass er das alte Schwarzwald-Stadion vermissen wird. "Diese Heimstätte des SC ist einfach etwas ganz Besonderes."

Info: Fans sind skeptisch bei Spielen in der Corona-Zeit

Kurz vor dem Bundesliga-Start am morgigen Freitag haben die Länder den Weg freigemacht für die Fan-Rückkehr in die Stadien. Bis zu 20 Prozent der Zuschauerkapazität sind unter Einhaltung strenger Corona-Regeln erlaubt. Das Freiburger Schwarzwald-Stadion hat 24 000 Plätze. Demnach dürften zum ersten Heimspiel (Sonntag, 27. September, gegen Wolfsburg) 4800 Fans kommen. Bisher plante der SC mit 500.

Die Fanclubs aus der Region zeigen sich zurückhaltend. "Ich persönlich werde erst wieder ein Spiel besuchen, wenn alle unsere Mitglieder reindürfen", stellt Boris Sorychta von "Torpedo Kinzigtal" klar. "Meine Kumpels nicht umarmen, wenn die Mannschaft ein schönes Tor schießt? Das ist ein Unding für mich." Anderen wolle und könne er einen Stadionbesuch "natürlich nicht verbieten".

Ähnlich argumentiert Dennis Renter von den "Knaddlys". Auch ihn werde man nicht beim SC sehen, "solange diese Vorgaben einzuhalten sind". Denn: "Maske tragen, Abstand halten und nicht singen – das geht gar nicht." Viele Vorstandskollegen sähen das genauso.

Der Testbetrieb mit mehr Zuschauern reizt auch die "Herwelzer Buebe" aus dem nördlichen Breisgau nicht. "Dieses Experiment lockt mich nicht ins Stadion. Ich will erst wieder den SC vor Ort anfeuern, wenn es wieder ein volles Stadion gibt. Alle Zuschauer oder keine Zuschauer – das ist meine Meinung", sagt der Fanclub-Vorsitzende Manuel Spitz deutlich. Wann das wieder möglich ist? "Keine Ahnung."

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