Lahr "Das ist die Zunkunft"

Das neue Windrad auf dem Langenhard wurde eingeweiht.Foto: Breuer Foto: Lahrer Zeitung

Mit einem großen Fest ist am Samstag die Einweihung des neuen Windrads auf dem Langenhard gefeiert worden. Die Festrede hielt der ehemalige Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne).

Lahr. Es schüttete wie aus Eimern, aber die Mitglieder der Oekogeno, die die neue Windkraftanlage auf dem Langenhard gebaut hat und betreibt, ließen es sich nicht nehmen, die Einweihung ihres Windrad zu feiern. Schutz fanden die rund 120 Menschen unter einem Festzelt, das die Feuerwehr Seelbach aufgestellt hatte.

Trittin hatte nicht nur lobende Worte für die Lahrer parat, er erhob auch eine ganze Reihe von Forderungen, die das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) betrafen. Das von ihm im Jahr 2000 durchgesetzte EEG habe zum Ziel gehabt, bis 2020 rund 20 Prozent der Energiegewinnung auf umweltfreundlichen Wegen zu fördern. Heute, im Jahr 2016, sei das Ziel mit 30 Prozent bereits weit übertroffen. Dennoch versuche die große Koalition, die Weiterentwicklung zum Vorteil der Braunkohle zu bremsen. Das Ziel, 50 Prozent des Stroms erneuerbar zu erzeugen, sei ein Deckel geworden, so Trittin. Ausschreibungszwang und Sonnensteuer, Stillstand bei der Gebäudesanierung und ein Festhalten an der Dieselsubvention seien die Deckel, mit der die Regierung arbeite. Deutschland sei schon einmal weiter gewesen und werde mit dem neuen EEG in die Vergangenheit geschickt.

Auflagen zum ­Schutz der Haselmaus

Würden die bekannten Vorräte an Gas, Öl und Kohle verbrannt und in die Atmosphäre verfeuert, würde die Klima­erwärmung um vier bis fünf Grad steigen. Festgeschriebenes Ziel sei aber, zwei Grad nicht zu überschreiten. Was bedeute, dass nur 20 Prozent der fossilen Brennstoffe, die auf Vorrat liegen, tatsächlich verarbeitet werden dürften.

Das Verbot von Fotovoltaik in der Freifläche und die Einführung der Sonnensteuer habe bereits 40 000 Arbeitsplätze gekostet. "Durchgesetzt von einer Regierung, die sich Sorgen um 20 000 Arbeitsplätze in der Braunkohle macht", sagte der 62-Jährige. Es sei falsch, Zukunftsindustrien abzuwürgen, um die großen Energiekonzerne zu schützen.

Statt kalkulierbarer sinkender Einspeisevergütung solle es künftig Ausschreibungen geben, bei denen die Bürgergenossenschaften wie die Oekogeno nicht mithalten könnten, teurer Offshorestrom solle weitergefördert werden, während der günstigere Offshorestrom im Norden gedeckelt würde, weil es angeblich nicht genug Leitungen gebe. "Wir müssten nur endlich die überflüssigen Kohlekapazitäten vom Netz nehmen", so der Politiker.

"Hier auf dem Langenhard sieht man die Zukunft der Stromversorgung", sagte Trittin. Die Energiewende gelinge nur, wenn der Wind nicht gedeckelt und die Sonne nicht verschattet werde. Dafür brauche es ein EEG ohne Deckeln, den Ausstieg aus der Kohle, mehr erneuerbare Wärme und ein Ende der Dieselsubvention.

Für den Lahrer Gemeinderat sei es keine Frage gewesen, das im September 2013 abgebrannte Windrad zu ersetzen, sagte Walter Caroli, der sowohl als Vertreter des Oberbürgermeisters als auch als Sprecher des Naturschutzbunds Lahr vor die Festgäste trat. Die Stadt Lahr arbeite schon seit 25 Jahren an der Energiewende, sei zweimal zertifiziert und mit dem Energy Award ausgezeichnet worden. Die Schäden, die es durch die schweren Maschinen beim Ab- und Wiederaufbau des Windrads auf den Wegen gegeben habe, seien fast alle beseitigt. Schon bald soll davon nichts mehr zu sehen sein.

Georg Hille, Geschäftsführer der Oekogeno, Andreas Markowski und Rainer Schüle dankten als Vertreter der Betreibergesellschaft der Stadt für die unkomplizierte Zusammenarbeit. Hindernisse habe es vor allem vonseiten des Regierungspräsidiums gegeben, das sich an die Vorgaben des Bundesnaturschutzgesetzes gehalten habe. Dabei sei es vor allem um den Schutz der Haselmaus gegangen. Es seien alle Auflagen erfüllt worden.

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