Lahr Cyrille Schott ist für ein gemeinsames Europa

Cyrille Schott sieht den Sitz des Europaparlaments weiter in Straßburg. Foto: privat Foto: Lahrer Zeitung

Lahr/Erstein (gk). Insgesamt 70 Teilnehmer haben sich bei der 18. Auflage der deutsch-französischen Veranstaltungsreihe "Ersteiner Gespräche" der Volksbank Lahr im Restaurant "À l’aigle d’or" in Osthausen eingefunden. Referent war Cyrille Schott, überzeugter Europäer und Präfekt in mehreren Regionen Frankreichs. Der Ruheständler und Politikwissenschaftler hielt ein flammendes Plädoyer für Europa. Die gelebte Freundschaft diesseits und jenseits des Rheins am Leben zu erhalten, sei angesichts der Vormarschbewegung der Rechtspopulisten quer durch Europa das Gebot der Stunde, sagte Schott. Ihm liegt die deutsch-französische Freundschaft am Herzen.

Schott verschwieg keine Probleme, letztlich überwiegt beim ihm die deutsch-französische Freundschaft, die seit Jahrzehnten besteht und auch in der Zukunft Bestand haben wird. Den Volksbank-Gästen gefiel das, was Schott aus den Protokollen deutsch-französischer Staatsmänner hervorzauberte. Von den positiven Schüsselfiguren auf deutscher und französischer Seite bis zu den Widersachern im rechtsradikalen Spektrum: Schott hatte als früherer Präfekt für alle und alles eine Antwort. Deutschland und Frankreich komme eine besondere Vorreiterrolle zu, ließ er in seinem Vortrag immer wieder anklingen. Seine politische Geschichtsstunde gipfelte in der Vision, dass es in der Welt nicht ohne die EU gehe, schon gar nicht ohne Frankreich und Deutschland. Er sehe den Sitz des Europaparlaments einzig und allein in Straßburg und weniger in Brüssel.

Neugründung Europas hat oberste Priorität

Bei aller Konfrontation und Differenzen in Europa, seien die Parlamentarier zu einem Krisenmanagement verpflichtet, bei dem eine Neugründung Europas in guter Zusammenarbeit oberste Priorität sei. Europa sei zwar krank, aber nicht unheilbar dem Untergang geweiht, stellte Schott eine ganz individuelle Diagnose.

Schott ließ die Gäste wissen, dass Deutschland und Frankreich so stark seien, um die Herausforderungen auch meistern zu können. Er warb für einen Neubeginn in der Europäischen Union, appellierte an die Gemeinsamkeit der Gründerväter und brachte seine Vorstellungen eines gemeinsamen Europas zum Ausdruck.

In der Diskussionsrunde zeigte sich, dass nicht alle Franzosen die Meinung teilten. Bei aller Kritik war seine Forderung unüberhörbar: "Straßburg muss europäische Hauptstadt bleiben". Volksbank-Vorstand Reiner Richter und René Eckart, Mitorganisator auf französischer Seite für die Ersteiner Gespräche, plädierten ebenso für ein Festhalten an den gemeinsamen Beziehungen. Mit Blick auf die anstehenden Europawahlen wünschten sich beide eine klare Absage an die Rechtspopulisten, einen Sieg der politischen Mitte und eine Stärkung des europäischen Gedankens mit Deutschland und Frankreich.

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