Lahr Corona macht den Alltag zum Hindernislauf

Sportliches Strecken und Dehnen – zwischen Juni und September war das bei den Yoga-Treffs im Bürgerpark noch möglich. Seit Anfang November müssen sich Senioren bemühen, ohne regelmäßig stattfindenden Sportgruppen in Bewegung zu bleiben. Foto: Stadtmühle

Lahr - Als Corona-Risikopatienten gelten vor allem ältere Menschen. Für einige von ihnen hat das Virus den Alltag in einen Hindernislauf verwandelt. Wie Senioren in Lahr und Umgebung den Lockdown meistern, berichten vier von ihnen im LZ-Gespräch.

Seniorentreffs, Theater- und Restaurantbesuche – all diese alltäglichen Beschäftigungen sind seit Beginn des sogenannten "Lockdown light" nicht mehr möglich. Wie erleben ältere Menschen die Corona-Maßnahmen?

Manfred Fugmann, 79 Jahre, Münchtal: "In meiner Familie gab es fünf Corona-Fälle, vier davon waren tödlich.

Das hat uns schockiert", berichtet Manfred Fugmann betroffen. Mit seiner Frau lebt er im Münchtal. Beide leiden an Asthma: "Wir gehören zur Risikogruppe und haben Angst, uns anzustecken. Deswegen versuchen wir, möglichst keine Kontakte zu haben."

Sportlich und engagiert seien er und seine Frau vor der Pandemie gewesen. Gruppen-Fahrradtouren, Gymnastik, Repair-Café und ein kirchlicher Seniorenkreis gehörten zu ihren liebsten Aktivitäten. Nach acht Monaten Pandemie mache sich nun der Bewegungsmangel bemerkbar: "Wenn wir eine kleine Runde gehen, bekommen wir sehr schnell Atemnot, es ist schwieriger als früher", so der Senior.

"Auch das Masketragen macht uns durch das Asthma große Probleme. Wenn wir unterwegs sind, kriegt meine Frau meistens Hustenanfälle. Die Leute schauen dann immer schon", schildert Fugmann.

Anita Melcher, 81, Mietersheim: "Ich habe das Glück, dass meine Tochter in Lahr wohnt. Wenn also Not am Mann ist, dann habe ich jemanden und bin nicht ganz alleine", erzählt Anita Melcher. Sie ist alleinstehend und lebt in einem kleinen Haus in Mietersheim. "Ich bin ein positiv denkender Mensch", sagt Melcher über sich selbst.

"Ich nehme die Situation an, so wie sie ist und denke, dass wir irgendwann auch wieder normale Verhältnisse kriegen. Bei Laune halte ich mich mit Lesen, Spaziergängen und meinem Haushalt." Die größte Herausforderung im Alltag sei für sie, "zurückzustecken" und auf ihre Besuche in der Stadtmühle, die für sie wie "eine zweite Heimat ist", zu verzichten.

Die Aussicht auf einen Impfstoff mache ihr Hoffnung. Wenn die Testphasen abgeschlossen seien, "dann würde auch ich mich impfen lassen, aber jetzt müssen wir da erstmal durch. Es nützt ja alles nichts", schließt die 81-Jähirge im optimistischen Tonfall. 

Georg Papke, 86, Kippenheimweiler: " Meine Frau und ich müssen feststellen: Uns geht es relativ gut – trotz der Pandemie", steigt Georg Papke in das Gespräch mit der LZ ein. Ausschlaggebend hierfür sei, mutmaßt Papke, dass er und seine Frau zu zweit seien. In seiner Gymnastikgruppe, die er im Oktober ein paar Mal besuchte, musste er feststellen, dass das Alleinsein für viele seiner Mit-Turnerinnen "problematisch" sei: "Sie haben einfach keine Ansprechpartner und die Kinder sind meistens aus dem Haus."

Angst habe er keine, sei aber strikt dafür, dass die Normen, die gesetzt sind, auch eingehalten werden. Was er nicht verstehen kann: Warum Anti-Masken-Proteste wie kürzlich in Leipzig genehmigt würden. "Wenn ein Gericht so eine Demo freigibt, dann muss das schiefgehen", so Papke. Und weiter: "Wer sitzt auf diesen Richterstühlen? Sind das etwa ›Querdenker‹?"

Eva Moussa, 84, Lahr: Als ihr Mann vor vier Jahren starb zog Eva Moussa aus ihrem Haus an der Nordsee in eine kleine Wohnung in Lahr – "ein Kunststück". Um näher bei ihrer Tochter zu sein, denn die wohne in Mietersheim. "Sich komplett neu zu verwurzeln", das sei "schon schwierig gewesen. Und jetzt auch noch Corona", klagt sie. "Alle Bekanntschaften, die ich in der Stadtmühle hatte, all die gemeinsamen Unternehmungen, das fällt nun weg", erzählt die Seniorin.

Zu jammern "Ich bin so alleine!" habe aber keinen Zweck. "Durch die ganze Corona-Geschichte zu hadern, auch nicht. So lange ist mein Leben nicht mehr", so die 84-Jährige. Sie lebe nach dem Motto "Carpe Diem – Nutze den Tag". Und ist es auch "manchmal schwierig, sich am Schopf hochzureißen", denke sie, man muss "die Sache positiv sehen, denn man hat nur ein Leben, das sollte man sich nicht vermiesen lassen".

Mit Blick auf die junge Generation sagt die Seniorin: "Als junge Frau nach dem Krieg ist für mich alles langsam wieder besser geworden." Für die jungen Leute heutzutage sei das Streichen von Unternehmungen "ein gewisser Abstieg und sicherlich viel schwerer zu ertragen".

Stadtmühle im Lockdown

Trotz des Teil-Lockdowns bleibe das Team der Stadtmühle mit seinen Besuchern in Verbindung, so der Leiter Edwin Fischer. Zum Beispiel durch Anrufe bei jenen Stadtmühle-Besuchern, von denen die Kontaktdaten bekannt sind. Außerdem sei während der Pandemie eine kleine Stadtmühlenzeitung, "Gruß aus der Stadtmühle", entstanden, die monatlich erscheine.

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