Lahr Chrysanthema: Gäste verputzen 210 Gläser Nutella

Heide Krebs und ihre Tochter Ira bieten noch in dieser Woche Crêpes im Zirkuswagen an. Foto: Röckelein

Lahr - Seit 16 Jahren betreiben Rainer und Heide Krebs ihren Wagen "Crêpes bei Krebs". Damit ist nach der Chrysanthema Schluss. Sie gehen in den Ruhestand.

Inmitten des Rathausplatzes in Lahr steht ein weiß angestrichener Zirkuswagen mit der Aufschrift "Crêpes bei Krebs". Vor 25 Jahren haben Rainer und Heide Krebs angefangen in ihrem Zirkuswagen Crêpes zu verkaufen. 16 Jahre lang waren sie unter anderem auf der Chrysanthema in Lahr tätig. Nach einem Vierteljahrhundert Teig anrühren, wenden und bestreichen geht das Ehepaar nun in den wohlverdienten Ruhestand.

Angefangen hat alles mit einem ausrangierten Zirkuswagen, den der heute 79-jährige Rainer Krebs erworben hatte. "Alle haben damals gefragt, was er damit machen wolle und er sagte schlicht: eine Crêperie", erinnert sich seine 78-jährige Ehefrau Heide, ein gebürtiges Nordlicht. Der heute knapp 90 Jahre alte Wagen wurde von Rainer Krebs renoviert, umgebaut und gemeinsam mit seiner Frau Heide liebevoll eingerichtet. Links vom Eingang hängen heute weiße Gardinen, rechts steht eine Kaffeemaschine mit blau-weißen Tassen.

Heide Krebs spricht von einem bewegten Leben. Viel haben sie und der Wagen gesehen: Hochzeiten, Geburtstage, Feste. "Wir haben so viele schöne Sachen mit den Wagen erlebt. Das macht uns den Abschied schon schwer", erzählt die 54-jährige Tochter Ira, "irgendwo war es wie eine zweite Heimat". Besonders positiv behalten sie die liebevolle Kundschaft in Erinnerung. "Wir haben die Kinder teilweise aufwachsen sehen", erzählt Ira.

Ob mit Zimt und Zucker, Nutella oder Schinken: 34 Sorten bietet die Crêperie an. "Nutella ist etwas, das immer geht", sagt die 54-Jährige. Während der dreiwöchigen Chrysanthema würden sie rund 210 Gläser Nutella leeren, schmunzelt sie. "Wenn wir am ersten Chrysanthema-Wochenende anfangen, stehen im ganzen Wagen Gläser. Wenn es zu Ende geht, müssen wir schon Gläser suchen."

250 Crêpes am ersten Chrysanthema-Sonntag

Wie viele Crêpes über die Jahre über die Ladentheke gegangen sind, kann nur gemutmaßt werden. Am ersten Sonntag der Chrysanthema diesjährigen sollen aber rund 250 Crêpes verkauft worden sein, weiß Ira.

Sichtlich schwer fällt es Heide Krebs, nach all den Jahren aus gesundheitlichen Gründen aufzuhören. "Ich muss loslassen", sagt sie. Auch heute erinnert sie sich gerne an ihre erste Chrysanthema 2003 zurück. "Damals standen wir mit unserem Wagen am Urteilsplatz. Ich habe mich sofort zu Hause gefühlt".

Ihr Ehemann Rainer Krebs hatte den Wagen mit einem Traktor zuvor aus Nordrhein-Westfalen nach Lahr gebracht. Einige Woche später wären sie mit ihren Wagen wieder auf dem Lahrer Weihnachtsmarkt gewesen. Zu diesem Zeitpunkt waren sie auch im Begriff nach Lahr zu ziehen und hätten überall verstreut Umzugskartons stehen gehabt.

Nun heißt es wieder Sachen in Kartons packen und erstmal Abschied nehmen. Wenn alles gut läuft, wird Tochter Ira die Crêperie in Lahr weiterführen – mit neuem Wagen, aber altem Logo.

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