Lahr Mobilität: "Bürger müssen sagen, was sie wollen"

Sind die Lahrer mit dem ÖPNV in der Stadt zufrieden? Solche Themen sollen in der schriftlichen Bürgerbefragung geklärt werden. Das Foto zeigt den zentralen Omnibusbahnhof beim Bahnhof. Foto: Schabel

Lahr - In den nächsten Tagen erhalten 4400 Haushalte in Lahr Post von der Stadt. In den Umschlägen stecken Fragebögen, mit denen unter anderem herausgefunden soll, welche Verkehrsmittel die Bürger nutzen und was sie vom örtlichen ÖPNV halten.

Die Erkenntnisse daraus fließen in den Lahrer Verkehrsentwicklungsplan ein, den das Büro Planersocietät aus Karlsruhe anschließend erstellen soll. Das haben Bürgermeister Tilman Petters, Martin Stehr vom Stadtplanungsamt und Philipp Hölderich, Projektleiter von Planersocietät, bei einem Pressegespräch am Donnerstag im Rathaus mitgeteilt.

Wie läuft die Aktion ab?

Die betroffenen Haushalte sind durch Zufallsstichproben aus dem Einwohnermelderegister ausgewählt worden. Sie erhalten Anschreiben im Namen des Oberbürgermeisters, in denen sie um ihre Teilnahme gebeten werden. Hölderich hofft auf eine Rücklaufquote von bis zu 13 Prozent, das wären etwa 1000 Teilnehmer. Diese Zahl sei groß genug, um zu erfahren, wie die Lahrer insgesamt über Verkehrsfragen denken. Die Befragung läuft vom 26. März bis zum 11. April, wobei der Datenschutz gewahrt werde, betonte der Verkehrsplaner. Bei der Zusendung der Fragebögen liegt ein kostenfreier Rückumschlag anbei.

Was wird gefragt?

Die Teilnehmer werden gebeten, Angaben zum Haushalt zu machen, aber etwa auch darüber, über welche Fahrzeuge sie verfügen und wie weit die nächste Bushaltestelle von ihrer Wohnung entfernt ist. Vor allem aber sollen sie mitteilen, wie und wo sie an einem bestimmten Tag unterwegs sind. Gefragt ist eine Art Wegeprotokoll mit Angaben zur zurückgelegten Entfernung und den benutzten Verkehrsmitteln. Auf dem Fragebogen steht der konkrete Tag, über den die Teilnehmer Auskunft geben sollen; es handelt sich jeweils um einen Dienstag, Mittwoch oder Donnerstag. Stichtage sind der 26. bis 28. März, 2. bis 4. April und der 9. bis 11. April.

Würde man die Bürger über einen Tag ihrer Wahl Auskunft geben lassen, würden sie eventuell über eine Radtour an einem Sonntag berichten, so Hölderich. Doch das sei nicht gefragt; vielmehr interessiere man sich für das typische Bewegungsverhalten an einem typischen Werktag. Bleiben die Teilnehmer an dem fraglichen Tag zuhause, sollen sie eben das in den Fragebogen eintragen, ergänzte Petters – man wolle ein realistisches Bild erhalten. Geklärt werden sollen unter anderem diese Fragen: Mit welchen Verkehrsmitteln erreichen die Bürger ihren Arbeitsplatz? Wie kommen die Kinder zur Schule? Wie wird das ÖPNV-Angebot bewertet? Wie groß ist das Interesse an neuen Angeboten wie Carsharing und Ladesäulen für Elektroautos?

Weshalb braucht Lahr einen Verkehrsentwick­lungsplan?

In der Untersuchung sollen "die Leitlinien für die künftige Mobilität und die Verkehrsentwicklung der nächsten zehn bis 15 Jahre in Lahr festgelegt" werden, heißt es in einer Mitteilung der Stadt. Es gehe darum, die Diskussion über Verkehrsthemen auf eine objektive Grundlage zu stellen, verdeutlichte Petters am Donnerstag. Man brauche die Untersuchung, um anschließend in die "Variantendiskussion" einsteigen und entscheiden zu können, ob etwa der Fahrradverkehr oder der ÖPNV gefördert werden sollen.

"Die Bürger müssen sagen, was sie wollen", stellte Petters fest, der auf den weiten Ansatz der Befragung aufmerksam machte. So interessiere man sich etwa auch dafür, ob ein Bähnle von Lahr ins Schuttertal eine gute Lösung wäre. "Wir müssen uns selbstkritisch die Frage stellen, ob wir das Verkehrsnetz verbessern und auf andere Verkehrsarten setzen müssen", meinte der Bürgermeister.

Stützen sich die Planer allein auf die Befragung?

Außer der repräsentativen Haushaltsbefragung werde man unter anderem auch den Verkehr zählen und ÖPNV-Fahrgäste interviewen, teilte Hölderlich mit. Generell gehe es darum, Stärken und Schwächen der Verkehrslage in Lahr herauszufinden.

Die Ergebnisse der Befragung sollen bis zum Herbst ausgewertet und dann präsentiert werden. Den darauf aufbauenden Verkehrsentwicklungsplan, in den noch weitere Erkenntnisse einfließen, will das Büro Planersocietät nach insgesamt 18 Monaten fertigstellen.

  • Bewertung
    1