Lahr "Bücher in der Schule sind nicht zeitgemäß"

Er kennt sich mit Computern und Technik aus: Der 52-jährige Matthias Stulz aus Kippenheim arbeitet bei einer IT-Firma in Kirchzarten. Deshalb liegen seine persönlichen Präferenzen bei der Digitalisierung und einer veränderten Bildungspolitik. Foto: Fischer

Lahr - Im Wahlkampf hat er bereits Erfahrung: Matthias Stulz von den Freien Wählern ist im Jahr 2008 als Bürgermeisterkandidat in Kippenheim angetreten. Nun will er in den Landtag einziehen und dort die Bildungspolitik verbessern.

Anderer Wahlkampf in diesem Jahr 

"Es ist schon ein ganz anderer Wahlkampf dieses Jahr, fast surreal. Ich habe das Gefühl, dass alles etwas verspätet ist, weil man so gefangen ist im Organisationswahn", erzählt Stulz. 2008 kandidierte er bei der Bürgermeisterwahl in Kippenheim. Nun will sich Stulz überregionaler orientieren und für seine Partei Freie Wähler in den Landtag in Stuttgart einziehen.

"Es kann nicht sein, dass Kinder ab der fünften Klasse kiloweise Bücher mit in die Schule schleppen müssen. Auch die Aktualität und das Wissen leiden, wenn die Schullektüre seit Jahren genutzt wird und veraltet ist oder fachliche Fehler enthält", so Stulz. In Mathe und Deutsch sei das "zu statische Buch" noch weniger ein Problem als zum Beispiel in Gemeinschaftskunde. Bei digitalen Büchern könnte man einfach flexibler sein, so Stulz.

Umstieg auf G 9 ist eines seiner Ziele 

Auch der Umstieg auf G9 ist eines seiner Ziele. "Wir werden immer älter und müssen immer länger arbeiten. Es braucht keine 17-jährigen Abiturienten, die noch nicht mal einen Mietvertrag für die Wohnung im Studienort selbst unterschreiben können oder die nicht wissen, was sie machen sollen, aber dafür auf ihre Jugend verzichtet haben", so Stulz.

Deshalb setzt der 52-Jährige seine Schwerpunkte vor allem in der Bildungspolitik und Digitalisierung. Mit Computern und Technik kennt sich der IT-Systemanalyst schon von Berufs wegen gut aus. Er kritisiert, dass die Digitalisierung nun zwar in aller Munde sei, es aber kein einheitliches Konzept für die Bundesländer oder gar ganz Deutschland gebe. "Wenn alle Lernmaterialien nur noch auf dem PC zur Verfügung stehen, bedeutet das das Aussterben einer ganzen Branche. Um Härtefälle bei den Druckereien zu verhindern, müsste man die Umstellung deshalb langsam angehen", erklärt Stulz.

Produkte von heimischen Bauern in den Supermarkt bringen

So schnell wie möglich möchte er regionale Erzeuger, Hofläden und Landwirte fördern sowie den öffentlichen Nahverkehr ausbauen. Das Ziel des Landtagskandidaten ist es, Fleisch, Wurst, Obst und Gemüse von Ortenauer Bauernhöfen auch in die Supermärkte in der Umgebung zu bekommen. "Hier müssen die Subventionen für die Landwirte überarbeitet und gezielter eingesetzt werden." Nur so könne sichergestellt werden, dass ein Produkt, das durch ganz Europa gereist ist, im Laden nicht trotzdem billiger ist als eines, das in der Umgebung hergestellt wurde. Stulz ist sich sicher: "Da geht noch viel mehr!".

Stulz ist Vorsitzender der Bürgerinitiative B3-Umfahrung Kippenheim 

Dennoch betont er, dass Lahr und die Ortenau in vielen Dingen Vorreiter seien und es "uns hier recht gut geht". Stulz hat sich in der Vergangenheit auch bei einigen lokalen Projekten klar positioniert, zum Beispiel für die B 3-Umfahrung Kippenheims; er ist auch Vorsitzender der Bürgerinitiative. Stulz ist der Meinung, der Schwerlastverkehr könnte durch das Kinzigtal fahren und müsste nicht den Weg über Lahr oder die umliegenden Orte nehmen.

"Hier ist die Schwierigkeit, dass der Bund beziehungsweise das Regierungspräsidium für die Bundesstraßen verantwortlich ist. Dementsprechend gibt es viele Wünsche, aber unsere Ziele sollten wir nicht aus den Augen verlieren." Das gelte auch für die Rheintaltrasse, die "leider nicht vorankommt".

Freie Wähler in der politischen Mitte anzusiedeln 

Auf die Frage, weshalb das Kreuzchen auf dem Wahlzettel vor seinem Namen stehen soll, antwortet Stulz schmunzelnd: "Wenn du keine Ahnung hast, wen du wählen sollst, kannst du mit den Freien Wählern nichts falsch machen. Wir sind politisch weder extrem links noch rechts, sondern in der Mitte, nicht so festgefahren wie alteingesessene Parteien und keine Autokratie". Die Freien Wähler hinterfragten erst einmal alles und bringen manchmal auch eine andere Sicht auf die Dinge, so Stulz.

Er wisse auch , dass man es nie allen recht machen könne, aber ruhige und überlegte Diskussionen würden oft neue Erkenntnisse bringen. Dass der kommunale Verband der Freien Wähler die Ambitionen der Partei, in der Landespolitik mitmischen zu wollen, kritisiert, kann Stulz nicht verstehen. "Wenn ich wirklich etwas bewegen will, muss ich bis nach ganz oben, dann kann ich auch für Lahr und die Region etwas ändern."

Zur Person 

Matthias Stulz ist 52 Jahre alt, geschieden und hat eine 14-jährige Tochter. Der gelernte IT-Systemanalyst wohnt in Kippenheim und arbeitet bei Testo Industrial Services in Kirchzarten. Seit seiner Jugend trainiert der geborene Ettenheimer asiatischen Kampfsport und hat den Zweiten Schwarzen Gürtel im Jiu-Jiutsu erreicht. Außerdem kocht und backt Stulz gerne und fährt Ski sowie Rad.