Lahr Bagger fressen Nestler-Hochhaus

Lahr - Ein Stück Lahrer Industriegeschichte wird in diesen Tagen von Baggern buchstäblich gefressen: Die Fabrikhallen von Nestler beim Stadtpark sind nur noch Schutt. Am Freitag fiel das markante Verwaltungshochhaus an der Dinglinger Hauptstraße.

Späktakulärer Abriss des Nestler-Areals

Es war einer der spektakulärsten Abrisse der vergangenen Jahre. Über mehrere Wochen hatten riesige Bagger die alten Fabrikhallen der Wellpappenfirma Nestler neben dem Stadtpark-Parkplatz niedergerissen. Am Freitag fiel dann auch endgültig das sechsstöckige Verwaltungshochhaus an der Dinglinger Hauptstraße. Mit einer haushohen Spezialplane wurde der Abriss an der viel befahrenen Straße gesichert.

Was wird da abgerissen?

Die Lahrer Wellpappen-Firma Nestler, die bald seit 100 Jahren besteht, hatte hier einst ihren Standort. In den 1960-Jahren waren das Verwaltungshochhaus und die angrenzenden Hallen gebaut worden. Nach der Auslagerung seiner Produktion an die Tullastraße ins Industriegebiet West hatte der Verpackungshersteller keine Verwendung mehr für die Industriebrache in zentraler Lage. Viele Jahre versucht Nestler vergeblich, das Areal zu veräußern. Schon lange war deshalb nach einer neuen Verwendung für die 10 000 Quadratmeter große Fläche gesucht worden.

Wer reißt da jetzt die Gebäude ab?

Das Areal zwischen den Straßen Am Stadtpark, Lindenbergstraße und Dinglinger Hauptstraße war vor zwei Jahren von der Bauwert AG in Baden-Baden gekauft worden. Bauwert hat in Lahr bereits Hunderte Wohnungen gebaut, aktuell kommen viele weitere hinzu, etwa auf dem Altenberg und am Akad-Areal.Jetzt sollen auf dem Nestler-Quartier rund 190 neue Innenstadtwohnungen direkt neben dem Stadtpark entstehen. 20 Prozent der neuen Wohnungen müssen Sozialwohnungen sein, also 40 Stück.

Was ist genau geplant?

Das städtebauliche Konzept sieht in dem Bereich den Bau von insgesamt acht Wohngebäuden vor. Die meisten Gebäude sind dreigeschossig, an der Dinglinger Hauptstraße, wo bisher das Hochhaus stand, ist laut Bauwert-Inhaber Uwe Birk ein gestaffeltes Gebäude mit bis zu sieben Geschossen vorgesehen. Die Gebäude im inneren Bereich nehmen in ihren Abmessungen von Ost nach West ab und übernehmen die Höhen der bisherigen Fabrikhallen. Unter den Wohngebäuden soll eine gemeinsame Tiefgarage alle notwendigen Stellplätze aufnehmen – das Quartier soll autofrei werden.

Wie läuft der Abriss?

Wegen Corona verzögerte sich der Abbruch der Gebäude im vergangenen Jahr, wir hatten berichtet. Seit einigen Wochen jedoch wird Tabularasa gemacht. Erst fielen die Hallen, jetzt das sechsstöckige Haus mit seiner auffallend blauen Fassade und den zuletzt besprühten Fenstern. "Wir kommen wie geplant vorwärts", hieß es am Freitag auf der Baustelle von der beauftragten Kehler Abriss-Spezialfirma. Diese hat mehrere starke Bagger im Einsatz. Einer von ihnen fraß am Freitag den Rest des Verwaltungstrakts nieder. Tags zuvor hatte das Haus nur noch zu einem Drittel bestanden.

War der Abriss an der Durchgangsstraße kompliziert?

Schwierig nicht, aber herausfordernd, erklärt die Abrissfirma. Um den Verkehr vor herabfallenden Steinen zu schützen, blockte eine riesige Spezialmatte die Baustelle ab. Ein großer Kranwagen hielt die Schutzmatte in die Höhe. Bis am Nachmittag war das markante Nestler-Hochhaus dann endgültig Geschichte.

Weshalb stehen im hinteren Teil noch Hallenreste?

Es hätten noch nicht alle Gebäudeteile angerissen werden können, da es bei Angrenzern im bergseitigen Teil noch Bedenken wegen möglicher Schäden an ihren Häusern gebe, hieß es auf der Baustelle. Mit diesen Nachbarn sei Bauwert jedoch im Gespräch. Man wolle alles absichern, bevor die restlichen Trakte abgerissen würden. Die einstigen Riesenhallen stehen teils sehr dicht an den deutlich niedrigeren, älteren Nachbarhäusern.

Nächste Woche will die Firma Bauwert bei der Stadt den Bauantrag stellen, erklärte Thomas Kunz, der technische Leiter der Bauwert AG, gegenüber der LZ. In wenigen Monaten dann, so hoffe das Unternehmen, könne dann mit dem Bau der neuen Häuser begonnen werden.

Nächste Woche will die Firma Bauwert bei der Stadt den Bauantrag stellen, erklärte Thomas Kunz, der technische Leiter der Bauwert AG, gegenüber der LZ. In wenigen Monaten dann, so hoffe das Unternehmen, könne dann mit dem Bau der neuen Häuser begonnen werden.

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