Kabarett im Stiftsschaffneikeller Badische Bosheiten und Banales zu Höchstpreisen

Endrik Baublies
Jörg Kräuter machte bei seiner "InvenTour" im Stiftschaffneikeller Station. Foto: Baublies

Jörg Kräuter bringt bissige Texte und Lieder / "König von Baden"

Lahr - Wenn ein Kabarettist zehn Tipps zum Besten gibt, die zur einer "gesunden, nachhaltigen Lebensweise" führen sollen, dann kann das pathologisch werden. Jörg Kräuter, Sänger und Autor aus dem Murgtal, hat die badische Seele am Freitagabend im Stiftschaffneikeller bei seiner "InvenTour" sehr gekonnt seziert.

Die Lieder waren von den Texten her bissig bis boshaft. Das Spiel auf der Gitarre dazu war eingängig. Einige Gedichte sind das Salz in der Suppe gewesen. Schade nur, dass es noch freie Plätze gegeben hat.

Der Kabarettist Jörg Kräuter bot bei der "InvenTour" Banales zu Höchstpreisen an. Das muss man können. So war der erste Tipp, dass jeder Stress vermeiden müsse. Einfache Regel: Der Tag hat 24 Stunden. Der 24. Teil des Tags besteht aus 60 Minuten. "Wer das vergisst, hat Stress." Ein weiterer Tipp: Es gelte, Leerfahrten generell zu vermeiden. Dabei schaffte es der Komiker – mit Hilfe seiner Traudel, die im Stiftschaffneikeller durch Abwesenheit glänzte – einen Tag im eigenen Haus zu beschreiben, der immer irgendeine Funktion haben müsse. Mit leeren Händen von der Küche ins Bad oder auf die Toilette gehen? Wahnsinn!

Tipps für eine gesunde Lebensweise

Was wäre die Welt ohne das Smartphone? So haben Jörg Kräuter und seine Traudel den Inhalt von 25 Metern Leitz-Ordnern auf das Handy verfrachtet. Der Komiker vergoss angesichts der "Erotik der Papp-Ungetüme" aus grauer Vorzeit ungerührt Krokodilstränen.

Eine Absage gab es an bestimmte Formen des Essens. "Veganer sind die Zeugen Jehovas der Esskultur." Im schlimmsten Fall würden sich da noch "Bioklamotten aus gebrauchtem Altpapier" gesellen. "Veganer sterben aus – wie die Dinosaurier", meinte Kräuter. Das könne jedoch Millionen von Jahre dauern. Hier präsentierte der Komiker eines seiner eigenen typisch badischen Gerichte. Man nehme sechs bis acht mittelgroße katholische Hausfrauen, unbedingt mehlig. Dazu kommen 40 Zwiebeln, ein Kilo Salz, mehrere Liter Öl und so weiter. Das ganz müsse zuletzt mit einem Vaterunser kredenzt werden. "Guten Appetit."

Da das Publikum einen Kabarettabend ohne Pause nicht schaffen würde, war der fünfte Ratschlag einfach. Allerdings gehörte hier die Bemerkung dazu, dass die Gäste sich mit Schweinen vergleichen könne, die Artgerecht gehalten werden. Das klang nach der Pause dann so. Habe es genügend Zeit gegeben, dass sich alle ausreichend im Schlamm wälzen hätten können? Die Begründung: So eng, wie es im Keller zugehen würde, könne das keine Sau ertragen. Der "König von Baden", wie sich Kräuter selbst bezeichnet, betonte als weiteren Tipp, dass man immer etwas Neues wagen müsse. Und so trug er einen Tipp nicht vor. Viagra bedeute "Es steht schlecht" sang er.

Publikum nimmt es mit Humor

Der Abend war gelungen. Kräuter hat das Talent, so in jede Menge Fettnäpfchen zu treten, dass er selbst ohne Flecken davongekommen ist. Die Gäste nahmen es mit Humor. Es gab zwei Zugaben, die laut Kräuter auch dazu dienten, dass der Veranstalter das dazugehörige Weinpräsent – sozusagen der Rausschmeißer – richten könne.

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