Lahr Autokratzer wegen Kühen landen vor Gericht

Nicht klären konnte das Lahrer Amtsgericht, was zwischen einem Landwirt und einer Autofahrerin abgelaufen ist. Foto: Symbolfoto: Braun

Lahr -  Ein Landwirt hat an einem Morgen Kühe vom Hof auf eine Weide getrieben. Eine Autofahrerin ist gegen die vorgeschriebene, aber nicht gekennzeichnete Absperrung gefahren. Der Fall landete vor dem Lahrer Amtsgericht, weil die Geschädigte den Fall zur Anzeige gebracht hatte. Es ging ihr dabei nicht um den geringen Schaden. Das erklärte die Zeugin mehrfach. Sie habe aber erlebt, dass ihr Cousin gerade durch solch eine nicht ausreichend gekennzeichnete Absperrung lebensgefährlich verletzt worden sei. Das sei der Grund, warum sie einen "gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr" angezeigt habe.

Der Beschuldigte kritisierte mehrfach, dass er den Schaden, so er davon gleich erfahren hätte, seiner Versicherung gemeldet hätte. Die hätte die Summe von 500 Euro ganz einfach bezahlt.

Tim Richter, der in Lahr die Strafverfahren leitet, ließ sich zuerst vom Angeklagten bei seiner Aussage zur Sache ausführlich erklären, was genau vorgefallen war.

Klägerin spricht von einer weiteren Frau

Der Landwirt war dabei, etwa 15 Kühe vom Hof auf eine Weide zu treiben. Die Tiere mussten die Straße des abgelegenen Seitentals queren. Er habe einen Draht mit einer Kennzeichnung, wie er sie am Langholztransporter verwendet, über die Straße gezogen. Er hatte, so versicherte er, nur einen Draht gespannt. Zwei Kühe seien "ausgebüxt". Die hätten die Fahne abgerissen. Als er das ankommende Auto bemerkte, versuchte er, mit Gesten die Fahrerin auf den Viehtrieb hinzuweisen. Die Geschädigte als Zeugin erklärte, dass sie die Straße langsam talaufwärts gefahren wäre. Den Landwirt hatte sie bemerkt und schnell abgebremst. Der erste von zwei Drähten habe einige Kratzer an einem acht Jahre alten Golf verursacht. Der Schaden würde nach Auskunft der Polizei und einer Werkstatt bei etwa 500 Euro liegen. Den Kratzer bezeichnete die Frau als "völlig unerheblich". Sie sei dann von dem Angeklagten aufgefordert worden, weiter zu fahren. Eine jüngere Frau mit einer Brille habe dann die zweite Absperrung so angehoben, das sie diese talaufwärts weiterfahren konnte. Eine zweite Absperrung stritt der Angeklagte vehement ab. Es sei auch niemand sonst am Unfallort gewesen. Ein Polizeibeamter, der als Zeuge geladen war, konnte bei den doch unterschiedlichen Aussagen keine Klarheit schaffen. Es stand Aussage geben Aussage, was die dritte Person und die zweite Absperrung betraf.

Die Zeugin hat bereits das zweite juristische Staatsexamen abgelegt und arbeitet derzeit an der Universität München an ihrer Promotion. Ihre Aussagen waren bestimmt und sie trat sicher auf. Der Angeklagte hatte – allerdings erst unmittelbar im Gerichtssaal – auf seinen verhinderten Anwalt verzichtet. Richter hatte ihn darauf hingewiesen, dass der Prozess sonst vertagt werden könne. Am Ende schlug Richter vor, dass er das Verfahren gegen die Geldauflage von 400 Euro zugunsten der Lahrer Verkehrswacht einstellen würde. Dem stimmten der Beschuldigte und die Staatsanwaltschaft zu.

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