Lahr Verkehr: Ausnahmezustand dauert an

In der Alten Landstraße werden Autofahrer durch selbstgemalte Schilder gewarnt. Foto: Röckelein

Reichenbach - Schlechte Nachrichten für die Anwohner in der Reichenbacher Gereutertal­straße und Wittumstraße: Sie müssen länger als geplant mit dem zusätzlichen Verkehr vor ihrer Haustür leben. Der erste Abschnitt der B 415-Sanierung wird nicht rechtzeitig fertig.

Der Abschnitt, der in der Mitte des gesamten Sanierungsgebiets liegt, sollte eigentlich bis zum Ende der Urlaubszeit abgeschlossen werden­ – so war es vorgesehen. An der Umleitungsstrecke in der Wittumstraße liegt nämlich der Kindergarten St. Josef. Den Kindern und ihren Erzieherinnen wollte die Stadt nach ihrer Rückkehr aus den Ferien die tägliche Blechlawine ersparen. Doch das hat nun nicht geklappt. Laut Tiefbau-Abteilungsleiter Udo Lau dauert der Bauabschnitt noch bis Mitte nächster Woche. Als Termin für die Aufhebung der Umleitung nennt er den 18. oder 19. September.  

> Weshalb der Zeitverzug? Die B 415 ist in der Ortsdurchfahrt in schlechtem Zustand, weist Verformungen, Risse und kleine Schlaglöcher auf. Nicht nur die oberste Schicht, sondern auch der Unterbau muss ersetzt werden. Diese Ar­beiten haben im ersten Abschnitt länger gedauert als erwartet, so Lau. Außerdem habe man mehr Leitungen ersetzen müssen als vorgesehen.

 > Wie hilft die Stadt dem Kindergarten? In der Wittumstraße ist ein 30 bis 40 Meter langer Fußweg markiert worden, auf dem Kinder und Eltern sicher zur Kita St. Josef gelangen sollen. Ein Ausnahmezustand, der nun noch gut eine Woche andauern soll. Autofahrer sind dort nun noch mehr zu einer disziplinierten Fahrweise angehalten, zumal die enge Straße in Hanglage ohnehin nicht für den Durchgangsverkehr gebaut wurde.  

> Wie reagieren die Anwohner? Die Anlieger haben es nicht bei den offiziellen Tempo-30-Schildern belassen: Selbstgemalte Schilder, die spielende Kinder zeigen, oder eine gelbe Warnweste, die auf einen Stuhl neben der Straße gelegt worden ist, warnen die Autofahrer. Harald Krieg, ein dreifacher Vater, hat mit seinen Kindern eines dieser Schilder angefertigt. Nicht immer würden Autofahrer die vorgegebene Geschwindigkeit beachten, bedauert er: "In den Stoßzeiten halten sie sich an das Tempo, ansonsten nicht." Auch der Lärm belastet die Anwohner. "Wir haben Schallschutzfenster, da geht das schon. Aber für Anwohner ohne solche Fenster ist es unerträglich", äußert sich Walter Herrmann.

Genervter Anwohner stellt grüne Tonne mitten auf die Straße

Selbst die Anwohner der Straße Dorfwiese, die parallel zur Wittumstraße verläuft, sind von der Umleitung betroffen. Seit Kurzem steht dort ebenfalls ein Umleitungsschild – allerdings für Fußgänger. Dies verstehen viele Autofahrer aber falsch. Das Problem daran: Die Dorfwiese ist eine Sackgasse. "Seit das Umleitungsschild da ist, ist es ganz schlimm", stellt Anwohner Sven-Eric Enzmann enttäuscht fest. Andauernd würden Autos in die Sackgasse fahren. "Es nervt brutal", ergänzt Reinhard Rehm, ein weiterer Anwohner. Zum Schutz der Kinder habe ein Nachbar bereits eine grüne Tonne in den Weg gestellt – allerdings ohne Erfolg. "Ein Autofahrer hat die Tonne beiseite geschoben, um kurz darauf festzustellen, dass die Straße aufhört", erzählt Enzmann.

Auch in der schmalen Wittumstraße wird wenig Rücksicht genommen. Im Sekundentakt quetschen sich die Autos durch die Straße. Und fährt einer dann doch einmal langsamer, hupt sogleich der Hintermann.

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