Lahr Aus dem Alltag eines Geflüchteten

Auch Siamands Murmeln und Patronenhülsen sind in der Ausstellung im Stadtmuseum zu sehen. Foto: Freundeskreis Foto: Lahrer Zeitung

Lahr (red/jr). Wie sieht das Leben und der Alltag von Flüchtlingen in Lahr aus? Darüber informiert die Sonderausstellung "Unbekannte Mitbürger –­ Leben und Alltag von Geflüchteten in Lahr", die noch bis Sonntag, 10. November, im Stadtmuseum zu sehen ist.

Die Schau zeigt, so der Freundeskreis Flüchtlinge in Lahr, der sich für die Ausstellung engagiert hat: "Die geflüchteten Menschen haben in ihrer Heimat Hab und Gut zurücklassen müssen und auf ihrer Flucht auch noch das ein oder andere verloren." Oft seien es eher unbedeutende Dinge, die sie retten konnten. Für sie haben sie aber einen unschätzbaren Erinnerungswert. Mirav Sido, 36-jährige Kurdin aus Syrien, Mutter zweier Kinder – Siamand, 16 Jahre, und Rosel, 13 Jahre –, hat beispielsweise einen Schlüsselbund und Murmeln mit nach Lahr gebracht und erzählt die Geschichten dazu: "Der Schlüssel gehörte zu meiner Eigentumswohnung in Aleppo. Das Haus war Teil eines größeren Wohnprojekts und hatte vier Stockwerke. Im obersten wohnte ich mit meiner Familie. Bevor wir einziehen konnten, haben wir sieben Jahre lang den Kaufpreis in Raten abbezahlt.

Es war eine schöne Wohnung. Es gibt nur noch ein einziges Foto, das ich von der Wohnung habe. Die anderen Fotos auf dem Handy sind auf der Flucht zerstört worden.Nach Zahlung der letzten Rate konnten wir nur eineinhalb Jahre in der Wohnung leben, bis der Krieg und die Zerstörung Aleppos begannen.

Nachdem der Rest unserer Familie nach Afrin gezogen war, lebten die Kinder und ich von 2011 bis 2012 in der umkämpften Stadt.

Bunte Murmeln als Erinnerung an den Krieg

Es war ein Jahr ohne Elektrizität, und bald auch ohne Fenster, die durch die Bombenexplosionen zerborsten waren.

Schließlich konnten wir ins Haus meines Vaters ziehen und erfuhren dort, dass unser Haus einen Tag später durch eine Bombe zerstört worden war. Als wir das Haus meines Vaters verließen, nahm ich die Schlüssel meiner Wohnung mit – in der Hoffnung, wieder zurückkehren zu können.

Die Patronen fand Siamand auf dem Dach des Hauses seines Großvaters, einige steckten auch im Mauerwerk. Er hat sie mitgenommen – als Erinnerung an den Krieg. Und noch etwas ganz Gegensätzliches nahm er mit: Murmeln, mit denen er zusammen mit seinen Freunden spielte. Er hat in Deutschland noch keine Kinder mit Murmeln spielen gesehen", erzählt sie in der Ausstellung.

Die Ausstellung ist bis kommenden Sonntag, täglich von 11 bis 18 Uhr zu sehen.

Bis dahin gebe es laut Mitteilung noch zwei Führungen mit Heimfried Furrrer, einem der Sprecher des Freundeskreises. Der Sonderführung am Samstag, 11 Uhr, können sich noch weitere, einzelne Personen anschließen. Die letzte Führung gibt es dann am Sonntag um 11.30 Uhr. Weitere Informationen, auch zu den Rahmenveranstaltungen, gibt es im Internet unter www.stadtmuseum.lahr.de und unter freundeskreis-flüchtlinge-lahr.de.

  • Bewertung
    3