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Lahr Auf die Würze kommt es an

Das Barstreet-Festival hat am Wochenende bei zumindest am Samstag gutem Wetter sehr viele Besucher auf den Rathausplatz gelockt. Unter anderem Schoko-Kebabs oder Burger mit Kamelfleisch waren heiß begehrt.

 

Lahr. Bei "Chally‘s" waren die frittierten Kochbananen "nur" eine Dreingabe. Die Nigerianerin Chally Dabai-Hauser, die in der Nähe von Stuttgart wohnt, bot traditionelle Küche aus dem westlichen Teil Zentralafrikas an. "Ich mache aber meine eigenen Rezepte", sagte sie und empfahl zum Hähnchen in Kokos-Soße unbedingt den Chili-Dipp. Der ist, in eher homöopathischen Dosen genossen, dann das gewisse Extra zu zart gegarten Hähnchenschenkeln, Reis mit Koriander und den frittierten Bananen. Die kräftige Süße der Frucht und der scharfe Dip sind ein Genuss, wenn auch zuerst etwas gewöhnungsbedürftig. Diese Erfahrung machten Eva Walter und Orietta Magerkurth. Schokolade und Chili als Getränk sei himmlisch, schwärmen die beiden. Die rund 30 Anbieter hatten auch am Samstag Glück mit dem Wetter gehabt. Der Besuch am Sonntag war trotz Regens gut.

Ganz und gar auf die süße Linie haben sich Manuela Vogt und Christoph Kurkowski aus der Nähe von Günzburg eingelassen. Sie haben am Wochenende mit viel Erfolg ihre "Geschmacksexplosion" präsentiert. Hier hat es Kebab gegeben, aber mit Früchten, weißer oder dunkler Schokolade, Kokos und fantasievollen Soßen garniert. "Wir haben das in Italien entdeckt", sagte Vogt am Samstagabend. Das habe beide so begeistert, das schnell klar war: "Das machen wir auch."

Wer es hier gewöhnlich haben wollte, kam ebenfalls auf seine Kosten. Greta und Tamara aßen mit Begeisterung jeweils eine – fast – gewöhnliche Portion Pommes. Die beiden Mädchen sind noch zu jung, um bewusst erkennen zu können, dass das Auge mitisst. Denn, wie die frittierten Kartoffeln kredenzt wurden, war doch auch wieder ungewöhnlich.

Es lockten zusätzlich Speisen aus Sri Lanka, die aber eine Ähnlichkeit mit den afrikanischen Spezialitäten nebenan hatten. Gourmets haben sicher die feinen Nuancen dazwischen festgestellt. Auch hier gab es verschiedene Kombinationen aus süß und scharf. Selbst der Kamel-Burger war nicht der absolute Clou. Unter anderem waren auch Wasserbüffel-Burger, karamellisierten Schweinebauch oder gegrillte Hähnchenherzen im Angebot.

Es waren nicht nur die Exoten, die viele Besucher anlockten. Es war auch die Art, wie alle rund 30 Food-Trucker ihre mehr als 100 Angebote kredenzten. Der Grill, der an eine Lokomotive erinnerte, war ein Augenschmaus, die Waffeln und das Eis gegenüber auch. Chally erklärte das – stellvertretend für alle – so: "Es ist alles mit viel Liebe gemacht." Und was ist noch so besonders? "Meine Gewürze, aber die sind mein Geheimnis."

INFO

Schweinebauch

Der karamellisierte Schweinebauch ist nicht unbedingt exotisch. Geht man nach römischen Quellen, haben die Germanen hauptsächlich Fleisch und Milchprodukte gegessen. Der römische Historiker Tacitus schreibt dazu: "Die Kost ist einfach: wildes Obst, frisches Wildbret oder geronnene Milch." Zudem wird die Jagd als Hauptbeschäftigung der Männer genannt. Auerochse, Reh und Wildschwein waren demnach wichtige Beutetiere. Weiter schreibt Tacitus über die Speisen der Germanen: "Ohne feine Zubereitung, ohne Gewürze vertreiben sie den Hunger." Pfeffer zum Beispiel wurde von Rom regelmäßig aus Asien importiert, aber selten bis nördlich der Alpen gehandelt. Wahrscheinlich ist, dass die Germanen Kräuter wie Beifuß, Bärlauch, Dill und Lorbeer zum Würzen ihrer Speisen nutzten. Met und Honig boten sich zur Verfeinerung an.

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