Lahr Auf den Spuren jüdischen Lebens in Lahr

Juliana Bauer informierte rund 30 Interessierte über die Geschichte des Judentums in Lahr. Foto: Baublies Foto: Lahrer Zeitung

L ahr. Auf Einladung des Historischen Vereins Mittelbaden hat die Kunst- und Kulturhistorikerin Juliana Bauer rund 30 Interessierte zu den heute noch vorhandenen jüdischen Spuren in der Innenstadt geführt. Die jetzt 59 Stolpersteine an 28 verschiedenen Stellen waren da eine Art Leitfaden der jüngeren Geschichte, die allerdings etwa 700 bis ins ausgehende Mittelalter zurückreicht.

Der Rundgang am Sonntag begann am Gurs-Mahnmal für die deportierten Juden auf dem Friedrich-Ebert-Platz. Die inzwischen 59 Stolpersteine sind ein wesentliches Merkmal, die an die jüngere Vergangenheit und die Verbrechen an Juden im Dritten Reich mahnen. An einigen der Stolpersteine erinnerten Bauer und Doris Gerteis, heute die Organisatorin der Mahnmale in Lahr, an die Schicksale dieser Mitbürger.

Nach der Reichspogromnacht wurden die verbleibenden Juden in der Schlossergasse im sogenannten Judenhaus kaserniert. Es war jetzt endgültig das Ende eines im Rückblick eher trügerischen Friedens, der nur 80 Jahre andauerte. Erst mit der jüdischen Emanzipation in der Mitte des 19. Jahrhunderts entstand – nach vermutlich 500 Jahren – eine neue jüdische Gemeinde in Lahr. Die Juden erhielten erst 1862 per Gesetz des badischen Landtags die Freizügigkeit des Wohnorts und der Berufswahl und wurden so – zumindest auf dem Papier – gleichgestellt. Daher zogen viele Juden der Umlandgemeinden in die Stadt. Diese neue jüdische Gemeinde in Lahr war allerdings klein. Bauer erklärte, dass es um 1900 etwa 140 Lahrer Bürger mosaischen Glaubens gegeben hat, was einem Prozent der Bevölkerung entsprach. Das war auch der Höhepunkt einer Lahrer jüdischen Gemeinde. Daher hat es in Lahr nur einen Gebetsraum in der Bismarckstraße ab 1888 gegenüber dem Spital gegeben – im Gegensatz zur wesentlich größeren Gemeinde in Kippenheim mit Synagoge. Ein rituelles Bad, eine Mikwe, oder einen jüdischen Friedhof hat es in Lahr dagegen nie gegeben.

Am 22. Oktober 1940 wurden die verbliebenen 21 Juden aus Lahr nach Gurs in die französischen Pyrenäen deportiert. Oft standen danach der Transport in die Todeslager Auschwitz oder Sobibor. Es kamen einige auch in Gurs ums Leben. Andere schafften davor die Flucht.

Die jüdische Geschichte in Lahr ist aber weitaus älter. Juden werden in Lahr bereits ab dem frühen 14. Jahrhundert gewohnt haben. Bauer bemühte dazu das Bürgerbuch aus dem Jahr 1356, das im Rückblick Juden als "Burger" erwähnte. Als "Burger" haben Juden sich wohl in Lahr in der Mitte des 14. Jahrhunderts erstmals angesiedelt. Die Namen "Judenbrunnen" und "Judengasse" tauchen in der Quelle auf. Die Gasse würde laut Bauer nur so genannt werden, wenn es sicher mehrere Familien hier gegeben hat. Eine Judengasse – heute an der Westseite des Marktplatzes – hat es übrigens in Lahr bis zum Jahr 1876 gegeben.

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