Lahr Anlage soll nach Lahr

 Foto: Schabel

Bis zu 70 Lastwagen, die Ladefläche mit heißem Asphalt gefüllt, verlassen täglich das Asphaltmischwerk von Vogel-Bau bei Ottenheim. Doch die Anlage ist veraltet und soll durch eine neue ersetzt werden. Der gewünschte Standort dafür ist in Lahr.

Lahr. Bernd Kopf erklärt dem Berichterstatter die Arbeitsweise der Asphaltmischanlage bei Ottenheim, zeigt auf Bitumenlagertanks, Trockentrommeln, Förderbänder, Siebmaschinen und Brenner. Die Bauteile sind in einer turmartigen Konstruktion übereinander angeordnet. Darunter steht ein Lastwagen, der gerade beladen wird. "Wir beliefern Baustellen in einem Umkreis von 60 Kilometern. Innerhalb von zwei Stunden sollte neuer Asphalt eingebaut sein", so Kopf.

Der 46-Jährige ist Geschäftsführer der Unternehmensgruppe Vogel-Bau, die in zehn Firmen 870 Mitarbeiter beschäftigt. Vogel-Bau mit Sitz in Lahr ist zwar der größte Straßenbaubetrieb in Baden, sieht sich laut Kopf aber einem unerbittlichen Wettbewerb ausgesetzt. "Wir müssen der günstigste Bieter sein, um bei öffentlichen Ausschreibungen den Auftrag zu erhalten", betont er und nennt einen Fall, bei dem das nicht geklappt hat: Bei der Auftragsvergabe für Straßenarbeiten in der Einsteinallee in Lahr sei man von einem Konkurrenten unterboten worden, der über ein Asphaltwerk der neuesten Generation verfügt. Dagegen ist die Anlage bei Ottenheim bereits 45 Jahre alt.

In einem Asphaltwerk werden, grob gesagt, Steine verschiedener Herkunft mit Bitumen und unbelasteten Zuschlägen heiß ge- mischt. In Ottenheim kann dabei bis zu 30 Prozent Recyclingmaterial verwendet werden, das beim Abfräsen alter Asphaltschichten anfällt. Die neuesten Anlagen vermögen dagegen bis zu 90 Prozent Fräsmaterial zu verarbeiten, das so vom Abfall zum Wertstoff wird. Moderne Anlagen arbeiten somit wirtschaftlicher, "außerdem sind sie gut für die Umwelt, denn sonst wachsen die Berge mit Ausbauasphalt immer weiter an", stellt der Unternehmer fest. Zu besichtigen ist das auf der Recyclinganlage von Vogel-Bau am Langenwinkeler See neben der Autobahnausfahrt Lahr, wo Gestein aus dem Straßenbau gelagert ist. Diese Anlage will die Firma aufgeben, nachdem das geplante Asphaltwerk in Lahr in Betrieb gegangen ist.

Den Standort am Rand des Industriegebiets West hat die Stadt ausgesucht. Am Limbruchweg, südlich der Kompostieranlage, sollen auf einem 4,2 Hektar großen Gelände Siloanlagen, überdachte Lagerflächen, vor allem aber ein 42 Meter hoher Turm in glänzendem Edelstahl und mit roter Einhausung entstehen.

Es ist dasselbe Rot, in dem der Werbebaukörper "L" für Lahr an der Einmündung zur Dr.-Georg-Schaeffler-Straße gehalten ist, betonte Bürgermeister Tilman Petters in einer Sitzung des Technischen Ausschusses, in der über die geplante Anlage diskutiert worden ist. Carl Langenbach von der Werkgruppe Lahr verteidigte dabei das Bauwerk als "ästhetisch gelungen", trotzdem gab es Gegenwind aus den Reihen der Ratsmitglieder. Die Bedenken galten möglichen Schadstoffen und der Verkehrsbelastung.

Ausschussmitglieder äußern Bedenken

Petters teilte mit, dass in der nächsten Sitzung Gutachten dazu vorliegen sollen. Zuvor war das Bauvorhaben im Ortschaftsrat Langenwinkel auf strikte Ablehnung gestoßen.

Bernd Kopf bedauert es, in diesem Gremium nicht angehört worden zu sein, ist er sich doch sicher, die Bedenken ausräumen zu können. "Befürchtungen wegen Emissionen und Erschütterungen sind total unbegründet", betont er. Zurzeit würde ihm erst ein Vorabgutachten zu den erwarteten Emissionen vorliegen, dabei würden sich aber alle Ergebnisse weit unter den Grenzwerten bewegen. Die Untersuchung der Feinstaubemission habe etwa durchschnittlich einen Wert von unter 1,25 Mikrogramm pro Kubikmeter ergeben, der Grenzwert sei mehr als 20-mal so hoch. Kopf: "Auf dem Hallendach wollen wir eine Solaranlage bauen. Wir würden das sicher nicht tun, wenn es ein Problem mit Staub geben würde."

Acht Millionen Euro will Vogel-Bau in das Werk investieren, das bis zu 100 000 Tonnen Asphalt pro Jahr produzieren soll. Wird die Anlage gebaut, wären das gute Nachrichten für Ottenheim und Allmannsweier, entfallen doch dann die Asphaltlieferungen durch diese Orte. Am Standort Lahr würde es dagegen keine Asphalttransporte durch Wohngebiete geben.

Vogel-Bau ist 1927 von Otto Vogel gegründet worden, sein Enkel Bernd Kopf verkörpert erst die dritte Generation des Lahrer Traditionsunternehmens. Der Bauingenieur hebt hervor: "2017 wollen wir das 90-Jährige feiern. Es wäre schön, wenn wir die neue Asphaltmischanlage in unserem Jubiläumsjahr ­in Betrieb nehmen könnten."

  • Bewertung
    0