Lahr An Weihnachten wird’s kriminell

Jörg Braun
Die beiden schrägen Typen aus der "Märzenbacher Amtsstube", Alexander Dupps und Steffen Siefert (rechts), bekannt als "Kreidlinger und Bäuerle", können dieses Jahr an Weihnachten nicht ermitteln. Eine Corona-Schutzwand haben sie aber trotzdem hochgezogen. Foto: Montage: Amtsstube XY

Unterhaltung: Filmemacher "Kreidlinger & Bäuerle" trotzen der Pandemie und starten Filmpremiere online

Für die Freunde gepflegten Klamauks in Lahr gibt es trotz Corona-Kulturpause gute Nachrichten: Das Kriminalisten-Duo "Kreidlinger & Bäuerle" alias Steffen Siefert und Alexander Dupps, versprechen im LZ-Interview eine Weihnachtsüberraschung, auch wenn ihr regulärer Lahr-Krimi, der sonst immer zu Weihnachten Premiere hat, dieses Jahr ausfallen wird. Wir sprachen mit den beiden Filmemachern.

Meine Herren, Weihnachten ohne eine amtliche Filmpremiere von Kreidlinger & Bäuerle, wer hätte das gedacht?

Siefert: Es ist traurig, aber wahr. Seit Menschengedenken pilgern alljährlich Heerscharen zu unseren Vorführungen. Doch ich gebe Ihnen mein Ehrenwort – ich wiederhole: Mein Ehrenwort! Auch wenn wir nicht im Schlacht-hof live auftreten können, die Ermittlungen gehen weiter, das Criminalwesen hält Stand. Es wird am 25. Dezember eine Premiere geben.

Wie soll das denn gehen mitten im Lockdown?

Dupps: Nach zähem Ringen auf Bund-Länder-Ebene wurden wir gebeten, im Rahmen des Möglichen ein "Signal der Hoffnung" zu senden. Dieses wird erstmals am Abend des ersten Weihnachtsfeiertags direkt aus der Amtsstube übertragen und ist über das Internet weltweit frei empfangbar. Schauplatz wird also unsere Webseite sein – eine Premiere "light", sozusagen. Was genau online ausgestrahlt wird, ist – soviel Tradition muss dann schon sein – best gehütetes Badisches Staatsgeheimnis.

Gibt es schon Reaktionen aus Ihren Fan-Kreisen?

Siefert: Recht unterschiedlich. Zum einen erhielten wir Morddrohungen, sollten wir nicht vorher die Katze aus dem Sack lassen, was wir genau vorhaben. Ein Unbekannter, dessen Name angeblich nichts zur Sache tut, be-hauptete gar, er müsse den 25. Dezember nun zuhause mit seiner Schwiegermutter verbringen und wir alleine würden für das haften, was dann geschieht. Einige waren aber auch voller Dankbarkeit, endlich mal wieder gemütlich zu Hause das Leben genießen zu dürfen. Und nicht wie all die Jahre zuvor, im Schlachthof hinter einem der vier Eisenpfosten sitzend, von zwei Betrunkenen links und rechts eingekeilt, bei brütender Hitze der Anwesen-heitspflicht Folge leisten zu müssen.

Was hatten Sie für dieses Jahr als Filmprojekt geplant?

Dupps: Unser Projekt lief unter dem Arbeitstitel "Der Maskenmann" und handelte von einem verrückten Wissenschaftler, der über die neuen Telegrafenmasten eine Seuche unter die Märzenbacher Bürgerschaft streut, was bei diesen zu Glatzenbildung und Bluthochdruck führt. Irgendwie wurden wir dann aber von der Realität überholt.

Wann und wo wäre gedreht worden?

Siefert: Gedreht worden wäre nach Plan zu Pfingsten am Funkmasten auf dem Schutterlindenberg und anderen geheimnisvollen Orten im Lahrer Stadtgebiet, etwa dem Lahrer Rathaus oder dem Seepark, bekanntermaßen das Reich des sagenumwobenen Schutterhais.

Und jetzt wird alles auf 2021 verschoben? Wie planen Sie für kommendes Jahr?

Dupps: Was im neuen Jahr überhaupt möglich ist, muss sich noch zeigen. Innerlich sind wir bis oben hin angestaut mit Ideen, die es in skurrile Kriminalgeschichten umzuwandeln gilt. Ob das allerdings im Film, Podcast oder vielleicht sogar klassisch in Schriftform geschehen wird, bleibt tatsächlich in Demut und Bescheidenheit abzuwarten.

Wie geht es Ihnen als Kulturtreibende mit diesem Kultur-Shutdown?

Siefert: Oh, wir nehmen es als Kompliment, dass unser criminalistisches Wirken bei Ihnen als "Kultur" bezeichnet wird! Hauptberuflich sind wir ja im Kriminalwesen und der Software-Branche tätig. Unsere Hoffnung ist, dass die Maßnahmen die geplante Wirkung zeigen und wir wie auch andere Kunstschaffende bald wieder die eigenen Werke einem echtem Publikum vorführen können.   

Diese Personen stecken hinter dem Filmeduo

Hinter dem Krimi-Gespann Kreidlinger & Bäuerle stehen die beiden Film- und Hörspielmacher Steffen Siefert und Alexander Dupps. 2019 feierten sie ihr 20-jähriges Dienstjubiläum mit der Sonderfolge Amtsstube XY. Gemeinsam mit ihren Freunden begeben sich die "Criminalverweser" seit vielen Jahren auf Verbrecherjagd.

In ihren jüngsten Streifen erfahren Kreidlinger & Bäuerle Unterstützung durch die Criminalpraktikantin Fräulein Schmidt. Das fiktive Städtchen Märzenbach ähnelt erschreckend der Stadt Lahr zu Zeiten des Großherzogtums Baden.

Werke sind ausgezeichnet 

Für ihre lokale Aufklärungsarbeit wurde die Badische Krimiserie mit dem Lahrer Bürgerpreis der Stiftung Bürger für Lahr ausgezeichnet. Auch der SWR berichtete schon über das durchgeknallte Kriminalisten-Duo. Die Weihnachtsüberraschung ist ab 25. Dezember online zu sehen auf kreidlingerundbaeuerle.de.