Lahr "Alte SC-Siege im Internet anschauen"

Das Coronavirus zwingt die Bundesliga momentan zur Spielpause. Auch für die Fans des SC Freiburg aus der Region bedeutet das einen Einschnitt. Wir haben uns bei Fanclubs umgehört, wie ihr Alternativprogramm am Samstagmittag aussieht.

Der Samstagnachmittag steht bei vielen in der Regel im Zeichen des Fußballs, spätestens um 15.30 Uhr sitzen Millionen in Deutschland vor dem Fernseher und verfolgen den aktuellen Bundesliga-Spieltag. In den Stadien der Republik ist dann ebenfalls viel los, natürlich auch in Freiburg. Viele Ortenauer machen sich im Zwei-Wochen-Rhythmus auf den Weg ins Schwarzwaldstadion, um den SC Freiburg anzufeuern.

Boris Sorychta vom Fanclub "Torpedo Kinzigtal" und Dennis Renter vom Fanclub "Knaddly’s" sind zwei dieser SC-Anhänger. Beide sind die Vorsitzenden ihrer Clubs, die die zwei mitgliederstärksten SC-Fanclubs sind (Torpedo: mehr als 300 Mitglieder, Knaddly’s: 263 Mitglieder).

Für Fans bricht etwas weg

Seit etwa zehn Tagen sehen nun auch die Wochenenden von Sorychta und Renter komplett anders aus, aufgrund des Coronavirus hat die Bundesliga ihren Spielbetrieb vorerst ausgesetzt. Wann und ob die Saison noch mal weitergeht, steht in den Sternen. An Spiele vor Zehntausenden Zuschauern denkt sowieso keiner. "Natürlich bricht da was weg", sagt Renter aus Kappel-Grafenhausen und spricht von einer Situation, "die man so nicht kennt".

Erinnerungen helfen

Er habe daher den ersten SC-spielfreien Tag für Büroarbeit genutzt. "Und man liest alte Fußballmagazine oder schaut sich alte SC-Siege im Internet an", schmunzelt der 34-Jährige. Ganz ohne Fußball geht es eben doch nicht, auch wenn er natürlich für die Maßnahmen der Behörden absolutes Verständnis hat. "Auch wenn Fußball noch so wichtig ist, muss man Grenzen setzen. Die Situation dient dem Schutz der Spieler und der Fans", ist er überzeugt.

Kaffee statt Stadion

Das sieht auch Sorychta – Spitzname "Präsi" – so. An dem Tag, an dem der Sportclub eigentlich in Leipzig – vor leeren Rängen – hätte spielen sollen, war er an der frischen Luft und hat mit der Familie zu Hause in Steinach Kaffee getrunken. "Das war auch mal ganz schön", sagt er. Währenddessen habe man sich mit den Nachbarn unterhalten – unter Wahrung des empfohlenen Abstands.

Die Hoffnung bleibt

Wie lange das Wochenendprogramm der Fußballfans nun so aussehen wird, wissen auch die beiden Fanclub-Chefs nicht. "Man soll ja immer Hoffnung haben", sagt der 47-jährige Sorychta. Die Verschiebung der Europameisterschaft ins nächste Jahr findet er gut, so habe die Bundesliga mehr Spielraum. Denn von einem Abbruch würde er gar nichts halten. "Im sportlichen Wettbewerb kann es nur eine Unterbrechung geben", ist er überzeugt. Zur Not könne man die Runde im Juli oder August beenden.

Geisterspiele "ein No-Go"

Auch Renter könnte sich vorstellen, dass es in diesem Sommer Bundesliga-Spiele geben wird. Ob dann wieder Fans in die Stadien dürfen und das Wetter genießen können, ist jedoch derzeit noch unklar. Renter hat zu Geisterspielen auf jeden Fall eine klare Meinung. "Das ist ein absolutes No-Go. Fußball lebt von den Fans und dem Flair. Dann sollte man lieber länger warten", findet er.

"Fans sind das Wichtigste"

Renters Meinung zu Geisterspielen teilt Sorychta grundsätzlich ("Fans sind das Wichtigste"). Er hat aber auch Verständnis für die wirtschaftliche Argumentation von Vereins- und Ligavertretern. Wenn man also Geisterspiele machen müsse, um die Vereine zu retten, "dann muss man’s so machen", findet der Kinzigtäler. Denn: "Rivalitäten zwischen den Vereinen machen nur Spaß, wenn es die Clubs noch gibt."

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