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Lahr Alles, was Schüler brauchen

Bildung ist teuer. Das spüren Eltern jedes Jahr aufs Neue, wenn sie die schulische Grundausstattung ihrer Kinder kaufen. Eltern mit schmalem Geldbeutel hilft dabei die Lahrer Tafel.

 

Lahr. In Deutschland zahlt der Staat die Schule, aber Väter und Mütter tragen die Nebenkosten – und die sind happig. Zum Schuljahresstart arbeiten Eltern Materiallisten ab, kaufen stapelweise Schulbücher und Ar­beitshefte. Weil da ganz schön was zusammenkommt, hat der Lahrer Gesamtelternbeirat bereits vor neun Jahren eine Sammelaktion für Schulmaterialien angeregt, die auch diesmal wieder ein großer Erfolg ist.

Die Schulhefte und Schreibutensilien werden seit Montag in einem Raum der Lahrer Tafel verkauft, der sonst eigentlich als Lager dient. Nun aber ist dort auf Tischen und Regalen alles zu finden, was Kinder in der Schule so brauchen – Hefte, aber auch Federmäppchen, Bleistifte, Spitzer, Radiergummis, Farbstifte, Zeichenblöcke, Tintenkiller, Lineale, Geodreiecke oder Wörterbücher. Verkauft werden die Sachen für kleines Geld, einen Fünferpack linierter Schulhefte gibt’s zum Beispiel für zehn Cent.

Die Materialien sind Spenden von Lahrer Schulen. Gesammelt worden war an der Schutterlindenbergschule, Johann-Peter-Hebel-Schule sowie an den Grundschulen in Reichenbach, Kuhbach und Sulz. Mitgemacht haben auch die Gymnasien, also "Max", "Scheffel" und "Clara-Schumann".

Ende des vorigen Schuljahres waren in den Klassenzimmern im "Scheffel" leere Kartons aufgestellt worden, in denen Schüler Sachen ablegen konnten, die sie nicht mehr benötigen, erzählte Zwölftklässlerin Phyllis Stöhr. So seien allein am "Scheffel" mehr als zehn volle Umzugskartons zusammengekommen, die an die Lahrer Tafel übergeben wurden. "Es ist eine einfache, aber wirkungsvolle Methode, Menschen zu helfen", freute sich die Schülerin, die selbst auch mehrere unbenutzte Hefte gespendet hat. "Ich habe auf ein Ordner-System umgestellt", erklärte Phyllis Stöhr am Dienstag, als Vertreter der beteiligten Schulen die Aktion vor Ort bei der Tafel vorstellten.

Die gesammelten Schulmaterialien werden seit Montag angeboten – und die Resonanz war auf Anhieb groß, berichteten Claudia Möllinger und Carmen Schöchlin. Die beiden Frauen gehören nicht zum Team der Tafel, übernehmen aber ehrenamtlich den Verkauf der Schulsachen. Er läuft bis Ende nächster Woche montags, dienstags, mittwochs und freitags von 13 bis 16 Uhr, wobei am ersten Tag eine Stunde länger offen war; so groß war der Andrang. Der Erlös wird reinvestiert – für das Geld wird neues Material erworben, das wieder an Eltern mit schmalem Geldbeutel ­ abgegeben wird, und zwar deutlich unter Einkaufspreis.

Claudia Möllinger und Carmen Schöchlin sind nicht nur als Verkäuferinnen, sondern auch als Beraterinnen gefragt, wenn zum Beispiel Eltern mit mangelhaften Deutschkenntnissen eine Erklärung benötigen, worin der Unterschied zwischen einem Heft und einem Schnellhefter besteht. Doch die beiden Frauen helfen gern. "So kann ich in meiner Freizeit etwas Sinnvolles tun", sagte Schöchlin, die im vergangenen Schuljahr am MPG Abitur gemacht hat.

Der erste Schultag sei etwas ganz Besonderes. Deshalb sei es wichtig, ABC-Schützen gut auszustatten, damit sie am Start in den neuen Lebensabschnitt Freude haben, betonte Ingrid Schatz. Die Leiterin der Tafel hob hervor, dass man mit Unterstützung des Spielwarengeschäfts "Eddy’s Kinderland" Erstklässlern neue Schulranzen für kleine Preise anbieten könne. Darüber hinaus stehen auf einem Regal mehrere gebrauchte Ranzen bereit – das Stück für lediglich 1,50 Euro.

INFO

Lahrer Tafel

Deutschlandweit werden jeden Tag rund 20 Prozent aller im Handel angebotenen Lebensmittel vorzeitig aus dem Verkehr gezogen und weggeworfen. Dabei handelt es sich um Artikel, die wegen Transportschäden oder Überproduktion nicht mehr verkauft werden können. Die Lahrer Tafel beschafft solche noch gut genießbaren Lebensmittel, bei denen das aufgedruckte Mindesthaltbarkeitsdatum freilich noch nicht erreicht ist. So gelingt es, die Waren für einen Bruchteil des ursprünglichen Preises an Menschen weiterzugeben, die dieses Angebot wegen ihrer finanziellen Lage gern nutzen. Voraussetzung für den Einkauf ist der Besitz einer Kundenkarte. Die Lahrer Tafel in der Schwarzwaldstraße 6 hat 600 Kundenkarten ausgegeben, die rund 1500 Erwachsene zum Einkauf berechtigen. Sie haben rund 500 Kinder, für die bis Ende kommender Woche auch die günstigen Schulmatarialien verkauft werden.­

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