Lahr Ärzte retten Alia vor dem Erblinden

Alia liegt nach der Operation im Krankenhaus in Aleppo. Die komplizierte OP war erfolgreich. Foto: privat

Lahr -Vor einigen Wochen hatte der Verein Freundeskreis Flüchtlinge Lahr zu Spenden für die verletzte Alia aufgerufen. Inzwischen gibt es gute Neuigkeiten: Die 14-Jährige hat ihre Augen-Operation nun inzwischen hinter sich.

Alia und ihre Familie sind überglücklich: Die 14-jährige Kurdin im Flüchtlingslager Al Shahbah ist am vergangenen Mittwoch erfolgreich an den Augen operiert worden. Das teilte ihr Vater dem Freundeskreis Flüchtlinge Lahr telefonisch mit.

Auch den Organisatoren der Spendenaktion vom Freundeskreis ist ein großer Stein vom Herzen gefallen, heißt es in einer Mitteilung. Schwer wog doch die Last der Verantwortung gegenüber den Spendern aus Lahr und Umgebung angesichts der großen Geldsumme, die gespendet wurde. Von den gut 15 000 Euro, die an Spenden eingingen, wurden 12 000 Euro für Alias Operation benötigt.

Alia war bei einem türkischen Bombenangriff auf ihre Heimatstadt Afrin schwer verletzt worden. Ein Auge wurde völlig zerstört, das andere verletzt, Metallsplitter steckten in den Knochen und dem Fleisch der Augenumgebung, der Sehnerv war beschädigt. Um das verbleibende Augenlicht zu retten und zu verhindern, dass das Mädchen komplett erblindet, sei eine Operation nötig gewesen.

Mädchen berichtet von Bombenangriff auf Afrin

Alia berichtet von dem extremen Wechselbad der Gefühle, das sie beim Bombenangriff durchlebte: "Als Afrin von den türkischen Flugzeugen bombardiert wurde, flohen wir in panischer Angst zusammen mit unseren Nachbarn in einem Kleinbus.

Wir hofften, in einem anderen Stadtviertel sicher zu sein. Doch das Fahrzeug wurde beschossen, meine drei Schwestern und ich wurden im Gesicht verletzt, überall war Blut, unsere Oma starb vor unseren Augen. Es war ein furchtbarer Schock, das Schlimmste, was ich je erlebt habe."

Im Krankenhaus in Afrin machte man ihr laut den Flüchtlingsfreunden wieder Hoffnung, dass eine Operation ihre Augen vollständig wiederherstellen könnte. "Aber da fielen auch Bomben auf das Krankenhaus und zerstörten es völlig. Wir mussten es fluchtartig verlassen. Jetzt war jede Hoffnung in mir gestorben, dass ich je wieder normal aussehen und vollständig sehen können würde."

Mirav Sido vom Freundeskreis Flüchtlinge Lahr fand eine Möglichkeit, wie Alia im Krankenhaus in Aleppo doch noch operiert werden konnte. Allerdings war das eine Auge nun unwiederbringlich verloren, und die Kosten für Alias Familie viel zu hoch.

Dank der Hilfsbereitschaft der mehr als 120 Spender konnten die Ärzte Alia nun operieren. Doch der Weg dahin war laut den Lahrern steinig und schwer: Vor allem Sido, die Initiatiorin, habe unter Stress gestanden; sie musste den riskanten Geldtransfer organisieren, das Geld war zur Sicherheit in mehreren Raten gezahlt worden. Auch die Reise Alias und ihres Vaters nach Aleppo sei gefährlich gewesen.

Sido sei ständig mit dem Vater in Kontakt gewesen, habe per Telefon die Reise organisiert und mit den Ärzten gesprochen. "Sido stand die ganze Zeit in großer Anspannung: Was, wenn das Geld abgefangen würde, die Fahrt mit Schlepper zum Krankenhaus in Aleppo verhindert worden, die Operation missglückt wäre?", heißt es von den Flüchtlingsfreunden.

Der Eingriff dauerte mehr als sechs Stunden

Denn nicht nur die Reise, sondern auch die Operation seien sehr kompliziert gewesen. Vier Ärzte verschiendener Spezialgebiete mussten gemeinsam operieren. Unter anderem entnahmen sie Knochengewebe aus Alias Hüfte und verpflanzten es in den das Auge umgebenden Knochen.

Die mehr als sechsstündige Operation sei nach all den Strapazen gut verlaufen. Besonders glücklich darüber ist laut Mitteilung Alia selbst: "Wenn die Fäden gezogen sind und ich ein Glasauge bekomme, habe ich wieder ein normales Gesicht.

Und der Arzt sagt, das andere Auge wird wieder zu 100 Prozent sehen können. Es ist wie ein Wunder", sagt sie. Ein Wunder, das durch die Mitmenschlichkeit der Lahrer Spender und Spenderinnen möglich wurde, und für das Alia ihnen unendlich dankbar ist.

Alia wünsche sich nun noch ein weiteres Wunder: "Ich hoffe, dass meine Stadt Afrin wieder auferstehen und so aussehen wird wie vor der türkischen Besetzung."

Der Freundeskreis Flüchtlinge Lahr ist im Herbst 2014 als Zusammenschluss gegründet worden. Seitdem engagieren sich die Ehrenamtlichen jeden Alters und aus vielen verschiedenen Berufen als Helfer für Flüchtlinge .Alle Informationen über die Spendenaktion und weitere Themen unter www.freundeskreis-flüchtlinge-lahr.de.

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