Lahr Ärger bei Schülern ist groß

Lahr - Der Unterricht an weiterführenden Schulen könnte zurzeit angenehmer sein, denn seit Montag müssen Schüler und Lehrer dabei Masken tragen. Jugend-liche klagen gegenüber unserer Redaktion über Konzentrations- und Kommunikationsprobleme.

Die Vorgaben der neuen Corona-Verordnung werden am Max-Planck-Gymnasium natürlich umgesetzt:

Erst sobald sie das Gelände verlassen, dürfen die MPG-Schüler ihre Maske abnehmen. Vier Zehntklässler machen im Gespräch mit unserer Redaktion ihrem Unmut darüber Luft.

Für sie seien die neuen Regelungen nervig und belastend: Die Maske müsse unablässig getragen werden, auch wenn niemand sonst in der Nähe ist. Nur beim Essen oder Trinken dürfe man sie abziehen, und auch dann nur kurz.

Das geht an den Schülern nicht spurlos vorüber. Leonie Junglas erwähnt "Kopfschmerzen und eine leichte Übelkeit", da sie durch die Maske nur eingeschränkt atmen könne.

Die anderen stimmen ihr zu, besonders im Unterricht sei die Maske eine starke Einschränkung. Auch auf dem Hof dürfe sie nicht abgenommen werden. In der Pause kurz rauszugehen und Luft zu schnappen sei nicht mehr möglich.  

Brillenträgerin klagt über Probleme:

Die 14-Jährige Sarah Laub trägt eine Brille, die ständig beschlägt, sobald sie die Maske aufhat. "Es ist auch schwer, verstanden zu werden, wenn man etwas sagt", moniert sie. "Und natürlich hat man, wenn man schlecht verstanden wird und einen Satz mehrfach wiederholen muss, auch nicht immer Lust, überhaupt noch etwas zum Unterricht beizutragen."

Schüler wünschen sich mehr Nähe:

Die Schüler sind sich einig, dass sie sich mehr Kommunikation seitens der Lehrer wünschen. Auch bei Einzelanliegen würden die Lehrer manchmal kaum auf sie zukommen – durch die vielen Regelungen würde nun viel mehr Distanz, nicht nur auf physischer Ebene, herrschen.

Der 14-jährige Magnus aus der achten Klasse findet die Regeln ebenfalls "sehr inkonsequent". Die Maskenpflicht sei nicht die ideale Lösung. "Vor den Sommerferien war es besser geregelt", meint er. "Da wurde auf Abstand geachtet. Es wurde immer die Hälfte der Klasse unterrichtet, die andere Hälfte später.

Die Tische standen so weit auseinander, dass eineinhalb Meter Abstand da waren." Jetzt seien alle Schüler da, auf Abstand werde keinen Wert gelegt, "wir sitzen dicht zusammen in den Klassenzimmern – nur eben mit Maske. Und das eine Woche vor den Herbstferien neu einzuführen, lohnt sich auch nicht."

Sein Freund Patrick stimmt zu und erzählt von einer großen Schülermenge, die sich am kleinen Ausgang des Gymnasiums bilden würde, da alle Schüler zur gleichen Zeit aus haben: Mit Maske, aber ohne Abstand. Das sei problematisch.

Ein Zwölftklässler, der dieses Jahr sein Abitur macht, sagt: "Die Regeln sind okay, man akzeptiert sie. Wichtig ist vor allem, dass die Schule offen hat und bleibt." Der Abiturient würde es sehr belastend finden, wenn die Schule kurz vor seinen Prüfungen wieder auf Fernlehre umsteigen müsse. "Es ist nun auf jeden Fall besser als während des Lockdowns", sagt er. 

Das sagt der Rektor:

Auch für die Lehrer sei das fortwährende Maskentragen durchaus eine Belastung, sagt Rektor Christoph Bohn im Gespräch mit unserer Redaktion. Zumal die Pädagogen die Masken auch im Lehrerzimmer nicht absetzen dürften. Der Unterricht funktioniert grundsätzlich auch mit Maske, ist Bohn überzeugt, wobei es aber schon Unterschiede gebe.

Probleme würden eher bei jüngeren Schülern auftreten, vor allem im Sprachunterricht:

Wenn es zum Beispiel im Französischunterricht um die richtige Aussprache gehe, störe die Maske schon.  

Schüler mit ärztlichem Attest:

Ausnahmen für die Maskenpflicht gelten nur, wenn Schüler ein Attest vorweisen.

Laut Bohn haben am Montag und Dienstag am "Max" insgesamt fünf Schüler (von 740) eine ärztliche Bescheinigung mitgebracht, aus gesundheitlichen Gründen keine Maske tragen zu müssen. Das werde respektiert, so der Rektor. Diese Schüler würden dann aber gebeten, besonders auf das Einhalten der Anstandsregeln zu achten.

 Klagen über Toilettenregelung:

Auch ohne die Maskenpflicht im Unterricht hat sich das Schulleben in der Pandemie verändert. Eine schlechte Lösung seien dabei die Toilettenregeln, sagen die Schüler im Gespräch mit unserer Redaktion. In einer Toilette gäbe es ungefähr fünf Kabinen, aber nur ein Schüler dürfe die Toilette betreten.

Dann werde eine rote Karte vor der Tür ausgelegt, das Ganze ähnele einem Ampelsystem. Diese Lösung halten die Schüler aber nicht für optimal. "In der Toilette herrscht auch Maskenpflicht, Abstand wäre da.

Stattdessen bilden sich dann vor den Toiletten lange Warteschlangen und manchmal reicht die Pause nicht aus."

Die Zehntklässler erzählen auch von der Pflicht zum Lüften der Klassenzimmer. Das sei besonders bei kalten Temperaturen sehr unangenehm, die Schüler müssten dann ihre Jacken anziehen.

 Schüler wollen kein Home-Schooling:

Trotzdem sei die Stimmung in der Schule relativ normal. Bei "High Fives" und Umarmungen würden die Schüler manchmal böse Blicke von den Lehrern ernten, aber das sei auch schon alles. Außerhalb der Schule würden sie sich dann ohnehin ganz normal treffen.

Trotz der Einschränkungen finden sie die momentane Situation besser als das Homeschooling. Sarah Franz sagt, ihr sei es wichtig, dass sie sich hier weiter mit ihren Freunden treffen könne. Die Klassengemeinschaft habe natürlich einen hohen Mehrwert. "Ich kann mit den Regeln leben", sagt sie, "es ist besser als die Fernlehre zu Hause."

Das sagt die Elternsprecherin

Christine Marrek leitet den Lahrer Gesamtelternbeirat. Sie ist Krankenschwester von Beruf, weiß also, was es heißt, den ganzen Tag eine Maske zu tragen. "Es ist anstrengend", höre sie auch von ihren drei Söhnen, die das "Scheffel" besuchen. Die meisten Eltern hätten aber Verständnis für die Maßnahme, sie selbst auch.

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