Zeremonie in der Ludwig-Frank-Straße Acht neue Stolpersteine für Lahr

Endrik Baublies

Gedenken: Erinnerung an SPD-Gemeinderat Kamill Delfosse

Lahr - Künstler Gunter Demnig kam am Montag nach Lahr, um acht neue Stolpersteine für Verfolgte des Nationalsozialismus zu verlegen. In einer Zeremonie wurde an den SPD-Gemeinderat Kamill Delfosse erinnert.

In Gedenken an Kamill Delfosse, der als SPD-Mann von den Nazis verfolgt wurde, wurde am Montag ein Stolperstein verlegt. Sieben weitere Stolpersteine wurden ebenfalls in Erinnerung an NS-Verfolgte in Lahr gesetzt.

Delfosse war SPD-Gemeinderat und wurde unmittelbar nach der Machtergreifung im Januar 1933 von den Nazis in eine sogenannte "Schutzhaft" genommen. Der SPD-Politiker überlebte – auch wenn er mehrfach inhaftiert wurde – das Dritte Reich. Zur Verlegung seines Steines kamen 17 Angehörige, darunter Ururenkel aber auch eine Zeitzeugin. Gesetzt wurden die Steine vom Erfinder der internationalen Stolpersteine, Gunter Demnig, der zu diesem Anlass aus Karlsruhe nach Lahr gereist war.

"Die Stolpersteine gehören zu den Häusern, wo die Menschen abgeholt wurden", so schlicht stellte Demnig die Idee der gesamten Initiative vor. Im Falle von Delfosse, Vater von neun Kindern, war es die Adresse Friedensheim 99, die heutige Ludwig-Frank-Straße 14. Da wohnte die Familie, als die braunen Schergen den Familienvater und engagierte Stadtbürger – immerhin war Delfosse Gemeinderat – abholten.

78 Stolpersteine in Lahr

Es ist in Lahr bisher die Ausnahme gewesen, dass Künstler Demnig Bezug auf sein Gesamtkunstwerk nahm. Als solches will er die heute mehr als 80.000 Stolpersteine verstanden wissen. Die einzelnen Steine sollten als eine Art Hinweis verstanden werden. "Wir freuen uns über jeden neuen Stein", so der Künstler. Demnig ergänzte hier, dass er irgendwann gedacht habe, es müssten irgendwann mal weniger zu verlegende Steine werden. Das Gegenteil sei der Fall. Am kommenden Montag werde der Künstler 25 weitere Stolpersteine in Freiburg verlegen. Demnig ist es außerdem gelungen, Stolpersteine in Serbien zu verlegen.

Natürlich sollen die Stolpersteine auch ein – nicht zu übersehender – Hinweis sein. Oberbürgermeister Markus Ibert sprach in der Ludwig-Frank-Straße von der "Stadtgesellschaft", die in Lahr die nunmehr 78 Stolpersteine anerkennen und unterstützen würde. Dazu würden die Stadtverwaltung und der Historische Verein, Regionalgruppe Geroldsecker Land, gehören. Der Verein und Mitarbeiter der Stadtverwaltung engagieren sich bei der Recherche, wer, wo und wie im Dritten Reich verfolgt wurde. Ibert ergänzte hier, dass die Stolpersteine nach Kriterien des Bundes-Versehrten-Gesetzes ausgewählt würden. So könnte mit den Mahnmalen an alle Verfolgten im Dritten Reich erinnert werden.

Demnig freute sich zuletzt über ein Präsent der Gruppe, das in seiner Form an einen Stolperstein erinnerte. Musikalisch begleitet wurde die Zeremonie von Pauline Siefert und Apollonia Meier von der Lahrer Musikschule.

Neben dem Stolperstein in der Ludwig-Frank-Straße 14 gehören seit Montag sieben weitere Mahnmale zum Stadtbild Lahrs. In der Obertorstraße 19 erinnern zwei Stolpersteine an Hedwig und Marlene Herbert. Weitere Stolpersteine befinden sich in der Werderstraße 59 und der Alleestraße 7.

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