Lahr 41 Infizierte nach Gottesdienst mit Hochzeit

Nach einem Gottesdienst in Langenwinkel haben sich 41 Besucher mit dem Coronavirus infiziert. Foto: Merz Foto: Lahrer Zeitung

Lahr. Ein Youtube-Video zeigt Braut und Bräutigam auf einem Sofa sitzend. Rechts daneben spielt ein Mann am Piano, hinter ihm stehen acht Personen dicht nebeneinander mit Mikrofonen in der Hand und singen.

Das Video hat die Freie Evangelische Christusgemeinde (FECG) Lahr am 26. November hochgeladen. Es soll einen Gottesdienst vom 15. November in ihrer Kirche in Langenwinkel zeigen, bei dem einer der Anwesenden mit dem Coronavirus infiziert gewesen sein soll.

Inzwischen sind 41 Personen "in Zusammenhang mit einer religiösen Veranstaltung" positiv auf das Coronavirus getestet worden, bestätigt das Landratsamt. Laut Pressesprecherin Caroline Luschy läuft die Nachverfolgung der Kontaktpersonen weiter, insgesamt 200 Kontaktpersonen seien bereits ausfindig gemacht und informiert worden.

Die Veranstaltung an sich liege bereits so weit zurück, dass die Personen, die bei dem Gottesdienst bereits mit dem Virus infiziert waren, schon nicht mehr in Quarantäne seien. Bereits im September hatte es einen Massenausbruch nach einer kurdischen Hochzeit – allerdings bei einer privaten Feier – gegeben.

Laut Luschy ist der aktuelle Fall ebenfalls eine "Veranstaltung mit größerem Infektionsgeschehen", auch vergleichbar mit der Versammlung einer Freikirche im elsässischen Mulhouse im Februar, bei der sich mehrere Ortenauer infiziert hatten. Wie es nun zu der hohen Zahl an Neuinfizierten in Zusammenhang mit dem Gottesdienst kommen konnte, werde aktuell geprüft – dafür sei aber das Ordnungsamt der Stadt Lahr zuständig, ebenso wie für die Einleitung eines Bußgeldverfahrens.

Auf LZ-Nachfrage bestätigt die Stadt, dass ein solches Bußgeldverfahren eingeleitet wurde und das Youtube-Video der Christengemeinde darin auch als Beweismittel dient. Ob die Gottesdienstteilnehmer gegen die geltenden Corona-Regeln verstoßen haben, sei nicht klar und werde gerade vom Ordnungsamt untersucht.

Auch, gegen wie viele Personen ein Bußgeldverfahren eingeleitet wurde und in welcher Höhe es angesetzt ist, stehe laut Stadt noch nicht abschließend fest. Das hänge vom Verwandtschaftsgrad der beteiligten Personen ab. "Personen, die in gerader Linie miteinander verwandt oder Geschwister sind, sind beispielsweise vom Abstandsgebot ausgenommen", so die Stadt.

Bei religiösen Veranstaltungen kontrolliere das Ordnungsamt stichprobenartig, um zu überprüfen, ob die Hygieneregeln eingehalten werden.

Pastor Viktor Binefeld, der die Kirchengemeinde leitet, wollte auf Nachfrage keine weiteren Informationen geben. Die Kirchengemeinde halte den nächsten Gottesdienst voraussichtlich am 20. Dezember ab, bis dahin bleibe die Kirche geschlossen.

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