Lahr 100-Tonnen-Teil geht auf die Reise

Lahr - Auf dem Parkplatz der Firma Kohler am Flugplatz ist am Dienstagmorgen schweres Gerät vorgefahren. Mit Spezialkränen wurde eine 100 Tonnen schwere Teilerichtmaschine verladen – die größte, die der Maschinenbauer je konstruiert hat.

Kurz nach 7 Uhr fahren zwei Spezialkräne vor der Montagehalle des Maschinenbauers vor und werden rechts und links des Eingangstors positioniert. Drinnen wird die Teilerichtmaschine –­ 5,30 Meter hoch, sechseinhalb Meter lang und gut drei Meter breit – von einem Schwerlast-Stapler auf Panzerrollen langsam Richtung Ausgang geschoben. Diese Millimeterarbeit dauert eine Stunde, dann steht das mehr als 100 Tonnen schwere Riesenteil draußen. Der obere Teil, der 51 Tonnen wiegt, wird von den Kränen angehoben, schwebt in der Luft. Auf der Maschine stehen zwei Mitarbeiter, die den Männern in den Kran-Kommandoständen aus luftiger Höhe Anweisungen geben.

Der untere Walzenstuhl, zu dem auch Grundrahmen und Schaltschränke gehören, wird zurück in die Halle geschoben. Jetzt wird ein Tieflader in Position gefahren, der obere Teil der Maschine wird herabgelassen, gesichert und für den Transport eingepackt.

Das Manöver dauert mehrere Stunden

Das Manöver, an dem zehn Mitarbeiter beteiligt sind, dauert mehrere Stunden. Später am Tag wiederholt es sich, wenn der untere Teil der Maschine erneut aus der Halle gefahren und auf einen weiteren Tieflader gehoben wird.

Mit seinen 150 Mitarbeitern zählt Kohler zu den personal- und umsatzstärksten Unternehmen, die sich in den vergangenen Jahren am Lahrer Flugplatz angesiedelt haben. Gegründet worden ist der Betrieb 1963 in Friesenheim (siehe Info). Der Bau der Teilerichtmaschine, die jetzt verladen worden ist, sei ein Meilenstein für das Unternehmen, verdeutlicht Isabell Lehmann, bei Kohler zuständig für Presse und Marketing. Die Konstruktion von Maschinen, mit denen Bleche gerichtet und entspannt werden, sei für Kohler Tagesgeschäft – doch eine Maschine dieser Dimension sei etwas Besonderes, so Lehmann. Konstruiert worden war sie ab Mai 2019 in der 20-köpfigen Entwicklungsabteilung des Betriebs, nach Lieferung der Komponenten wurde sie ab September in der riesigen Montagehalle zusammengebaut.

"Es zeigt, dass unser Konzept am Markt ankommt", freut sich Lehmann über den Auftrag, den ein Abnehmer aus den Niederlanden erteilt hatte. "Der Kunde richtet mit der Teilerichtmaschine künftig Bleche aus Stahl von bis zu 40 Millimeter Dicke, die bis zu fünf Tonnen schwer sind. Die Bleche werden dann unter anderem im Schiffsbau und in der Petrochemie eingesetzt", sagt Lehmann. Beim Namen des Kunden hält sich das Unternehmen ebenso wie beim Kaufpreis bedeckt.

Auf zwei Tiefladern verpackt steht die Riesenmaschine am Dienstagabend auf dem Parkplatz von Kohler – den Transport übernimmt eine Schwergutspedition. Wegen ihrer Breite und des hohen Gewichts dürfen die Tieflader nur nachts fahren und werden zeitweise von der Polizei begleitet. Für den Transport werden zwei Nächte benötigt. Die Maschine mit dem Produktnamen Peak Performer 120P.3500 wird beim Kunden von einem dreiköpfigen Serviceteam von Kohler erwartet, das sie aufstellen und in Betrieb nehmen wird.

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